Rigi Anzeiger
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Sessel geräumt – Stuhl auf Lebzeiten erhalten

Menschen im Gespräch – mit Urs Hegi, Banker und Kulturförderer.

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Als Sesselkleber kann Urs Hegi nicht bezeichnet werden. In diesem Frühjahr hat er das Präsidium des Fördervereins vom «Le Théâtre» in Emmenbrücke, «Les Amis du Théâtre» genannt nach 7 Jahren abgetreten. Ganz nach dem Spruch «Neue Besen kehren gut». Als Gründungsmitglied des 2007 gegründeten Vereins zur Unterstützung des privatwirtschaftlichen Zentralschweizer Theaterhauses freut ihn auch die Mitgliederentwicklung von ursprünglich vier auf heute 160. Die dem Theater jährlich 80 000 Franken zukommen lassen. Als Ehrenpräsident steht ihm nun auf Lebzeiten ein Goldener Stuhl im Zuschauerraum in Emmenbrücke zur Verfügung.

Urs Hegi, 68, waschechter Malterser wuchs zusammen mit sieben Geschwis­tern – «ich war der Fünfte» – im Dorf am Fuss des Pilatus «in einfachen Verhältnissen» auf. Sein Vater war Bäcker, wechselte aber wegen der schlechten Bezahlung die Stelle und arbeitete in der damaligen Viscose in Emmenbrücke. «Zur Arbeit fuhr er zuerst mit dem Velo, dann mit einer Lambretta und zuletzt mit einem alten BMW-Motorrad». Teenager Urs sollte sich für eine Berufslehre entscheiden. Schriftsetzer wäre der Wunsch gewesen. Aber da war keine Lehrstelle frei. Vom Kochberuf, der zweiten Option, wurde ihm abgeraten.

35 Jahre Banker
Urs wählte als Zwischenlösung einen Aufenthalt in der Westschweiz, der bis zum April geplant war. In Versoix verkaufte er als Laitier Milch- und Käseprodukte ab seinem mobilen Gefährt. Ein Anruf seiner Mutter holte ihn bereits im Februar darauf zurück nach Malters. Die dortige Volksbank Wolhusen-Malters hatte sich von ihrem Lehrling getrennt. Am 1. März konnte der junge Hegi dort die dreijährige Banklehre beginnen. «Es war ein Zufallsentscheid, nicht der Traumberuf», sagt der ehemalige Banker, der ab 1. Dezember 1975 während 35 Jahren als Vorsitzender der Bankleitung für die Raiffeisenbank in Littau-Reussbühl zuständig war. «Der vorgängige Arbeitgeber, S. Brunner Immobilien + Treuhand AG, entliess mich nur unter einer Bedingung vorzeitig aus dem Arbeitsvertrag». Hegi musste noch parallel den Jahresabschluss 1975 machen.

Raiffeisenbank Littau wächst
«Die 20 Quadratmeter Büro teilte ich mit einem Lehrling – oder Stift, wie man dann noch sagen durfte». Wenn die Jahresrevision stattfand, hatte der Stift jeweils aus Platzgründen frei. Die Ferienablösung übernahm ein pensionierter Bankbeamter. Nach Umzügen und Erweiterungen kaufte die Raiffeisenbank 2007 die Jodermatt 1 in Littau und Urs Hegi führte bereits 20 Mitarbeiter. Mit seinem Bauchgefühl sei er immer gut gefahren, habe «niä dri glänget».

Marketing und Sponsoring
Bauchgefühl, Menschenkenntnis und Vertrauen führten auch zur Zusammenarbeit, ja zur Begleitung der Musical-Macher aus Kriens und seit 2017 aus Emmenbrücke. Hegi, im Vorstand des Luzerner Verbandes der Raiffeisenbanken, wurde 2001 zum Leiter Marketing. Zeitgleich hatten die Raiffeisenbanken entschieden Kundenanlässe zu lancieren. Drehbuchautor Andréas Härry wusste den Marketingleiter von einem Musical-Projekt, damals noch im KKL Luzern, zu überzeugen: «Er hatte zwar das Drehbuch noch nicht ganz fertig geschrieben!»

Der erste Sponsoringvertrag wurde zur Zufriedenheit beider Seiten umgesetzt und die Uraufführung von «Der Drachenstein» ein Erfolg. Den weiteren Weg von grossen finanziellen Anlaufschwierigkeiten, den Wechsel vom ersten Aufführungsort im KKL nach Kriens ins «Le Théâtre» und nun nach Emmenbrücke schafften die beiden Partner gemeinsam. Und auch die weiteren Premieren und sogar Uraufführungen, erst mit Laien und einigen Profis, heute mit international bekannten Künstlern, begleitete der Sponsor-Partner. Er sei stets in Kontakt mit ihnen «Ich bringe jeweils an einer Probe einen hoch willkommenen Zvieri vorbei!» Ehrenpräsident Hegi bezeichnet es als «mein grösstes Projekt aller Zeiten». Obwohl er als Region-Marketingleiter der Raiffeisen in nationale Grossanlässe wie 2004 das Eidg. Schwingfest, 2006 das Eidg. Musikfest und 2008 das Eidg. Jodlerfest in Luzern involviert war.

Viel Sport und Reisen
Seit 2013 kann sich der sportliche 68er heute mit seiner Partnerin Margrit Sigrist vermehrt seinen Hobbys widmen: «Tennis spiele ich seit Jahren im TC Littau, zu Anfang als Ausgleich zum Beruf.» Die mit acht Leuten 1985 gegründete Mannschaft besteht noch heute. Skiferien in Scuol oder Südtirol – nicht zuletzt wegen der Kulinarik – zählen ebenso zu den Hobbys wie Kreuzfahrten auf allen Weltmeeren. «Bei einer der Reisen besuchte ich in Buones Aires die Casa Rosada und das Grab von Evita Péron, gleichzeitig Hauptfigur meines Lieblingsmusicals.» Fit halten ihn auch Velofahren, das Rudern zu Zweit oder Schwimmen im Vierwaldstättersee. Der ja am Wohnort Greppen wenige Meter vor seiner Haustüre zum Baden lädt.

Als nächste Gäste in der Rubrik «Menschen» werden Vater Walter Bühler und Sohn Roger Bühler über Sport und mehr im Sportklub Root viel zu erzählen wissen.