Rigi Anzeiger
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Selber schuld

Nimm den Schlüssel, Kind! Da der Unterricht an hiesigen Schulen meistens um 16 Uhr beendet ist, viele Mamas und Papas um diese Uhrzeit jedoch noch voll in der Arbeit stecken, tragen deren Kinder den Hausschlüssel um den Hals.

Kolly_kleinMeistens an einem farbigen Bändel hängend, wie eine lange Halskette. Das Schlüsselkind. Ich war so eines. Der Begriff war damals allerdings ziemlich negativ besetzt. Er bezeichnete Kinder, die einen grossen Teil des Tages sich selbst überlassen sind. Die Armen müssen vor dem TV hocken, Süssigkeiten in sich reinstopfen und gelangweilt in der Gegend rumlümmeln. Schuld waren die Mamas, die vermehrt berufstätig waren, entweder aus Wunsch oder Notwendigkeit. Und solche Mütter, die die nicht bei ihren drei Ks bleiben, bei Kinder, Küche, Kirche, sind suspekt. Rabenmütter. Wie die Raben, die ihre Jungen früh aus dem Nest werfen.
Mir hats nicht geschadet, ich bin auch nicht kriminell geworden und die gängige Vorstellung vom Problemkind mit schlechten Noten trifft im Nachhinein betrachtet ebenfalls nicht zu. Mein psychischer Zustand war und ist gottlob ziemlich stabil. Und irgendwie fand ich die zwei Stunden spätnachmittäglicher Freiheit damals sogar ziemlich cool, weil mich viele der Schulkamerädli dafür beneideten. Trotzdem hab ich es versäumt, meinen Töchtern den Schlüssel um den Hals zu hängen. Der lag jeweils im Blumentopf neben der Türe oder unter der Fussmatte. Weil der Nachwuchs es entweder versäumte, den Schlüssel mitzunehmen oder ihn verlor.
Das hat sich bis heute nicht wesentlich verändert. Nur greift man heute zu früher Morgenstunde nach Mamas Schlüsselbund, schliesst damit die Türe von aussen ab und wirft das lästige Ding schnell irgendwohin. Schwups, erledigt. Nicht so für mich. Natürlich suche ich den nahezu überlebenswichtigen Bund am Morgen wie gehetzt in allen erdenklichen Schubladen und Regalen. Erfolglos, verzweifelnd, zunehmend säuerlich und schliesslich zum Reserveschlüssel greifend. Um dann am Abend ein locker hingeworfenes «ach ja, sorry, ich war heute Morgen spät dran, der Schlüssel ist im Gummistiefel vor der Türe.» Also wirklich, darauf hätte ich doch von selbst kommen müssen. Linda Kolly

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