Rigi Anzeiger
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Stürmisches Rennen alter Tanten

Start der fünf Raddampfer vor Vitznau zum Kampf ums «blaue Band»

Es war eine Weltpremiere, zu der der älteste Urner nicht eingeladen wurde. Er kam aber trotzdem und blies den fünf Raddampfer im Totalalter von 527 Jahren tüchtig den Marsch. Zum Glück von hinten. Ein eindrucksvoller Kampf um das «blaue Band» und um den Dampfschiff-Schnellkurs zum «Weg der Schweiz».


Die fünf Raddampfer linieren auf zum Massenstart vor Vitznau. Fotografiert vom Felsenweg am Bürgenstock. Distanz bis zum Park-Hotel: 6,5 km.

 

Vom kommenden Sonntag an gibt es jeden Sonntag und während den Sommerferien sogar täglich einen Dampfschiff-Schnellkurs von Luzern zum Rütli. Gedacht als Zubringer für Wanderer auf dem Wasserweg zum Weg der Schweiz. Der vom Rütli über 35 Kilometer entlang dem Urnersee bis nach Brunnen führt. Die logische Frage war: Welches der fünf Dampfschiffe soll den Schnellkurs fahren? Und die logische Antwort darauf: Das schnellste natürlich. Inoffiziell galt die genau hundert Jahre alte Gallia schon immer als schnellster Raddampfer auf europäischen Binnenseen. Doch am Samstag wollten es die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersee (SGV) genau wissen. Und liess die fünf Raddampfer vor Vitznau zu einem «Massenstart» auffahren. Um diese Zeit blies der Föhn in Altdorf bereits mit knapp 100 km/h und die Dampferkapitäne hatten etwas Mühe, bis sie den «Dreh» auf die Startlinie vor Vitznau geschafft hatten. Um etwa 14.20 Uhr hiess es dann auf allen fünf Kommandobrücken «Volle Kraft voraus». Die imaginäre Ziellinie wurde von zwei Salondampfern auf der Höhe von Hertenstein signalisiert. Auf der drei Kilometer langen Rennstrecke wirkte immer stärker der Föhn mit. Nach knapp zehn Minuten rauschte die Gallia mit solidem Rückenwind erwartungsgemäss als Erste über die «Ziellinie». Sie pflügte mit 31,6 km/h durch das aufgepeitsche Wasser. Deutlich abgeschlagen passierten die «Stadt Luzern» (1928), dann die «Unterwalden» (1902) vor der «Uri» (1901) und der gemächlichen «Schiller» (1906) die Ziellinie. Stolz, wenn auch nicht sonderlich überrascht, nahm der Gallia-Kapitän Hans Wipfli vom Urner Regierungsrat Josef Dittli das blaue Band mit der Aufschrift: «Schnellstes Dampfschiff zum Weg der Schweiz» entgegen. Das darf er aber nicht über seinem Bett, sondern nur an den hinteren Masten «seines» rasenden Raddampfers aufhängen.