Rigi Anzeiger
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«Schweissmatt» bleibt Wermutstropfen

Gescheitertes Photovoltaik-Projekt bei Inwil schmerzt CKW

Steigerung im zweistelligen  Prozentbereich zeichnet den  Jahresabschluss 2013 der CKW  aus: Betriebs- und Unternehmensergebnis  liegen deutlich  über dem Vorjahr, und die Bilanzsumme  übersteigt erstmals  die zwei Milliarden-Grenze. Auf  den zweiten Blick allerdings  erweist sich die Steigerung als  «nicht nachhaltig», wie CEO  Andrew Walo sagte. Und als  Wermutstropfen in seinem letzten  Jahr als operativer Chef des  zentralschweizerischen Energieriesen  bleibe das gescheiterte  ambitiöse Photovoltaik-Projekt  in der «Schweissmatt».

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Mit stolzen Zahlen verabschiedete sich  CEO Andrew Walo von der operativen  Leitung der Centralschweizerische Kraftwerke  AG. Das Betriebsergebnis stieg um  33,7 auf 142,8 (plus 30,9 Prozent), das  Unternehmensergebnis um 27 auf 132,2  Millionen Franken (+25,7%). Doch in den  Tiefen des Zahlengebirges, das der neue  Finanzchef Christian Hütwohl zeigte, entdeckt  man auch Positionen, die erahnen  lassen, wie schwierig, anspruchsvoll und  ungewiss das Geschäft mit der elektrischen  Energie geworden ist.

«Nicht nachhaltig»

Das schöne Betriebsergebnis ist zu einem  wesentlichen Teil auf die Auflösung von  Rückstellungen zurückzuführen – «nicht  nachhaltig», kommentierte Andrew  Walo. Im Segment Energie, dem Kerngeschäft  des Unternehmens, sank die  Gesamtleistung um 42,8 Millionen (minus  8 Prozent) und damit unter die 500-  Millionen-Marke. Das, erläuterten die  CKW-Chefs, sei eine Folge des «Marktpreiszerfalls  ». Andrew Walo visualisierte  es mit einer Kurve, die nur eine Richtung  zeigt – nach unten. Um 60 Prozent ist  der Strompreis am Terminmarkt in den  letzten acht Jahren eingebrochen. Das  ist eine Folge des hoch subventionierten  Wind- und Sonnenstroms. Die Elektrizitätsproduzenten  und –versorger stellt  das vor erhebliche Probleme. Sie müssen  die Versorgungssicherheit gewährleisten,  haben es aber mit höchst unzuverlässigen  Stromlieferanten zu tun – wenn  der Wind nicht bläst und die Sonne nicht  scheint, fehlt der «Pfuus» der so genannten  neuen erneuerbaren Energiemaschinen,  wenn ein flotter Westwind über die  Länder streift und die Sonne auf die PVDächer  brennt, platzt das Angebot aus  allen Nähten. Das zwingt die Versorger  zu immensen Investitionen in Netzausbauten  und zuverlässige Kraftwerke für  die so genannte «Regelenergie».

«Tut weh»

Für den von der Politik mit der «Energiewende  » verfügten Kraftakt haben die  CKW einen Investitionsbedarf von 3 Milliarden  Franken bis 2050 errechnet. Aktuell  floss das Geld zum Beispiel in das  Windkraftwerk Lutersarni im Entlebuch,  in die Beteiligung an grossen Windparks  in Frankreich und in die Modernisierung  und Effizienzsteigerung im Wasserkraftwerk  Göschenen. Doch das vielleicht  ambitionierteste Investitionsvorhaben  der CKW scheiterte in der politischen  Güterabwägung. Die Photovoltaik-Freiflächenanlage  in der Schweissmatt bei  Inwil stand in Konkurrenz zum Fruchtfolgeflächen-  Bedarf, den der Kanton Luzern  ausweisen muss. Den Charme des  Schweissmatt-Projekts sahen die CKWEnergiefachleute  in der Kooperation mit  der Hochschule Luzern Technik. Die  Anlage hätte Fakten liefern können, wie  sich die launische PV-Produktion einer  Grossanlage ins Netz integrieren lässt.  Daraus wird nun nichts – «das tut heute  noch weh», gestand Andrew Walo an  seiner letzten Bilanz-Medienkonferenz  als CKW-CEO.

«Abstimmung zwingend»

Künftig ist Walo der Repräsentant eines  Big-Players in der schweizerischen  Energiepolitik (er ist neu CEO der CKWMutter  Axpo, in den CKW wechselt er  ins VR-Präsidium). Was er zur schweizerischen  Energiepolitik zu sagen hat, wird  künftig noch mehr Gewicht haben. An  seiner letzten CKW-Bilanzmedienkonferenz  sprach er wie gewohnt Klartext:  die Energiewende-«Strategie» des Bundes  hält er für fragwürdig, weil sie nicht  auf Marktmechanismen sondern auf «das  süsse Gift der Subventionen» setzt. Vor  allem aber: «Es fehlt die direktdemokratische  Legitimation, eine Volksabstimmung  über die Energiestrategie des Bundesrates  ist zwingend.»