Rigi Anzeiger
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«Schweissmatt» wird zum Testfall für Sonnenstrom

Photovoltaik-Projekt der CKW bei Inwil wirft Grundsatzfragen auf

Energie oder Ackerfrüchte ernten – diese Grundsatzfrage stellt sich in der Schweissmatt bei Inwil. Auf einer Fläche von 15 Hektaren wollen die CKW dort auf ihrem Land die grösste Photovoltaikanlage der Schweiz erstellen. Der Knackpunkt: Die Liegenschaft ist im kantonalen Fruchtfolgefläche-Katalog.

Gesamtleistung und Stromabsatz gehalten, Betriebsergebnis befriedigend – das ist die Kernbotschaft zum Geschäftsjahr 2011/12 der CKW-Gruppe. In einem energiepolitisch schwierigen Umfeld ist das eine gute Botschaft, die CEO Andrew Walo und Finanzchef Beat Schlegel ihren Aktionären präsentieren können. Doch ruhige Zeiten stehen dem Stromunternehmen nicht bevor. Das erläuterte Walo an der Bilanz-Medienorientierung.

Für die Centralschweizer Kraftwerke steht neben dem Kraftakt «Energiewende» vor allem das «Projekt Schweissmatt» ganz oben auf der Liste der Herausforderungen. Die Photovoltaikanlage auf freiem Feld in der Gemeinde Inwil ist für das Unternehmen vor allem als Forschungsinvestition für den bevorstehenden umfassenden Netzumbau gedacht. Die 10-Megawattanlage würde es erlauben, Sonnenstrom in grossem Stil auf der Mittelspannungsebene ins Netz einspeisen. So liessen sich Erfahrungen über die Auswirkungen des unregelmässig anfallenden Sonnenstroms aufs Netz sammeln. Bereits haben CKW und die Hochschule Luzern Architektur und Technik eine Forschungszusammenarbeit vereinbart.

CEO Andrew Walo: «Aus unserer Sicht ist das Projekt bewilligungsfähig»

Doch ob die Anlage gebaut werden kann, ist ungewiss. Derzeit liegen die Unterlagen beim Kanton. «Aus unserer Sicht ist das Projekt bewilligungsfähig», ist Andrew Walo überzeugt. Bei der kantonalen Vorprüfung allerdings stellen sich Grundsatzfragen: die Schweissmatt ist teilweise als Fruchtfolgefläche ausgewiesen. Das ist landwirtschaftliches Vorzugsland, das gemäss Sachplan des Bundes vom Kanton gesichert werden muss. Im Kanton Luzern werden die Fruchtfolgeflächen knapp – die Reserve gegenüber dem vom Bund vorgegebenen Soll ist auf etwa 100 Hektaren geschmolzen. Verbindliche Kriterien für die Standortbeurteilung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen gibt es noch nicht. Eine neue Arbeit an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften hält fest: «Die Produktion von erneuerbaren Energien soll nicht mit Fruchtfolgeflächen konkurrieren.» Zu welchem Schluss man im Fall Schweissmatt kommt, ist offen. Für Andrew Walo geht es um einen wegweisenden Entscheid: «Wenn Fruchtfolgeflächen höher gewichtet werden, hat das auch Auswirkungen auf Industrieansiedlungen im Kanton.» Im Bau- und Zonenreglement der Gemeinde Inwil ist die Schweissmatt als «strategische Landreserve» für Energieproduktion oder für Betriebe von «nationalem Interesse» definiert. Je nach Dauer und Ausgang der kantonalen Prüfung wird das Projekt Schweissmatt schon im kommenden Frühjahr die Bürgerinnen und Bürger von Inwil beschäftigen: sie müssen über eine für die PV-Anlage notwendige Umzonung der Schweissmatt entscheiden.