Rigi Anzeiger
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Seine Cocktails haben Show-Potential

Wenn Benoît Meny, leidenschaftlicher Barman, in seinen Ideenfundus taucht, dann können schon mal Aromen von Geranien und rauchigem Rhum zum Thema werden. Oder «Aquayana» hat als Absinth-Brunnen ihren Auftritt.

Man nehme ein Holzbrett, einen Bunsenbrenner, ein Stück dunkle Schokolade, alten Rhum und ein Glas. Wenn das Experiment gelungen ist, dann entsteht daraus der Winterdrink. Beim Besuch an seinem Arbeitsort in Merlischachen war Tüftler Meny noch nicht am Ziel. Damals, anfangs Dezember liess auch der Winter noch auf sich warten, fern noch tiefe Temperaturen und Schnee. Bereits im reich dotierten und akkurat sortierten Gestell über der Bar hingegen hat der für den Sommerdrink kreierte Geranien-Gin seinen Stammplatz gefunden. «Ich sitze ab und zu nachmittags in der geschlossenen Bar und pröble an neuen Drink-Kreationen», sagt der erfahrene Barman. Der 150 Cocktails aus dem Gedächtnis mixen kann.

Chef de Bar Benoît Meny an der Chalet Bar mit seiner neusten Errungenschaft, dem Absinth-Brunnen «Aquayana», in der Hand hält er eine Glaspfeife. Daraus wird die Wermuthspirituose getrunken. Bild ju

Chef de Bar Benoît Meny an der Chalet Bar mit seiner neusten Errungenschaft, dem Absinth-Brunnen «Aquayana», in der Hand hält er eine Glaspfeife. Daraus wird die Wermuthspirituose getrunken. Bild ju

Berufswunsch erfüllt
Schon als Kleinkind wusste der heute 57-Jährige: «Inspiriert von der ‹Beiz›, die mein Lieblingsonkel führte, war für mich klar: Ein Beruf in der Hotelbranche soll es werden.» Als Nesthäkchen, entsprechend verwöhnt von seinen drei 9, 11 und 12 Jahre älteren Geschwistern, war seine Kindheit trotzdem nicht frei von dunklen Stunden. Als 6-Jähriger verlor er seinen Vater und die Mutter führte das Transportgeschäft in Baldersheim (Elsass) bis der älteste Sohn übernehmen konnte.

Benoît schloss die Hotelfachschule in Strassburg mit Erfolg ab. Und heuerte auf einem Rheinschiff als Chef de Rang im Restaurant an. Wegen einer personellen Panne landete er aber als Steward an der Bar. «Ein Glücksfall für mich», sagt er rückblickend. «Ich sympathisierte mit vier Ehepaaren aus Zermatt.» Als er seinen Wunsch nach einer Arbeitsstelle in der Schweiz äusserte, um zusätzlich das Skifahren zu verbessern, «erwartete ich keine Rückmeldung». Zwei Wochen später kam Post aus Zermatt mit der Bitte um die Bewerbungsunterlagen. Ohne Vorstellungsgespräch folgte der Anstellungsvertrag für die Wintersaison als Barman ins Hotel Mont Cervin.

Holpriger Start in der Alpenstadt
«Es war hart und schwierig dort, mir fehlte die Mobilität, die Nähe zum Urbanen». Nach Engagements in besten Häusern, im Hotel Suvretta House in St. Moritz und im Hôtel du Rhône in Genf, rief der französische Staat zum einjährigen Militärdienst. Zurück in Zermatt wurden 10 Jahre daraus, als Chef der Bar in Ganzjahresstelle. «So schön das Singleleben war, ich hatte konkrete Vorstellungen über meine Frau des Lebens: auf keinem Fall eine Barmaid und dass ich sie ja nicht in einer Disco treffe!». Was daraus geworden ist? Lachend gibt der nun seit 23 Jahren glücklich verheiratete Vater von zwei Söhnen preis: «Barmaid im Hotel Nicoletta war sie, einem Schwesterbetrieb des Mont Cervin, und im Pöstli habe ich sie kennen gelernt!» Geheiratet haben der Elsässer und die Schwäbin 1993 in Stuttgart.

Tour de Suisse
Davor tourte das Brautpaar noch durch Schweizer Sternehotels. Dies mit der Absicht nach einem anderen Arbeitsplatz für Bräutigam Benoît. Kaderleute durften in den Häusern der Hotelkette zum Spezialpreis von 150 Franken übernachten. «Wir haben zusammen 28 von 33 Destinationen besucht». Die Bar im Hotel Palace in Luzern hatte der Suchende in seinen Träumen gesehen. Spontan noch aus dem Hotelzimmer bewarb er sich bei der Personalchefin und bekam die Stelle. Viele Prominente bediente er danach in den 21 Jahren an der Hotelbar: weltbekannte Dirigenten, Politiker wie Gorbatschow, Blair, Kissinger und Blocher, aber auch Tina Turner und Michel Platini. Unvergesslich bleibt ihm die James Session von Ray Charles. Anekdoten will er keine preisgeben: «Die werden im Buch zu lesen sein das ich einmal schreibe – und zwar zweisprachig!»

Neue Herausforderung
Ein Tapetenwechsel war angesagt. Der Abstecher führte als Chef de Restaurant ins Olivo im Casino Luzern. Doch das Herz schlug nach wie vor für den Barbetrieb – im Fokus die Chalet Bar in Merlischachen. Die Anstellung klappte «Glück oder Zufall?», sinniert ein nachdenklicher Benoît Meny. Angekommen vor einem Jahr, schwärmt ein rundum zufriedener und glücklicher Gastgeber vom Teamspirit und der Symbiose im Haus, von der tollen Unterstützung durch die Direktion. Man glaubt es ihm aufs Wort. Die nächste Idee als Hingucker steht bereits auf dem Tresen: die Absinth-Fontaine namens Aquayana.  Marlis Jungo

Unser nächster Gast in der Rubrik «Menschen» ist auf Wunsch von Benoît Meny, Chef de Bar im Swiss Chalet, Merlischachen, Lisbeth Strüby, Finanzchefin Strüby Holding AG mit Hauptsitz in Seewen.