Rigi Anzeiger
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Sie bewahrt Pferde vor dem Metzger

Der Verein Pferde-Engel in Ebikon kümmert sich um Pferde im Pensionsalter

Sie sieht sich nicht als Engel. Erscheint wohl aber manchem Pferd als solcher: Judith Matter. 365 Tage im Jahr widmet sie sich betagten Pferden, das nebst ihrem Fulltime-Job im Finanzbereich.

Dardy geniesst die Streicheinheiten von Judith Matter.

Dardy geniesst die Streicheinheiten von Judith Matter.

Mindestens dreimal im Tag fährt die Assistentin im Finanzbereich der Schindler Management AG zum Spechtenhof in Dierikon, um Dardy, Salinero und Belnora die Hege und Pflege zukommen zu lassen, die ein Pferd braucht. «Die Quarter-Horse-Stute Dardy wurde, wegen einer Scheidung ihrer vormaligen Besitzerin, ans Futter gegeben. Dort wurde sie fast zu Tode geritten. Unterernährt und mit vielen Wunden am Körper übersäht, konnte sie in letzter Minute gerettet werden», erzählt Judith Matter, Präsidentin des Vereins Pferde-Engel in Ebikon. Der Lusitano-Wallach Salinero diente als Reitschulpferd auf einem spanischen Reiterhof. Als der Hof aufgegeben wurde, hatte man für ihn keine Verwendung mehr. Nur mit Hilfe einer beherzten Tierfreundin konnte er vor dem Metzger gerettet und in die Schweiz gebracht werden. Belnora weilt hier bis Ende August in Pension. Alle drei Pferde haben das 20. Altersjahr längst überschritten.
Judith Matter war bereits als Kind von Pferden fasziniert. Als Erwachsene lernte sie reiten und machte erstmals mit dem Schicksal älterer Pferde Bekanntschaft. «Ich verstand nicht, dass sie zum Metzger müssen, wenn sie nicht mehr ihre Leistung erbringen konnten», erzählt sie. So bekam sie beispielsweise mit, dass ein Besitzer seinem Reitpferd keine Chance gab weiter zu leben, weil es unter einer scheinbar nicht mehr zu heilenden Sehnenentzündung litt. Das war der Anstoss für Judith Matter. Sie wollte das Reitpferd retten, gründete 2005 den Verein Pferde-Engel und fand in Judith Kruschwitz und Marina Parris unterstützende Vorstandsmitglieder. Einem anonymen Hinweis folgend, stiess sie auf den Spechtenhof in Dierikon, der die nötigen Unterkünfte und Weiden für Pferde bot. Das erste Pferd, das sie retten wollte, wurde allerdings wieder gesund. Vorher.
Tempete, das ebenfalls unter einer Sehnenerkrankung litt, war dann das erste Pferd, das auf dem idyllischen Gnaden- oder Schutzhof in Dierikon seinen Lebensabend verbringen durfte. Weitere Pferde, die ebenfalls vor dem Metzger gerettet werden konnten, befinden sich in Ställen in Andwil und Buochs.

Paten gesucht
Der Verein Pferde-Engel ist inzwischen auch zu einer Art Anlaufstelle geworden, wenn Besitzer infolge veränderter Lebensumstände wie Scheidung, Krankheit und Arbeitslosigkeit ihr Pferd, Pony oder Fohlen nicht mehr halten können. Dann versucht Judith Matter einen neuen Platz zu vermitteln, denn zurzeit kann der Verein selber keine Pferde mehr aufnehmen, erst im August wird wieder auf dem Spechtenhof ein Platz frei. Zudem fehlt es an finanziellen Mitteln. 300 bis 350 Franken kosten monatliche Miete, das Futter, der Hufschmied, das Entwurmen etc. pro Pferd. Nicht mit eingeschlossen sind die Tierarztkosten. Helfen können Interessierte dem Verein mit Patenschaften, die im Monat 25 Franken beträgt. Auch helfende Hände, die beispielsweise mit den Pferden spazieren gehen, sind gesucht.
Ein Tag im Leben von Judith Matter ist lang. Schon früh morgens ist sie auf dem Spechtenhof. Spät abends beantwortet sie noch Mails. Darüber hinaus hilft sie bei Notfällen und bietet mediale Tierkommunikation (Tel. 076 461 39 19) an. Fragt man sie nach ihren Wünschen, sagt sie: «Viel Geld, um einen ähnlichen Hof auf die Beine zu stellen wie das Gut Aiderbichl in Österreich.» Froh wäre sie aber auch schon, wenn sie einen grösseren Stall mit genügend Auslauf für die Pferde finden könnte… und – wie schon erwähnt – freiwillige Helfer wie auch Gönner. Unter www.pferde-engel.ch sind weitere ausführliche Informationen zu finden.