Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Tierisch gut für die Sicherheit (Kolumne)

Der Begriff Reisen trügt. Er suggeriert Mobilität und Bewegung, hat aber eigentlich ziemlich viel mit Warten zu tun. Warten auf den Bus, warten auf das Taxi, warten beim Check-in, warten vor der Sicherheitskontrolle, warten am Gate, warten auf die Koffer, warten auf den Transfer, warten auf das Hotelzimmer.

Warten, warten, warten. Den Reisepass in der Hand, mal hin, mal her blättern. Ziemlich langweilig. Das Spannendste an einem Pass sind wohl die Stempel von den Ländern, in die man gereist ist. Die Erinnerungen an sie tragen eventuell dazu bei, die Wartezeit etwas zu überbrücken. Ansonsten kann das einst in aller Eile geschossene Passbild eine Alternative sein. Das schreckliche Portrait ist zwar hinlänglich bekannt, aber für ein kurzes Aufregen immer gut. Ist ja auch schwierig, heute ein attraktives  Konterfei hinzukriegen. Die geltenden Normen pressen sämtliche aufnahmetechnische Schönheitstricks in die brutale 0815-Schablone. Mit geraden Schultern vor der Kamera sitzen, Kopfhaltung ebenso gerade, den Blick direkt in die Linse, neutraler Gesichtsausdruck, um Gotteswillen nicht lächeln und den Mund geschlossen halten. Das Ergebnis der Frontalaufnahmen kommt nicht wirklich berauschend rüber.  Muss es ja auch nicht. Denn der Reisepass ist ein amtliches Dokument. Ein unspektakuläres Stück Bürokratie.
Nicht so in Finnland. Diese Reisepässe sind Dokumente mit einem amüsanten Mehrwert. Die Finnen können sich die Wartezeit neuerdings mit einem Filmchen verkürzen. Ein Daumenkino, das beim schnellen Durchblättern der Seiten einen Elch zum Schreiten bringt, macht nicht nur das Dokument fälschungssicher, sondern sorgt auch für Unterhaltung. Da war ein Beamter mal richtig kreativ. Die Idee könnte hierzulande gut übernommen werden. Wilhelm Tells Geschoss könnte über mehrere Seiten hinweg fliegen und schliesslich den Apfel auf Walterlis Kopf treffen. Aber sowohl der Tell als auch der Walterli haben ja nie existiert, und der Apfelschuss schon gar nicht. Und als Land offiziell Lügen zu verbreiten, hat immer etwas Heikles. Da ist eine Schweizer Kuh, unterwegs im Auftrag der Fälschungssicherheit, wesentlich unverfänglicher: nur wenn die Kuh rennt, ist der Pass echt. Und stellen Sie sich die gute Stimmung vor, wenn der Beamte im indischen Grenzschutzhäuschen die dicken Heiligkeiten rennen sieht.

 

linda.kolly@rigianzeiger.ch

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Kolly