Rigi Anzeiger
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Tradition und Neues ergeben «erfröschend traditionell»

Meggen: Tradition ist, dass jeweils am ersten Samstag im Januar der neue Megger Fröschenzunftmeister inthronisiert wird. Neu ist, dass ein neuer Zunft-Präsident durch die Feier führte. Und was sonst noch Neues zu hören und sehen war, das verraten die folgenden Zeilen.

Neu ist der neue Zunftmeister des Jahres 2017: Ivo Sigrist mit seiner Gattin Simone und den drei Söhnen Xaver, Jakob und Niklaus startete mit einer fulminanten und sehr sympathischen Antrittsrede in die Inthronisationsfeier. Der 1972 auf dem Megger Sitenhof geborene Sohn Ivo der Eltern Franz und Tina Sigrist-Unternährer ist diplomierter Landwirt und heute nach Weiterbildungen im kaufmännischen Bereich Inhaber einer Firma für Agrar- und Sportprodukte. Einen Bezug zur Fasnacht hatte er durch sein Mitmachen in einer Guggenmusik, wo er auch seine Partnerin Simone kennen lernte. Authentisch, natürlich und frisch von der Leber erzählte der erkorene Zunftmeister, wie er auf Anfrage des amtierenden Zunftmeisters zu diesem Ehrenamt kam. Seine Frau half ihm dabei mit Zetteln, auf welchen Vor- und Nachteile der Übernahme dieses Amtes aufgeführt waren, auf die Sprünge. «Die ganze Fasnacht ohne Verkleidung erleben oder viele weibliche Verehrerinnen um sich haben standen beispielsweise bei den Vorteilen», erzählte Ivo Sigrist schalkhaft. «Das überzeugte mich. Anstatt dass ich einen Betonrost für einen Kuhstall aus meinem Betrieb liefern konnte, wurde ich als Zunftmeister angefragt. Und als Bernhard und Vreni Gisler noch als Weibelpaar zusagten, war die Sache geritzt. Ich freute mich auf die Dinge, die da kommen sollten!»
Zunft-Präsident Pascal Feucht mit seiner ehrenwerten Gemahlin leitete sodann zur offiziellen Inthronisation des Zunftmeis­ters über. Der noch für kurze Zeit amtierende Zunftmeister Heiri Scherer verlas die Eidesformel und überreichte Ivo Sigrist die Insignien des Fröschenzunftmeisters, als da sind eine Kette, der Hut und das Zepter. Der Erkorene gelobte eine tolle, rüüdige Fasnacht im Sinn und Geist der Fröschenzunft zu inszenieren. Und dann kam ein wichtiger Moment – das Bekanntgeben des Fasnachtsmottos 2017. In Verbindung von Tradition und Neuem, einem Wert, den die junge Familie auch intern pflegt, entrollten die Gemahlin Simone und ihre drei Söhne den prägnanten Slogan «erfröschend traditionell». Beifall! Ein Knall! Hunderte von Luftschlangen hingen von der Decke. Unter Gedröhn, Posaunenklängen und Paukenschlägen marschierte die Guggenmusik «Glögglifrösch» in den feierlich dekorierten Gemeindesaal ein. In wilden Rhythmen tanzten und stampften die Zünftler und ihre ehrenwerten Damen in eleganten Roben durch den Saal. Eine Polonaise, angeführt vom Zunftmeisterpaar, tollte durch die vielen bunten Luftschlangen und liess eine kochende Stimmung aufkommen.
Das exquisite Nachtessen aus der Küche des Hotel Restaurant Balm führte nur für kurze Zeit zu einer etwas ruhigeren Atmosphäre. Schon bald trat die Milena-Band auf. Die Luzerner Chanson-Sängerin Milena interpretierte ein Potpourri von Ohrwürmern aus vergangenen Jahrzehnten. Wer nicht gerade mit Messer und Gabel beschäftigt war, klatschte die Rhythmen der Lieder in verschiedenen Sprachen eifrig mit. Viele Lacher und kräftigen Beifall löste der Auftritt von drei Tenören aus. Mit Playbackmusik interpretierten die drei Zünftler Beni Gisler, Urs Brunner und Andy Moser mit akrobatischen Gesten den Song «Aber dich gibt’s nur einmal für mich.» Der Hit des Abends!
Für eine weitere Produktion sorgte Gemeindepräsident Urs Brücker. Er hat sich Gedanken zu einem «politischen» Fasnachtsmotto gemacht: «Wenn jeder für sich schaut, ist für alle geschaut!» Auch ging er der Frage nach, weshalb so viele Zünftler im Gemeinderat sind – ohne aber eine schlüssige Antwort zu geben. Eine Organgenschlacht sei gar keine richtige Schlacht – die Waffen seien sehr einseitig verteilt. Trotzdem übergab er dem neuen Zunftmeister namens der Gemeinde einen Gutschein für 400 Kilogramm Orangen und verabschiedete sich mit der Nasenflöte «Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus».
Tradition ist auch, dass um Mitternacht ein Zünftler ein zusammenfassendes Schlusswort hält. Neu war, dass diese Ehre und Aufgabe HansPeter Hürlimann zufiel. In einem wahren Sturmlauf liess er die Anlässe des vergangenen Zunftjahres Revue passieren, hob einige Besonderheiten hervor und verteilte ein paar ulkige Seitenhiebe. Der Inthronisationsfeier zollte er viel Lob, Fett hat niemand abbekommen. Dafür gab es zum Abschluss des Abends noch eine währschafte Mehlsuppe. Wann sich die letzten Zünftigen auf den Heimweg machten, bleibt geheim.