Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Sklaventreiberin

Die Bilder haben was Unvergängliches, sich ewig Wiederholendes. Ich öffne die Haustüre mit dem Ellbogen, etwas mühsam, aber dennoch versiert.

Kolly_kleinDie Hände sind anderweitig gefordert. Vollbepackte Einkaufstasche in der Linken, die Rechte klammert sich um die beladene Aktenmappe und den Hausschlüssel gleichzeitig, unter der Achsel eingeklemmt die Post aus dem Briefkasten, weil den ja sonst kein Mitglied unseres Haushaltes leeren kann. Die Ursachen hierfür sind ungeklärt und auf jeden Fall umstritten. Die diesbezüglichen Meinungen driften bei mir und dem weiblichen Nachwuchs massiv auseinander.

Wie auch immer, irgendwie gelingt es mir, mich durch die Türe zu schieben, vorbei an kreuz und quer liegenden Flipflops und Sneakers in diversen Farbtönen, bis hin zur Küche. Hier endlich die Taschen abladen, Einkäufe auspacken und verstauen. Schöner Gedanke. Lässt sich jedoch leider nicht in die Tat umsetzen. Die Ablagefläche ist augenblicklich belegt. Servelathäute und Käserinden, das geöffnete Gurkenglas, die ebenso geöffnete Senftube, Essig- und Ölflasche, Brotscheiben und Zwiebelschalen. Offenbar war Wurst- Käsesalat angesagt. Ein Blick auf das Sofa bestätigt die Vermutung. Halb sitzend, halb liegend eine zufriedene Tochter, vor sich Teller und Getränkeflasche, Handy und Fernseher. Ist doch wirklich unnötig, dass die verständnislose Mutter diese wichtige Erholungsphase mit derartigen Banalitäten wie Hinweisen auf ständige Unordnung derart nerven muss. Nach dem harten Arbeitstag ist chillen überlebenswichtig. Aufräumen? Ist doch alles sauber, die paar Kleinigkeiten stören nun wirklich niemanden. Und Schliesslich sagte schon Nietzsche, «wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave.» Linda Kolly