Rigi Anzeiger
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Tag der Volks-Schulen

Es tut mir leid. Aber beim Begriff «Volk» bekomme ich immer Gänsehaut. Das «völkische» Gedankengut des Dritten Reiches ist mir noch zu sehr in Erinnerung. Der Begriff «Volk» hat so etwas Beschränkendes, Einengendes, Plakatives.

Felix von WartburgBeim Begriff «Volksschule» denke ich immer zuerst an kommunistische Parolen und diktatorische Gehirnwäsche-Programme wie beispielsweise in Nordkorea, wo Menschen jeder Sensibilität und Individualität beraubt und zur manipulierbaren Massenware umerzogen werden.

Vielleicht bin ich überempfindlich. Aber ich behaupte, es gibt in einem freien demokratischen Land keine «Volksschule», denn keine Schule kann «das Volk» aus- und weiterbilden. Heranwachsende Menschen sind kein «Volk». Vor allem nicht in der Ausbildung und Erziehung. Es sind Menschen mit Wünschen, Horizonten, Gefühlen, Emotionen, Ängsten, Sehnsüchten und Träumen.

Der Schulleiter von Buchrain hat es – vielleicht ohne zu wollen – sehr klar ausgedrückt: Am Vormittag kamen – auf Einladung – Eltern in die Schule und erzählten aus ihrem privaten oder beruflichen Leben. Das Interesse der Schülerinnen und Schüler war gewaltig und sie legten eine grosse Motivation an den Tag, eine grössere, als es jede «Volksschule» zu erbringen vermag.

Am Nachmittag war wieder langweiliger Schulstoff angesagt. Was für eine Diskrepanz. Für mich zeigt das einmal mehr, dass Schule und Lebensvorbereitung weit auseinander klaffen. Ich finde, unsere Gesellschaft müsste endlich mal den Mut haben, zu erkennen, dass unser Schulsystem in eine Sackgasse führt. Unser Schulsystem ist nicht motivierend für das weitere Leben, es ist schon demotivierend für das gegenwärtige Leben. Wir sollten uns deshalb von der «Volksschule» verabschieden und eine «Menschen-Schule» aufbauen. Das höchste Ziel einer Gesellschaft ist nicht die Gleichschaltung aller Individuen, sondern die Förderung individueller, kreativer und schöpferischer Ideen.

Felix von Wartburg, Chefredaktor