Rigi Anzeiger
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So viele waren es noch nie

Meggen / Region: Über 150 Lehrpersonen, Schulleitende und Fachpersonen der Schuldienste folgten der Einladung des Bildungs- und Kulturdepartements zur Verabschiedung aus ihrem beruflichen Arbeitsfeld.

Gruppenbild der zurücktretenden Volksschullehrpersonen mit Bildungsdirektor Reto Wyss.

Gruppenbild der zurücktretenden Volksschullehrpersonen mit Bildungsdirektor Reto Wyss.

jp. Mit der Verabschiedung von 18 Lehrpersonen in die Pensionierung hat Charles Vincent, Dienststellenleiter Volksschulbildung, im Jahr 1987 angefangen, im laufenden Schuljahr treten 192 Mitarbeitende aus dem Schuldienst aus und gehen in den Ruhestand. So viele wie nie zuvor. Über 150 Lehrpersonen, Schulleiterinnen und Schulleiter und Fachpersonen der Schuldienste konnte Charles Vincent in der Aula Hofmatt 3 zur feierlichen Verabschiedung aus dem Schuldienst begrüssen. Mit vier Referenz­werken zur Pädagogik und Didaktik des Unterrichts zeigte er den Wandel in den letzten vier Jahrzehnten im Schulwesen auf. Ein Standardwerk, «Lehrer-Schüler-Konferenz» von Thomas Gordon war allerdings noch fein in der Plastikhülle verpackt, was ein Lachen auslöste. «Ich habe trotzdem Referate zu diesem Buch gehalten und Kurse gegeben!» meinte der Dienststellenleiter trocken, was nochmals mit Lachen quittiert wurde.

Vier Lehrpersonen, je eine aus den Schulstufen Primar- und Sekundarschule, Berufs- und Gymnasialbildung erzählten Prägendes und Denkwürdiges, aber auch Humorvolles und Freudiges aus ihrer beruflichen und persönlichen Praxis. Lisa Bachmann, 38 Jahre lang Theaterpädagogin an verschiedenen Schulen, hob hervor, dass die Schülerinnen und Schüler zu ihr freiwillig gekommen seien. Ein Privileg – und viel Narrenfreiheit! Das schönste Kompliment habe sie aber von einem Erstklässler erhalten: „Dich und die Banane habe ich am liebsten!“ Zusammenfassend meinte sie, in den letzten Jahrzehnten sei an den Schulen viel von Optimierung die Rede gewesen und schloss ihren Rückblick mit den Worten: «Ich schaue nicht optimiert, sondern optimistisch in die Zukunft.»

Dass ein Lehrerleben verschiedene Facetten haben kann, zeigte Sekundarlehrer Urs Rösch aus Grosswangen auf. Er hob die Solidarität und gegenseitige Unterstützung der Lehrerschaft und Schulbehörden hervor, als seine Tochter plötzlich schwer erkrankte. In späteren Jahren wählte er einen zweiten Beruf: Carchauffeur und Reiseleiter. Eine ungewöhnliche Kombination! Aber auch in dieser Phase fand er das Verständnis seiner Vorgesetzten und konnte auf zwei Spuren fahren. Sein Fazit an die Mitkollegen und Mitkolleginnen: «Wagt Neues! Bleibt auf Achse!»

Für eine feierliche Stimmung und Auflockerung zwischen den Reden und Erfahrungsberichten sorgte Fredy Kugler mit seinen musikalischen Einlagen auf der Harfe. Nach einer Kaffeepause war es an Bildungsdirektor Reto Wyss, eine Gesamtwürdigung der Arbeit der Zurücktretenden vorzunehmen. Bei Schulbesuchen auf allen Stufen konnte er immer gute Arbeit feststellen. Er sprach der Lehrerschaft seinen Dank, seinen Respekt und seine Anerkennung aus und hielt fest, dass die Schule im Wesentlichen von Lehrpersonen geprägt werde. Namens Generationen von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Gemeinde-, Kantons- und Regierungsräten dankte er den bald in den Ruhestand tretenden Lehrpersonen und wünschte ihnen auf dem Weg in die Pensionierung alles Gute. Jede Lehrperson wurde namentlich aufgerufen und erhielt aus der Hand des Bildungsdirektors ein Buch und einen Dankesbrief.

Bildungsdirektor Reto Wyss verabschiedete alle Lehrpersonen mit einem persönlichen Dank und einem Buchgeschenk.

Bildungsdirektor Reto Wyss verabschiedete alle Lehrpersonen mit einem persönlichen Dank und einem Buchgeschenk.

Lehrpersonen aus den Seegemeinden und dem Rontal, die bald in den Ruhestand treten
Burri Lisbeth, Ebikon; Dotta Rosmarie, Ebikon; Eugster Evelyn, Ebikon; Hubli Veronika, Meierskappel; Kaufmann Franz, Ebikon; Kurmann Markus, Ebikon; Lischer-Schranz Klara, Adligenswil; Luzzatto Marie-Louise, Buchrain; Meier Hans, Buchrain; Mugglin Peter, Ebikon; Odermatt Alice, Gisikon; Reichlin Beat, Buchrain; Schürch Monika, Adligenswil; Schwab Ursula, Weggis; Schweizer Margrith, Ebikon; Signer Elisabeth, Ebikon; Waser-Egli Anita, Ebikon.

 

«Es ist der schönste Beruf!»

Stellvertretend für mehrere aus der Region des Rigi Anzeigers zurücktretende Lehrpersonen haben wir mit der 63-jährigen Rosi Dotta, Fachfrau Textiles und technisches Gestalten an der Schule Ebikon, ein kurzes Interview geführt.

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Was hat Sie am Lehrerinnenberuf gefreut?
Vieles! Vor allem die Arbeit mit den Kindern. Das eigenverantwortliche Gestalten des Unterrichts. Die Freude an meinem Fach Handarbeit. Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen.

Was empfanden Sie als Lehrerin als grössere Herausforderung?
Als Fachlehrerin musste ich mich bemühen, dass ich im Lehrpersonenkollegium des Schulhauses integriert bin. Das war für mich, von meinem Typ her, nicht immer ganz einfach.

Welche zentralen Reformen haben Sie miterlebt?
Viele: Auf der Oberstufe die Einführung der verschiedenen Niveaus.
Schule mit Profil. Schule mit Zukunft. Die integrative Förderung.

Welche Reform überzeugte Sie, machte Ihnen Freude und brachte Sie weiter?
Reformen empfand ich oft als schwierig. Jede Neuerung bedeutete natürlich eine Veränderung – sicher oft auch mit guten Akzenten. Mit der letzten Reform, der integrativen Förderung, hatte ich Mühe, denn als Fachlehrperson erhielt ich praktisch keine Unterstützung. Eine gute Kollegin und Freundin unterstützte mich fast das ganze letzte Schuljahr auf freiwilliger Basis in einer Klasse, die schwierig zu führen war.

Würden Sie heute nochmals den Lehrerinnenberuf wählen?
Auf jeden Fall. Es ist der schönste Beruf! Und Handarbeit ist das schönste Fach! Die Kinder sind motiviert, lernbereit, liebenswürdig. In meinem Fach besteht kein Druck auf den Kindern. Sie kommen meist gern, freuen sich am kreativen Gestalten.

Was bedeutet die Pensionierung für Sie?
Ich freue mich sehr auf diesen neuen Lebensabschnitt. Ich kann sagen, dass ich auf dem Höhepunkt meiner Lehrtätigkeit Abschied nehmen kann. Wirklich. So einen schönen Unterricht, wie ich ihn in meinen letzten Jahren gehabt hatte, gab es nie zuvor. Aber ich kann loslassen. Ich freue mich auf ein anderes Leben.

Haben Sie Pläne für die kommenden Jahre?
Ich werde vermehrt für mich nähen und handarbeiten. Ich habe auch schon Aufträge. Zum Beispiel darf ich für meinen Sohn einen Mantel nähen und werde nun auch für meine Grosskinder mehr Zeit zum Stricken und Nähen haben. Meine grosse Leidenschaft ist die italienische Sprache. Für Sprachkurse werde ich weiterhin nach Italien fahren.