Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

So fand ich meinen Platz in einer Thai-Klasse

Langsam wird es Zeit, sich von der Stadt zu verabschieden, in der ich in den letzten Monaten so viel hatte erleben dürfen. Neben dem köstlichen Essen, dem angenehmen Klima und den in der letzten Woche beschriebenen Ausflugsmöglichkeiten werde ich auch meine Unikolleginnen und -kollegen etwas vermissen.

Dadurch, dass ich in meiner Klasse die einzige Austauschschülerin war, hatte ich mich für Thai-Verhältnisse relativ schnell mit den Einheimischen angefreundet. In Erfahrungsberichten von anderen europäischen Austauschstudenten hatte ich gelesen, dass es für sie sehr schwierig gewesen sei, Anschluss zu finden.
Im Gegensatz zu Mexiko, wo ich vor gut drei Jahren ein Semester studiert hatte, waren meine thailändischen Klassenkameraden anfangs deutlich zurückhaltender gewesen. Die Mexikanerinnen und Mexikaner hatten mich damals gleich in der ersten Unterrichtsstunde mit Fragen zu meiner Herkunft und meinem bisherigen Leben gelöchert und nach dem ersten Schultag war ich mit gut zehn neuen Kontakten in meinem Mobiltelefon nach Hause gekommen. Das war in Thailand anders: Am ersten Schultag zeigten sich die meisten Mitglieder meiner Klasse zwar freundlich aber es setzte sich in der Morgenvorlesung niemand neben mich, weil die Sitzordnung sich seit Beginn des Studiums vor vier Jahren auf eine bestimmte Weise etabliert hatte und jeweils die gleichen Paarungen in jeder Lektion zusammensitzen. Auch die Pausengespräche wurden hauptsächlich auf Thai geführt, während ich aus der Ferne neugierig beäugt und sporadisch angelächelt wurde. Gesellte ich mich zu einem Grüppchen dazu und begann, auf Englisch einige Fragen zu stellen, antworteten die Thailänderinnen und Thailänder eher reserviert und es schien ihnen unangenehm zu sein, Englisch zu sprechen – obwohl der Unterricht auch in dieser Sprache stattfand. Beinahe fühlte ich mich wie die Protagonistin eines Kinderbuches, in dem das neue Mädchen in der Klasse Mühe hat, Anschluss zu finden.
Genauso wie in einer Kindergeschichte wartete auch auf mich ein Happy End: Nachdem ich einige Male das Gespräch mit meinen neuen Studienkollegen gesucht hatte, taute der Grossteil der Klasse langsam auf und von da an begannen Unterhaltungen auch öfters aus ihrer Initiative. Englisch zu sprechen, kostete meine Studienkollegen anscheinend zudem von Tag zu Tag weniger Überwindung und sogar im Gruppenchat der Schule wurden plötzlich die meisten Nachrichten in englischer Sprache verfasst – nur damit auch ich sie verstehen konnte. Als eines Morgens eine Klassenkameradin neben ihren beiden besten Freundinnen auch mir ein süsses Gebäck für die grosse Pause mitbrachte, die grösste Mädchenclique der Schule mich auf ihren mit dem Handy aufgenommenen Selbstporträts drauf haben wollte und ich in den Online-Chats ebenfalls bunte Herzchen zugeschickt bekam, wurde mir bewusst, dass ich nun auch dazugehörte. Am darauffolgenden Feiertag wurde ich zu einem Familientreffen eingeladen und als eine Schulfreundin heiratete, schrieb mir deren Kindheitsfreundin auf dem sozialen Netzwerk Facebook, dass sie sich über meine Teilnahme an einem Überraschungs-Polterabend freuen würde.

Stephanie Sigrist aus Risch absolviert ein Austauschsemester in Bangkok und berichtet darüber regelmässig im Rigi Anzeiger.

Die gastfreundliche Familie einer Schulfreundin sorgte dafür, dass ich keinen thailändischen Feiertag alleine verbringen musste.

Die gastfreundliche Familie einer Schulfreundin sorgte dafür, dass ich keinen thailändischen Feiertag alleine verbringen musste.

Freundschaft geht durch den Magen: Bei gemeinsamen Essen habe ich meine neuen Studienkollegen besser kennengelernt.

Freundschaft geht durch den Magen: Bei gemeinsamen Essen habe ich meine neuen Studienkollegen besser kennengelernt.

Die hilfsbereite Art der Thais ist sogar das Thema eines Gemäldes in einem Kunstmuseum Chiang Mai.

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