Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Seh Meer»

Meggen: Die Ausstellung «Seh Meer» von Judith Albert und Angela Wüst greift die Lage des Ausstellungshauses am See mit Blick in die Berge auf.

111-Meggen Benzeholz Kunst

red. Die pittoreske Landschaft erzeugt den Wunsch nach mehr See oder gar nach mehr Wildnis. Was wäre, wenn hier das weite Meer beginnen würde oder wenn der Wasserspiegel steigt? Die Videokünstlerinnen nehmen Realität und Wunschdenken auf und erzeugen mittels Projektionen vielschichtige BildweIten. Dafür greifen sie Bilder aus ihrem Umfeld, aus Kunstgeschichte und Medienwelt auf und überlagern diese. Das Verrücken als Öffnen der Wahrnehmung des Alltags auf etwas anderes hin, geschieht in den Werken der beiden Künstlerinnen auf je unterschiedliche Weise. In den Videoarbeiten von Judith Albert, der diesjährigen Kunstpreisträgerin der Zentralschweiz, ist das Wasser ein zentrales Thema. Als fliessendes Element birgt es einerseits Potential zur Veränderung. Andererseits wird das Wasser als durchsichtige Materie zum Spiegel zwischen Innen und Aussen. In «mare mosso» von 2015 balanciert die Künstlerin im Videobild auf der Linie zwischen Land und Wasser. Die fast zwanzig Jahre jüngere, in Luzern aufgewachsene Angela Wüst zeigt Rauminstallationen aus architektonischen Bildern und Konstruktionen, aus Licht und Projektion. Aus den skulpturalen Einzelteilen entsteht eine Stadtlandschaft, die aber nicht als Ganzes lesbar ist, aus der sich verschiedene Blickwinkel ergeben. Die Dimensionen der architektonischen Objekte und deren Ausrichtung lassen sich keinem Raumsystem zuordnen. Die Installation entzieht uns den Boden: die Objekte scheinen im Lichtfluss oder gar im Hochwasser zu versinken. Ebenso vermitteln die Screenshots der Google-Earth-Reise von Meggen zum Mittelmeer einen prekären Zustand: Leerräume öffnen sich zwischen Felsen, Wiesen und Wasser und zeigen die Möglichkeiten und Grenzen räumlicher Darstellung auf. Wie die Künstlerin neuartige Fotografien auf ihrer virtuellen Reise im Netz findet, so fokussieren wir beim Durchwandern ihrer Installationen immer wieder neue Bildausschnitte. So unterschiedlich die Bildsprache der beiden Künstlerinnen ist, verbindet ihre Werke das Spiel mit Dimensionen und Raumverschiebungen.

Vernissage: Freitag 20.5., 18.30 Uhr
Sonntag 5.6., 17 Uhr: Lesung von Ilma Rakusa