Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Tierambulanz» gibt zu reden

Flugblatt-Sammel-Aktion im Rigi-Land

Der Interlakner Charly Schmid, der in einigen Rigiland-Gemeinden mit einer Flugblatt-Aktion Geld für eine Tierambulanz für Luzern und Region zu sammeln versucht, kommt mit dieser Idee nicht gut an. Ein unnötiger Service, sagen die Fachleute.

Der Berner Oberländer Charly Schmid hat unlängst in Luzern und der Agglomeration ein Flugblatt in die Briefkästen gesteckt. Kann sich aber nicht mehr erinnern wo überall. Zumindest Teile von Adligenswil wurden mit seinem Sammelaufruf für eine Tierambulanz bzw. Tierrettungsdienst bedient. «Wir suchen Spenden für den neuen Tierrettungswagen, den wir in der Stadt und Region Luzern stationieren wollen», steht unter dem Bild eines Ambulanzfahrzeuges (für Menschen) mit AR- Nummernschild. Laut Medienberichten stammt es aus Herisau. Und laut Auflistung auf dem Flugblatt soll es 15000 Franken kosten. Zusammen mit Umbau und Ausstattung sollen sich die Gesamtkosten für die Tierambulanz auf 20000 Franken belaufen. Charly Schmid bedankt sich schon im Voraus für alle Spenden. «Es ist schon etwas hereingekommen», sagt er gegenüber dem Rigi Anzeiger. Und: «Aber üblicherweise dauert es ein bis zwei Monate, bis die Spendengelder fliessen».

Schwäne, Hunde und Katzen
Doch wer ist Charly Schmid? «Mit 46 auch nicht mehr der Jüngste», lacht er. Und seine Beziehung zu Tieren? Namentlich verletzten und kranken? «Eigentlich bin ich Automechaniker. Später habe ich einen Hof geführt. Und zuerst für Kollegen, später auch für andere Tierhalter mit meinem Viehtransporter Tiertransporte ausgeführt», berichtet er. Dabei habe er das Bedürfnis nach einer Tierambulanz erkannt und darauf reagiert. «Seit bald sechs Jahren betreibe ich die Tierambulanz Berner Oberland. Wir erhalten vor allem nachts Notrufe aus zahlreichen Kantonen. Darunter sehr viele aus der Zentralschweiz», erzählt er. Das habe ihn dazu bewogen, in der Region Luzern eine Tierambulanz versuchen aufzubauen. Nein, bis jetzt habe er noch keinen Ambulanzwagen. Auch nicht in seinem Wohn- und Stammgebiet – dem Berner Oberland. «Wir fahren alle Einsätze mit PWs. Das ist sehr unbefriedigend», klagt er. Und wie darf man sich seine Einsätze vorstellen? «Wir rücken zu allen Tages- und Nachtzeiten zu verunfallten oder kranken Tieren aus und versuchen zu helfen. Aus der Region Luzern haben wir beispielsweise sicher acht bis neun Meldungen über verletzte Schwäne im Vierwaldstätter- und Rotsee erhalten. Natürlich sprechen wir uns bei solchen Einsätzen mit der Polizei ab», schildert Tierretter Schmid. Die meisten Einsätze beträfen aber Hunde und in zweiter Linie Katzen.

«Kein Bedürfnis nach Tierambulanz»
Darauf angesprochen erklärt die Luzerner Kantonstierärztin Ursula Horisberger: «Es besteht kein Bedürfnis nach einer solchen Tierambulanz in unserer Region. Angefahrene Tiere werden meist von den Findern zum nächsten Tierarzt gebracht. Soviel Eigenverantwortung bringen die Leute auf. Und ansonsten ist die Polizei für solche Einsätze zuständig». Auch Edith Reuteler vom Tierheim Staffelweid im Götzental bei Udligenswil, die auch die Meldestelle für den Verein «Tiere in Not» betreut, kann keine Notwendigkeit für eine regionale Tierambulanz erkennen. «Die Tierhalter organisieren sich selbst», erklärt sie.

Die nüchternen Kommentare ausgewiesener Tierfreunde und Fachleute kollidieren ziemlich frontal mit den Vorstellungen des Charly Schmid über seinen Service. «Natürlich wird die Ambulanz mit einem Lagerungstisch, mit Sauerstoff und Infusionsanlage ausgestattet, damit wir verletzten Tieren schon auf dem Transport zum Tierspital oder zu einem Tierarzt optimale Hilfe leisten können», schwärmt er. Bedeutet das, dass die Ambulanz von Tierärzten betreut werden soll? «Das nicht. Aber von ausgebildeten Tierarztgehilfinnen und Tierpflegerinnen. Also nur von Fachpersonal», erklärt Schmid. Er selbst sieht sich am ehesten dazu berufen, mit Bissschutz-Anzug und Fangstange aggressive Hunde einzufangen.

Konflikt mit dem Veterinäramt
Denn immerhin darf sich Charly Schmid als professioneller Hundebetreuer bezeichnen. Unter sehr vielem anderen bietet er auch Betreuung von Ferienhunden an. Und ist dabei wegen unzulässiger Zustände in seinem Hundehort in Wimmis mit dem kantonalen Veterinäramt seines Wohnkantons in Konflikt geraten. Die örtlichen Medien zitieren Hundehalter, die ihre Tiere nach einem Ferienaufenthalt bei Schmid verletzt und verstört wieder zurückerhalten haben. Berner und Aargauer Medien haben aber auch wiederholt über die Aktivitäten des umtriebigen Charly Schmid in Sachen Tierambulanz berichtet. Vor fast einem kündigte er gegenüber der Zeitung «Der Bund» an, einen gesamtschweizerischen Tierambulanzen-Dienst aufbauen zu wollen. Das schon damals ins Auge gefasste Ambulanzfahrzeug aus Herisau war laut Schmid für Bern gedacht.

Anfangs Jahres sorgte Schmid in der Aargauer Zeitung für negative Schlagzeilen, nachdem die auf diesen Zeitpunkt hin in Aussicht gestellte Stationierung eines Tierambulanzfahrzeuges sang- und klanglos vertagt wurde. Im Zusammenhang mit den Sammelaktivitäten wurde auch der Vorwurf laut, dass die Spendengelder für das Ambulanzfahrzeug auf Schmids Privatkonto laufen. Von einer ehemaligen Mitarbeiterin wurde Charly Schmid wegen Betrugs und Veruntreuung von Spendengeldern eingeklagt. Er verteidigte sich mit dem Hinweis darauf, das er keine Firma besitze und deshalb alles über sein Privatkonto abwickle. Auf die Frage des Rigi Anzeiger, in welchem Zeitraum er denn glaube, die Tierambulanz für Luzern und Region realisieren zu können antwortete Schmid: «Bis Ende Jahr». Wobei ihm «die permanente mediale Kritik an seinen Sammelaktivitäten» gesundheitlich zu schaffen macht.