Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Spurensuche beim «Chalte Bad»

Rigi: Auf Rigi Kaltbad finden sich interessante Zeugen der Geschichte des Fremdenverkehrs unserer Region, welche vor über 500 Jahren ihren Anfang nahm. Anlässlich des 900-Jahr-Jubiläums begaben sich vor einigen Tagen interessierte Dorfwanderer auf eine Entdeckungstour.

red. Im Rahmen des 900-Jahr-Jubiläums der Gemeinde Weggis wurde die «Spazierwerkstatt Weggis» gegründet. Sie versteht sich als Produzentin von «Führungen zur genüsslichen Entdeckung» und dem Erlebnis unseres vielseitigen und reichen kulturellen Erbes. Dazu gehören Häuser, Bauten, Anlagen, Strukturen, welche interessante Zeugen sind von historischen Fakten und Zusammenhängen aus den Bereichen Dorfentwicklung, Architektur und Denkmalpflege. Ernst Mattmann, Leiter Bauverwaltung Weggis stellte einen abwechslungsreichen Rundgang durch das Rigi-Dorf zusammen.

Das ehemalige «Grand-Hotel»-Schwimmbad – Reproduktion aus dem Buch «Die Rigi, Bilder und Geschichten», von Ruth Reinecke-Dahinden. Bild zVg./Bearbeitung vw.

Das ehemalige «Grand-Hotel»-Schwimmbad – Reproduktion aus dem Buch «Die Rigi, Bilder und Geschichten», von Ruth Reinecke-Dahinden. Bild zVg./Bearbeitung vw.

Ein Blick in die Vergangenheit
Über fünf Jahrhunderte beeinflussten und prägten die sich wandelnden Formen des Reisens und des Aufenthaltes der fremden Gäste die Rigi-Landschaft. Mit den ersten Pilgern, die im 16. Jahrhundert die Rigi besuchten, nahm die Entwicklung des Fremdenverkehrs auf unserem Hausberg seinen Anfang. Zeuge aus dieser Zeit ist die Felsenkapelle mit der «Drei Schwestern Quelle». Dorfarzt Alois Knüsel berichtete Interessantes zu Badekuren und zur Heilwirkung des kalten Wassers. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der moderne Reiseverkehr. Die Naturschönheiten und die gesundheitsfördernden Qualitäten der Rigi-Luft machten den Berg in ganz Europa bekannt. Lauschige Wege und Plätze im ehemaligen Parkwald lassen erahnen, wie prachtvoll und grosszügig die Hotelanlagen einst angelegt waren.

Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg
Der erste Weltkrieg veränderte den Rigi-Tourismus grundlegend. Ein Strukturwandel setzte ein, der bis heute das Ortsbild prägt. In den zwanziger Jahren wurden erste Ferien- und Wohnhäuser erstellt. Die Chalet-Siedlung auf Kaltbad West entwickelte sich. Frank Bürgi – Denkmalpfleger des Kantons Luzern – erklärte anhand der reichlich vorhandenen Beispiele, wie Zentralschweizer Holzbauunternehmer die Chalets mit vorfabrizierten Bauelementen in kürzester Zeit aufrichten konnten. Wie einmalig und bedeutend die Chalet-Siedlung auf Rigi Kaltbad ist, in welcher Häuser, Wald und Alpwiesen nahtlos ineinandergreifen, wusste der Weggiser Historiker Heinz Horat zu berichten. Benno Vogler – ebenfalls Denkmalpfleger des Kantons Luzern – konnte verdeutlichen, wie wichtig der sorgfältige Umgang mit dem baulichen Erbe ist. Alexa Bodammer von der Hochschule Luzern zeigte auf, wie im aktuellen Projekt «Holzbau und erneuerbare Energien» geforscht wird, und wie heutige Anforderungen und Vorschriften bezüglich Energie- und Wärmeversorgung im heutigen Gebäudebestand auf Rigi Kaltbad umgesetzt werden können. Baptist Lottenbach verköstigte schliesslich die Wandergruppe mit frischem Rigi-Wasser und führte sie anschliessend durch verschlungene Pfade zum einstigen Wasserreservoir des Grand Hotels.

Der nächste «Wäggiser Spaziergang» zum Thema «Rigiweg» im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals: 10. und 11. September 2016.