Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Sie hat sich erfolgreich integriert

Meggen: Dieses Jahr feiert die Asylbegleitgruppe Meggen (ABG) ihr 25jähriges Bestehen. Dies nimmt sie zum Anlass, auch einmal von einer erfolgreichen Integration, stellvertretend für viele andere, zu berichten.

Nach einer langen und mühsamen Flucht kam Kine Duski mit ihrer Mutter und den drei jüngeren Geschwistern 1998 in die Schweiz. Ihr Vater, ein irakischer Kurde, war aus politischen Gründen schon 1995 nach Luzern geflohen, der ältere Bruder folgte später. In den 90er Jahren waren die Kurden im Irak von Saddam Hussein verfolgt, bedroht und viele von ihnen getötet worden.
In jener Zeit war es Irakern legal nur möglich, bis in die Türkei zu reisen. Nach Europa hingegen erhielten nur die reichen Leute, welche in der Heimat einigen Besitz vorweisen konnten, ein Visum. So musste die Familie, welche ihr Haus im Kurdengebiet des Iraks verkauft hatte, um die Flucht für die ganze Familie zu bezahlen, sich in Istanbul einen Schlepper suchen. Betrogen von den Schleppern, nächtelang zu Fuss unterwegs, oft nichts zu essen und zu trinken, von der Polizei aufgegriffen, festgehalten und wieder weitergeschickt, bis zum Meer. Gegen weitere Bezahlung Zutritt zu einem Boot, in welchem die Menschen eng zusammengepfercht, ohne Essen und Trinken in vielen Umwegen Richtung Italien geführt wurden. Auf hoher See Umstieg in ein italienisches Boot, das heisst wer konnte, musste hinüberspringen, die kleinen Kinder wurden von starken Männern hinübergetragen oder -geworfen und aufgefangen. Jeder half jedem.
Nach vier langen Tagen auf offenem Meer endlich die Landung an Italiens Küste. Unvergesslich der herzliche Empfang der italienischen Bevölkerung, welche Getränke und Esswaren brachte, aber auch trockene Kleider und Spielsachen. Per Zug und Bus weiter bis Como/Chiasso, wo der Vater seine Familie, nach langen Formalitäten, endlich in die Arme schliessen konnte.

Kine Duski

Kine Duski

Nach einem Deutschkurs besuchte Kine zuerst während ein paar Monaten die dritte Oberstufe im Hubelmattschulhaus in Luzern, nach dem Umzug nach Meggen im Frühling 2002 noch eineinhalb Jahre die Realschule. Als einziges Ausländerkind wurde Kine in ihrer Oberstufenschulklasse oft gemobbt. Ihre Rettung kam durch ihre Lehrerinnen, Frau Grüter und Frau Furrer, welche sich sehr um sie kümmerten und welche auch dafür sorgten, dass Kine anschliessend die vierte Oberstufe besuchen konnte.
Durch ein SOS-Programm fand sie sodann eine Lehrstelle als Verkäuferin bei der Caritas, welche sie mit einer Ergänzung bei Manor erfolgreich abschloss.
In Meggen begann Kine auch aktiv Volleyball zu spielen, was ihr sehr bei der Integration half. Mit der Zeit betätigte sie sich zusätzlich als Schiedsrichterin und im Kindertraining.
An verschiedenen Arbeitsstellen machte Kine erste Berufserfahrungen, fühlte sich als Flüchtling aber hie und da auch ausgebeutet oder nicht für voll genommen.
Ein grosser Traum ging in Erfüllung, als Kine in Zürich die Kosmetikschule besuchen konnte. Seither arbeitet sie an verschiedenen Stellen als Kosmetikerin, half in einer Arztpraxis eine medizinische Kosmetik aufzubauen und bildet sich laufend weiter. Zum Ausgleich spielt sie ihr geliebtes Volleyball in Meggen.
Als ihr schweizerisches Umfeld mit Befremden konstatierte, dass sie noch gar nicht Schweizerin war, obwohl sie sich wie eine Schweizerin verhielt und perfekt Dialekt sprach, begann Kine, sich um das Megger Bürgerrecht zu bewerben, das ihr auch im Jahr 2009 problemlos gewährt wurde. Nach eigenen Schilderungen war dies einer der glücklichsten Tage in ihrem Leben. Das Schweizer Bürgerrecht bedeutet für Kine Sicherheit und Befreiung, vieles geht einfacher, wie zum Beispiel die Stellensuche oder das Autofahren lernen. Sie fühlt sich endlich anerkannt, die Schweizer sind ihr gegenüber nicht mehr so misstrauisch.
Den schwärzesten Tag erlebte Kine 2012, als sie auf dem Heimweg von der Arbeit einen schweren Autounfall erlitt, den sie jedoch wie durch ein Wunder überlebte. Es folgten lange Aufenthalte in Spital und Reha-Klinik, wo sie sich mit eisernem Willen und einer positiven Einstellung zurück ins aktive Leben kämpfte. Den Rollstuhl verlassen, wieder arbeiten und Volleyball spielen können waren ihre grossen Ziele, die sie mit sehr viel Einsatz auch erreichte.

Unterdessen lebt Kine länger in der Schweiz als in ihrem Geburtsland:
«Ich vermisse nicht mehr viel aus dem Irak, ausser natürlich meine Verwandten und manchmal auch das orientalische Leben. Ich mache heute sehr vieles wie die Schweizer und habe auch ihre Pünktlichkeit, Korrektheit und Zuverlässigkeit angenommen. Ich fühle mich nun total integriert – Meggen ist meine Heimat geworden».

Aufgezeichnet von Ursula Jenny,
Mitglied der ABG Meggen

Aktuelle Zeitung

Leserbilder Sommer 2016

Leserbilder Sommer 2016

Leserbilder Sommer 2016

Like uns auf Facebook!

Razli

Razli

Partner

Partner

Horoskop

Horoskop