Rigi Anzeiger
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«TOSA»-Busse statt Oberleitungen?

Ebikon: Für den Verkehrsverbund Luzern (VVL) und die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) kommen für die Verlängerung der Trolleybus-Linie 1 ab Maihof bis Ebikon alternativ-elektrisch angetriebene Fahrzeuge nicht in Frage. Jetzt regt sich Widerstand, nachdem in verschiedenen Medien publik wurde, dass Genf in «TOSA»-Busse investiert.

cek. Sehr schnell wurden vor allem Personen aus dem Gewerbe Ebikon aktiv, als publik wurde, das Genf in «TOSA»-Busse investiert. Anlässlich der Orientierungsversammlung vom 17. Mai dieses Jahres erläuterten nämlich Vertreter des VVL und der VBL, das diese Art von alternativ, elektrisch angetriebenen Bussen für die Verlängerung der Linie 1 ab Maihof bis Ebikon aus unterschiedlichen Gründen nicht in Frage kommt (siehe Interview auf Seite 6). Realisiert werden soll eine Trolleybusverlängerung ins Rontal mit einer durchgängigen Fahrleitung.

Innert 15 Sekunden aufgeladen
Der «TOSA» wurde im 2013 erstmals als  Gelenkbus mit aufladbarer, gewichtsarmer Batterie für den Einsatz im städtischen Nahverkehr vorgestellt. Die Batterie wird in regelmässigen Abständen sehr schnell – innert 15 Sekunden – nachgeladen. Das geschieht, wenn der Bus anhält, um Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen. Der «TOSA» wurde während 22 Monaten als Pilotprojekt auf der stark frequentierten, 1,8 Kilometer langen Strecke vom Genfer Flughafen zum internationalen Messezentrum Palexpo eingesetzt und benötigte zwei Aufladestationen.
Schweizer Firmen beteiligt
An der Realisierung des «TOSA»-Bus (Trolleybus Optimisation Systeme Alimentation) waren ausschliesslich Schweizer Firmen beteiligt. Der Technologiekonzert ABB entwickelte die vollautomaische und ultraschnelle Ladetechnologie und der Schweizer Bushersteller Hess baute das Fahrzeug. Am 15. Juli teilte die ABB mit, dass sie von den öffentlichen Genfer Verkehrsbetrieben TPG und dem Bus­hersteller HESS Aufträge für die Lieferung von Schnelllade- und Bordtechnologien für zwölf vollelektrische TOSA-Busse erhalten hat. Die Elektrobusse werden auf der Buslinie 23 eingesetzt, die den Flughafen mit Genfer Vororten verbindet. Im Vergleich zu den bisher genutzten Dieselbussen können mit den neuen Bussen bis zu 1000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr eingespart werden.

Thematik Fahrleitungen problematisch
Bereits an der erwähnten Orientierungsversammlung im Mai 2016 bekundeten verschiedene Personen ihre Unfreude an den Oberleitungen, die für die Verlängerung der Trolleybus-Verlängerung ins Rontal installiert werden müssen. Die CVP Ebikon hat sogar in einem offenen Brief an den Gemeinderat auf diese Thematik hingewiesen, betonte darin zugleich, dass sie grundsätzlich hinter der Verlängerung der Buslinie 1 steht. Ferner führte sie aus: «Jedoch scheint es uns nicht opportun, in der heutigen Zeit nur mit Oberleitungen zu planen, ohne zukunftsweisende Systeme in Betracht zu ziehen.» CVP-Präsident Othmar Som erläuterte auf Anfrage: «Schon im Frühling 2015 votierten wir für das «TOSA»-System in Genf. Als Rückantwort bekamen wir die Information, dass das System für unsere Topographie noch nicht genügend ausgereift sei (wobei in der Stadt Genf durchaus auch topografische Ähnlichkeiten wie auf der Linie 1 vorhanden sind). Gleichzeitig wurde aber versprochen, dass der Markt weiterhin genau beobachtet wird. Wir erwarten nun ganz klar, nachdem diese TOSA-Lösung in Produktion geht, dass das System in ein enges Auswahlverfahren kommt und die Machbarkeit genau überprüft wird. Wie schon im offenen Brief hingewiesen, würde es uns erstaunen, wenn wir nun betreffend Oberleitungen vor einem ‚Fait-à-compli‘ stehen würden oder Sachzwänge angeführt würden. Gleichwohl hören wir aber, dass bereits mit Grundeigentümern Verhandlungen für die Montage von Oberleitungen geführt wurden. Die CVP hat den klaren Wunsch geäussert, dass auch alternative Systeme geprüft werden. Heute erfahren wir sogar, dass die Produktion durch die auch in der Schweiz ansässige Firma ABB ausgeführt wird, was uns erst recht dazu verpflichten sollte, diese Möglichkeit zumindest in Betracht zu ziehen. Wir erwarten also vom Gemeinderat, wie auch vom Verkehrsverbund, dass die Alternativmöglichkeiten seriös geprüft werden, um nicht vom ‹Amplikon› zur ‹Waschhänge› zu mutieren.»

Sind «TOSA»-Busse schon bald in Ebikon unterwegs? Bild zVg./Montage raz.

Sind «TOSA»-Busse schon bald in Ebikon unterwegs? Bild zVg./Montage raz.

Alternativen nochmals prüfen
Am meisten erstaunt ist Martin Aregger, ein betroffener Hauseigentümer, wie der Kanton Luzern plant und baut. Er nennt als Beispiel die Leuchten und Kandelaber, die vor zwei Monaten in seinem Garten montiert wurden. «Diese sind für das Tragen der neuen VBL-Fahrleitungen nicht geeignet und müssen ersetzt werden. Es wurde also in sehr schöne und wahrscheinlich teure Leuchtenkandelaber investiert, um sie nach kurzer Zeit wieder zu entsorgen. An ihrer Stelle erhalten wir dicke Masten», fügte Aregger an. Architekt Marcel Neuenschwander meinte: «Was in Genf seit einigen Jahren funktioniert müsste doch in Luzern/Ebikon auch gehen und somit müsste unser Dorfbild nicht auch noch mit unnötigen Elektrokabeln verunstaltet werden.»
Beat Knapp, Vizepräsident des Gewerbevereins Ebikon sagt: «Als grosses Gegenargument für E-Busse führen die VVL und der VBL auf, dass bei einem Systemwechsel die Kunden bei der Endstation Maihof umsteigen müssten. Man könnte ja dies zu Beginn so machen und zu einem späteren Zeitpunkt die ganze Linie 1 (Obernau – Dierikon) auf das neue E-Bus System umstellen. Die Entwicklung bei dieser Technologie schreitet sehr schnell voran und da die Bus-Investitionen auf 15–20 Jahre amortisiert werden verstehe ich nicht, warum man an alten Zöpfen festhält. Eine Investition sollte immer ein Schritt in die Zukunft sein, auch um sich das entsprechende Knowhow anzueignen.» Überzeugt vom TOSA-Bus ist der ab 1. September 2016 für das Ressort Bau verantwortliche Gemeinderat Hans Peter Bienz: «Mit ihm kann gänzlich auf die Fahrleitungen über der Strasse verzichtet werden. Es ist wie der herkömmliche Trolleybus ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug, welches jedoch seine Energie in einem Hochleistungs-Akku speichert. Das System zeigt ausserdem Marktreife, denn es hat seine Bewährungsprobe erfolgreich bestanden.» Bienz unterstrich, dass er das Thema Busverlängerung als Sachgeschäft nochmals im Rat vorbringen wird.

 

Die Kosten der neuen Technologie sind nicht absehbar

Der Rigi Anzeiger stellte hinsichtlich der Trolleybusverlängerung Linie 1 nach Ebikon der VVL (Verkehrsverbund Luzern) und der VBL (Verkehrsbetriebe Luzern) wie auch zum TOSA-Bus Fragen. Hier die Antworten dazu.

Wie ist zurzeit der aktuelle Stand?
vbl wurde mit der Planung der Trolleybusverlängerung ins Rontal beauftragt. Das Gesuch und die Unterlagen für die Auslösung des Plangenehmigungsverfahrens für das Projekt der Verlängerung der Trolleybuslinie 1 nach Ebikon bzw. zur Mall of Switzerland wurden letzte Woche von vbl an das Bundesamt für Verkehr nach Bern abgeschickt. Das BAV wird nun gemäss Artikel 18 des Eisenbahngesetzes ein ordentliches Verfahren abwickeln. Das Planungsdossier wird zu gegebener Zeit in den Gemeinden Ebikon und Luzern aufgelegt. Die Durchlaufzeit beträgt in der Regel ca. 12 bis 18 Monate. Im Rahmen des Auflageverfahrens können Betroffene ihre Rechte wahrnehmen.
Wie reagierten Hausbesitzer auf Ihre Anfragen hinsichtlich der Installation der Oberleitungen?
Das Ziel von vbl ist es, einvernehmliche Lösungen zu finden. Deshalb stehen wir im Kontakt mit den Eigentümern von betroffenen Grundstücken, die für einen Maststandort oder für Mauerbefestigungen in Frage kommen. Ein grosser Teil der Eigentümer zeigt sich sehr kooperativ. Da verständlicherweise noch einige Unsicherheiten seitens der Eigentümer bestehen, erreichen uns aber auch viele Fragen. Diese beantworten wir sehr gerne direkt und individuell, so dass wir gezielt mit jedem einzelnen Direktbetroffenen die Diskussionen führen können.

Mehrere Städte scheinen sich nun für die TOSA-Busse zu interessieren. Sind diese Fahrzeuge für die VBL und Verkehrsverbund auch ein Thema? Und für Ebikon kommen sie endgültig nicht in Frage? Wenn ja, wegen der Gründe, die bereits an der Orientierungsversammlung im Mai in Ebikon genannt wurden?
Das Projekt TOSA ist eines von mehreren Systemen der fahrleitungslosen Fahrt, die zurzeit in Test geprobt werden. Es ist allerdings noch nicht betriebserprobt und serienreif. Es fehlen noch immer zuverlässige konkrete Preisangaben, so dass die Wirtschaftlichkeit der neuen Technologie nicht errechnet werden kann. Für den Kanton Luzern ist es ein grosses Risiko, ein nicht bewährtes und nicht serienreifes System einzuführen. Die Kosten für das Trolleybusprojekt ins Rontal trägt die öffentliche Hand, sprich der Steuerzahler. Es wäre unverantwortlich, ein Projekt vorzubereiten, dessen Kosten nicht absehbar sind. Das System Trolleybus hingegen ist seit 75 Jahren in Luzern ein bewährtes Traktionssystem. Sowohl die Installations- wie auch die Folgekosten sind klar berechenbar.

Im Unterschied zum Versuchsprojekt von TOSA in Genf handelt es sich bei der Linie 1 nach Ebikon nicht in dem Sinne um eine neue Linie wie in Genf, sondern um eine Verlängerung einer bestehenden Linie. In Genf wurde für das Pilotprojekt eine neue Linie geschaffen, es wurden extra für das TOSA-Projekt Busse beschafft und Haltestellen neu gebaut. Würden wir für die Verlängerung der Linie 1 das TOSA-Projekt einführen, würde dies bedeuten, dass die Fahrgäste aus dem Rontal im Maihof vom «TOSA»-Bus auf den Trolleybus der Linie 1 umsteigen müssten. Ein systembedingter Umsteigevorgang an der Haltestelle ist für die Fahrgäste unzumutbar.

Die Einführung von «TOSA» in Ebikon hätte zudem den Nachteil, dass nicht nur die Fahrgäste systembedingt umsteigen müssten, sondern dass auch betrieblich die beiden Systeme nicht kompatibel sind. Das heisst, dass die Fahrzeuge ausschliesslich für einen «TOSA»-Ast in Ebikon beschafft werden müssten. Beim vorhandenen Trolleybussystem ist es so, dass die Fahrzeuge auf diversen Linien eingesetzt werden können und so auch flexibel auf betriebliche Ereignisse (Stau, Baustellen, Defekt/Reparatur von Fahrzeugen, etc.) reagiert werden kann.
Der Kanton Luzern (Dienststelle Verkehr und Infrastruktur vif), der Verkehrsverbund Luzern und die Verkehrsbetriebe Luzern AG als beauftragte Planerin haben zum Ziel, die Kosten und die vorgegebenen Termine einhalten zu können und den Fahrgästen ein zuverlässiges, durchgängiges und optimales Angebot im öffentlichen Verkehr zu ermöglichen.