Rigi Anzeiger
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Schule Adligenswil als Vorzeigeobjekt

Integrative Förderung an Primarschulen

Der Bildungsdirektor auf Schulbesuch. Das hat Tradition. Letzte Woche weilte Reto Wyss einen halben Tag in Adligenswil, um sich ein Bild von einer fortgeschrittenen Integrativen Förderung zu machen.

Integrative Förderung bedeutet, dass die früheren Kleinklassen und Sonderschulen aufgehoben und alle Schüler in die Regelklassen integriert werden. Seit Beginn dieses Schuljahres ist IF für sämtliche Primarschulen des Kantons Luzern obligatorisch. Für einige Gemeinden ist IF nichts Neues. Das gilt auch für Adligenswil, das in Sachen Integrative Förderung gar eine Vorreiterrolle im Kanton einnimmt. «Wir arbeiten bereits seit 1994 integrativ, vor zehn Jahren haben wir das Angebot dann flächendeckend eingeführt», sagt Schulleiter Martin Schwab. Will heissen, dass in Adligenswil alle Schüler von IF profitieren – verhaltensauffällige, solche mit Legasthenie oder Dyskalkulie, aber auch besonders begabte. Und zwar vom Kindergärtner bis zum Sekschüler. Auf der Sekundarstufe ist das Angebot allerdings den Lernenden des Niveau C vorbehalten. Zum Vergleich: Im Kanton Luzern wird IF an der Sekundarstufe erst ab dem nächsten Schuljahr obligatorisch eingeführt.

 

Vom Kindergarten bis zur Sek

Die kantonale Gesetzgebung besagt, dass auf der Primarstufe pro 120 Schüler eine Vollstelle vorgesehen ist. Auf der Sekundarstufe ist es eine Vollstelle auf 140 Schüler. Für Adligenswil mit seinen 440 Schülern ergibt das rund dreieinhalb Vollzeitstellen, die auf die einzelnen Klassen verteilt werden. Die Kindergarten- und Primarklassen bekommen heute also zwischen vier und fünf Wochenlektionen IF zugesprochen. Während diesen Stunden wird in erster Linie präventiv gearbeitet. Ziel ist es, Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen möglichst früh zu eruieren und geeignete Massnahmen, die zum Lernerfolg beitragen, in die Wege zu leiten. Die Schule Adligenswil legt zudem Wert darauf, dass die Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen nicht aus der Klasse herausgenommen, sondern wenn immer möglich im Klassenverband individuell betreut werden. «Sozial- und Selbstkompetenz lernt man nicht im Einzelunterricht, sondern in der Gruppe», sagt Hansruedi Schütz, IF-Verantwortlicher an der Primarschule.

Am letzten Donnerstag stattete Bildungsdirektor Reto Wyss der Schule Adligenswil einen Besuch ab. In drei Klassen des Schulhauses Kehlhof konnte er konstatieren, dass die Integrative Förderung hier ausgezeichnet funktioniert. Das war aber nicht immer so. «Auch bei uns gabs zu Beginn Ängste und Bedenken seitens der Eltern, doch die sind längst verflogen», erzählt Martin Schwab. «Sie schätzen unsere Arbeit und haben erkannt, dass es nichts Aussergewöhnliches oder gar Erniedrigendes ist, wenn ein Kind individuell betreut wird.» Im Gegenteil: «Es gibt sogar Eltern von Sek-A- und Sek-B-Schülern, die ebenfalls von IF Gebrauch machen wollen», sagt der Schulleiter mit einem Schmunzeln. Trotzdem guter Stimmung ist man in Adligenswil noch nicht rundum glücklich. So äusserte Hansruedi Schütz gegenüber Reto Wyss das Bedürfnis nach zusätzlichen IF-Lektionen. Der Bildungsdirektor musste ihn allerdings – nicht ganz überraschend – enttäuschen: «Die aktuelle finanzielle Situation des Kantons Luzern lässt einen Ausbau der Integrativen Förderung zurzeit nicht zu. Ich werde mich aber mit allen Kräften dafür einsetzen, dass wir den Standard halten können.»