Rigi Anzeiger
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Spagat zwischen Schule und Spitzensport

Immensee: Céline Sidler aus Immensee verbringt fast ihre gesamte Freizeit an Turngeräten. «Solange ich mich verbessern kann, ist das okay für mich», sagt sie.

Céline Sidler in Aktion.

Céline Sidler in Aktion.

dc. Wenn Céline Sidler am Reck in Schwung kommt, zittert die Stange und die Stützen beben. Man merkt: Da sind ungeheure Kräfte im Spiel, aber auch Anmut und Eleganz. Das sahen die Kampfrichter an der letzten Junioren-Schweizermeisterschaft im Kunstturnen auch so und kürten sie zur Siegerin in ihrer Kategorie.

zvg. Das kommt nicht von ungefähr. Rund drei Stunden täglich trainiert Céline Sidler. Daneben besucht sie das Gymi Immensee. Da ist der Tages­ablauf ziemlich vorgegeben: Sieben Uhr aufstehen, Morgenessen mit Milch und Brötli, um halb acht von Immensee zum Gymi hochlaufen, dann Schule, Mittagessen und Hausaufgaben machen, am Nachmittag nochmals Schule, von halb fünf am Nachmittag bis halb acht in der Turnhalle, nach Hause, essen, um neun Uhr abends ins Bett. «Ich brauche zwei Dinge», sagt die 14-Jährige, «das Turnen und viel Schlaf.» Vor einem Jahr stürzte sie am Reck und konnte drei Monate lang den Arm nicht mehr einsetzen. «Da merkte ich, wieviel mir fehlt, wenn ich nicht an den Geräten turnen kann.» Für ihre Leidenschaft nimmt sie in Kauf, dass sie nur wenige Freundschaften pflegen kann und kaum im Ausgang anzutreffen ist. «Wann ich letztmals im Kino gewesen bin, weiss ich nicht mehr», sagt Céline und lacht.

Schule und Familie vor Spitzensport
Das Kunstturnvirus ist Céline von ihrer Mutter Anita übertragen worden. Sie war selber Mitglied des B-Kaders der Kunstturnerinnen und trainiert ihre Tochter, seit sie vier Jahre alt ist. Ob sie Céline zu einer neuen Ariella Käslin formen will? «Nein», sagt sie. «Dazu hätten wir Céline vor zwei oder drei Jahren nach Magglingen abgeben müssen, wo die Mädchen bis zu dreissig Stunden pro Woche trainieren, die Familie nur noch wenig sehen und die Schulbildung hintenanstellen müssen. Das wollten wir nicht.» Ein Vernunftentscheid – gegen den internationalen Spitzensport, aber für die Familie und die Ausbildung. «Mein Traum wäre schon, mal an einer Olympiade dabeisein zu können», sagt Céline dazu. Aber auch sie weiss, wie schnell dieser Traum platzen kann. «Ich bin jetzt 1,54 Meter gross. Wenn ich noch mehr als sechs Zentimeter wachse, geht das schon nicht mehr», sagt sie, «und Geld verdienen kann man mit dem Kunstturnen allein auch kaum. Nach der Matura hingegen kann ich Sport studieren.»

So übt Céline täglich den Spagat zwischen Schule und Spitzensport. «Während den ersten zwei Jahren auf der Oberstufe besuchte ich die Sportschule in Schwyz. Dann entschied ich mich, ins Kurzzeitgymi zu wechseln.» Was sie mitbringt, ist ohne Zweifel Selbstdisziplin und Konzentrationsfähigkeit. Auch wenn das Gymnasium Immensee kein Sportgymnasium ist, fühlt sie sich zudem von den Lehrern und der Schulleitung gut unterstützt. «Vieles ist verhandelbar, wenn die Noten gut sind und das Verhalten stimmt», sagt sie, und: «Anders ginge das gar nicht. Wenn ich in der Schule sitzen müsste, im Wissen, dass meine Turnkameradinnen schon am Einturnen sind, dann könnte ich mich sowieso nicht konzentrieren.» Auch für die Schulleitung ist klar: «Pflicht ist Pflicht. Aber darüberhinaus können wir flexibel sein, so lange die Noten stimmen.» Momentan stimmt alles. «Ich habe keinen weiten Wege zur Schule und ins Training, bin unverletzt und kann mich an neue, schwierigere Elemente wagen. Zum Beispiel die Drehung um die eigene Achse nach dem Reckaufschwung oder beim Abgang vom Reck», sagt Céline Sidler, und: «Je schwieriger die Teile sind, desto höher ist die Grund-Punktzahl.» Es sind Punkte, die sie gut gebrauchen kann, wenn sie nächstes Jahr in die höchste Stärkeklasse P6 aufsteigt.

 

Jubiläumswettkampf in Merlischachen
Am kommenden Samstag 12. März findet in der Mehrzweckhalle Merlischachen der 20. Alpencup statt. 140 Kunstturnerinnen aus der ganzen Deutschschweiz zeigen am Balken, Barren, Boden und Sprung, was sie in vielen intensiven Trainingsstunden gelernt haben. Unter der kompetenten Leitung von Anita Sidler (der Mutter von Céline Sidler) und Brigitte Curti trainieren sie zwei- bis viermal in der Woche, um sich im Frühling an Wettkämpfen in der ganzen Schweiz zu messen. 2015 wurde Céline Sidler Schweizermeisterin in der Kategorie P4A. Der Start in die Saison 2016 ist ebenfalls geglückt. Die Turnerinnen der P2 und P3 Teams siegten am GymStar Teamwettkampf Mitte Januar in ihrer Kategorie. Alle Informationen zum Alpencup sind auf der Website der Riege unter www.kutu-kuessnacht.ch abrufbar.

 

Tagesprogramm, Mehrzweckhalle Merlischachen

09:00: Wettkampf P1 (Jg. 2007–2008)

12:10: Wettkampf P3, P4A, P6A und Open (Jg. 1998–2004)

15:00: Rangverkündigung P1, P3, P4A, P6A und Open

15:30: Wettkampf EP (Jg. 2009–2010)

17:35: Wettkampf P2 (Jg. 2005–2006)

19:00: Rangverkündigung EP und P2