Rigi Anzeiger
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Selber machen – das weckt Interesse!

Lehrstellenparcours für Megger Schülerinnen und Schüler

Schule und Gewerbeverein organisierten gemeinsam für die Schülerinnen und Schüler der 1. Sekundarschule Möglichkeiten, Einblick in örtliche Betriebe nehmen zu können. Aus einem reichen Angebot konnten die Jugendlichen ihre Berufspräferenzen wählen.

Es ist 8.15 Uhr. Pünktlich treffen sich rund ein Dutzend Schülerinnen und Schüler der 1. Sekundarklasse mitsamt Lehrer vor dem Gebäude Huobstrasse 4. Das Programm ist für die Jugendlichen klar: Im Rahmen des Lehrstellenparcours 2013 ist der erste Besuch in einem Megger Betrieb von 8.15 bis 9.45 Uhr zu absolvieren. Fünf Jugendliche verschwinden im Architekturbüro Beljan+Feucht, drei Mädchen und drei Knaben begeben sich ins Atelier von Steinmetz und Bildhauer Leo Bovet. In den gleichen Räumlichkeiten arbeiten auch Rafael Esposito, Steinmetz und Reinhard Meier, Steinbildhauer. Abwechselnd erzählt das Trio von ihrem beruflichen Werdegang und von ihren gegenwärtigen Tätigkeiten. Spannend, wie Leo Bovet den Jugendlichen aufzeigt, wie von einer Zeichnung über ein Ton- oder Gipsmodell ein Relief in Stein entsteht. Und dann die vielen speziellen Werkzeuge für das Bearbeiten von Steinblöcken: Hammer, Meissel, Spitzeisen, Setzer, Stockhammer und Handfäustel. «Damit wir konkurrenzfähig sind, kann jedoch nicht alles in Handarbeit hergestellt werden. Für die Bearbeitung der Steine stehen uns auch Maschinen zur Verfügung: zum Beispiel Steinfräsmaschinen, Trennscheiben oder Schleifmaschinen», erklärt Leo Bovet. Während der Steinmetz eher mit technischen Mitteln und klaren Vorgaben arbeitet, steht beim Steinbildhauer eher das künstlerische Gestalten im Vordergrund. Rafael Esposito weist auch auf die Vorschriften zur Arbeitssicherheit hin: Schutzbrille, Gehör- und Staubschutz wie auch Schuhe mit Stahlkappen sind je nach Arbeit Vorschrift. Reinhard Meier zeigt dann kurz, welche Effekte sich mit verschiedenen Werkzeugen am Stein erzielen lassen. Und dann dürfen die Jugendlichen selber «Hand anlegen». Unterschiedliche Steinblöcke liegen auf je einem Holzgestell, die mit Meisseln und Spitzeisen bearbeitet werden können. So können erste Erfahrungen gemacht werden. Nach einem Dankeschön verabschiedet sich die Gruppe der Schülerinnen und Schüler und begibt sich auf den Weg zu einem nächsten Megger Betrieb.

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Steinbildhauer Leo Bovet zeigt den Jugendlichen eine Auswahl an Werkzeugen und ihre Verwendung beim Bearbeiten von Steingut. Aus einem Buch, das er während seiner Lehrzeit führte, zeigt er auf, wie er verschiedene Techniken mit Skizzen und Kommentaren festgehalten hat. Das fasziniert die Jugendlichen. Auch heute noch kann Leo Bovet wichtige Arbeitsgänge nachlesen, was für ihn hilfreich ist.

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Mit Schutzbrille ausgerüstet wagt sich Christoph Marty ans Bearbeiten eines Sandsteinblockes. Ihn hat beeindruckt, wie hier im Atelier Grabsteine gestaltet werden: «Steinmetz möchte ich aber kaum werden. Das wäre mir zu anstrengend. Aufgefallen ist mir in diesem Betrieb, dass nur drei Personen an der Arbeit sind und jede für sich die Aufträge hereinholt.»

 

Auf ein ganz anderes Ambiente treffen die Jugendlichen im Seniorenzentrum Sunneziel. Die vier Mädchen, die sich für den Lehrstellenparcours von 10.15 bis 11.45 Uhr gemeldet haben, werden von Magdalena Fuchs, der Bildungsbeauftragten Sunneziel, in einem grösseren Raum herzlich begrüsst, mit dem Leitbild des Zentrums kurz vertraut gemacht und ins vielfältige Ausbildungsangebot eingeführt. «Das Sunneziel bildet Lernende in den Bereichen Pflege, Hotellerie, Küche und Technischem Dienst aus. Alle Ausbildungen zeichnen sich bei uns durch einen hohen Praxisbezug aus. Ich darf euch vier junge Frauen im Lehrstellenverhältnis vorstellen, die euch an verschiedenen Posten konkret zeigen, mit welchen Aufgaben sie im Alltag konfrontiert sind», erklärt die Bildungsbeauftragte und bittet die vier Schülerinnen, sich je zu einem Atelier zu begeben. Beim Posten 2 zeigt die als Fachfrau Betreuung in Ausbildung stehende Ruth Nöltner der Schülerin Evelina, wie der Blutdruck gemessen wird. «Der Oberarm muss frei sein. Dann die Manschette richtig anbringen», zeigt die Lernende das Vorgehen in ruhiger Art der Schülerin. Und dann wird gepumpt und die Werte werden abgelesen – sogar ich als Reporter komme in den Genuss einer präzisen Blutdruckmessung. An einem weiteren Posten wird die Problematik gezeigt, wenn Betagten das Essen eingegeben werden muss. Oder wie einer älteren Person vom Pflegebett über ein Rutschbrett in den Rollstuhl geholfen werden kann. So erfahren die jungen Frauen «hautnah», welche Aufgaben im Bereich Pflege und Betreuung unter anderen wahrzunehmen sind. Bei einem Spaziergang durch das Sunneziel können die Schülerinnen zudem erleben, wie es ist, in einem Rollstuhl zu sitzen oder einen Rollstuhl zu schieben. Auch ein Besuch bei Bewohnerinnen in der Pflegeabteilung und ein Gespräch mit einem rüstigen Bewohner des Sunneziels stehen auf dem Programm. So erhalten die vier Schülerinnen in kurzer Zeit einen wertvollen Einblick in das Angebot an Lehrstellen wie auch in den Betrieb des Seniorenzentrums. Sie erfahren dabei, wie Betagte unterstützt werden, damit sie ihren Lebensalltag möglichst selbstständig bewältigen können. Eine schöne Aufgabe, sich für andere Menschen aktiv einsetzen zu können.

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Schülerin Sandra (l.) ist die Aufgabe gestellt, ihre Klassenkameradin Evelina (r.) so auf dem Pflegebett zu drehen und lagern, dass sie über ein Rutschbrett auf den Rollstuhl transferiert werden kann. Keine leichte Angelegenheit. «Das Pflegen älterer Leute, das Helfen, das gefällt mir. Ich kann mir vorstellen, hier mal eine Lehre anzutreten. Ich arbeite gerne mit älteren Leuten. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Ich brauche Bewegung. Die Stimmung und Umgebung gefallen mir hier. Es hat schöne Wohngruppen», meint Sandra mit sichtlicher Begeisterung.

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Wie fühlt man sich in der Rolle einer betagten Person? Was heisst es, sich das Essen eingeben zu lassen, Hilfe anzunehmen für etwas, das man früher selber konnte? Schülerin Jil (r.) erfährt dies an sich selbst. Vanessa Rudolf (l.), in Ausbildung, weist Jil auf die Probleme hin, die sich mit Betagten ergeben können. «Ich möchte Ärztin oder Rechtsanwältin werden, kann mir aber auch vorstellen, hier zuerst eine Lehre als diplomierte Pflegefachfrau zu absolvieren. Die Leute hier fand ich fröhlich und dankbar – und die ganze Anlage ist schön gemacht», fasst Jil ihre Eindrücke zusammen.

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Zum Schluss setzen sich die Bildungsbeauftragte, Magdalena Fuchs (hinten), die vier jungen Frauen in Ausbildung( orange Blusen) sowie die Schülerinnen in den Kreis und lassen das Gehörte, Gesehene und Erlebte Revue passieren: vom Blutdruck messen über kinästhetische Übungen, Fahren im Rollstuhl und Besuch von Pflegebedürftigen bis zu den verschiedenen Ausbildungsangeboten im Berufsfeld Gesundheit. Dass hier im Sunneziel ein wertschätzendes Arbeitsklima herrscht, kam überall zum Ausdruck. Und Arbeitskräfte im Alters-Pflegebereich sind für die Zukunft mehr als gefragt.