Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Trauer bei der Modellfluggruppe Rigi

Präsident erschlagen und Flugplatz in Küssnacht bald verloren

Die Piloten der Modellfluggruppe Rigi sind traurig und ratlos. Sie sind seit Monaten auf der Suche nach einem neuen Platz für ihre Flugpiste, nachdem der heutige über kurz oder lang dem Ausbau des Industriegebietes zum Opfer fällt. Jetzt ist auch noch ihr Clubpräsident durch einen Unfall ums Leben gekommen.

Seit über drei Jahrzehnten kann man sie beobachten, wie sie ihre Flugmodelle in die Luft steigen lassen: Die Modellflieger im Küssnachter Industriegebiet Fänn. Neben der Strasse haben sie sich auf einem gepachteten Landstreifen eine zwar schräge und holperige, aber brauchbare Piste angelegt. Darum herum ein gepflegter Rasen, einige Gehplatten und ein rustikales Gartenhäuschen für den Rasenmäher und andere Utensilien.

Hier lassen sich alle Varianten des Modellfluges beobachten: Modellsegler, die an der Winde hochgezogen werden, die von Motorfliegern mit Schleppseil oder Huckepack wie die Raumfähre in die Höhe gebracht werden, Motorflugmodelle vom detailgetreuen Nachbau historischer Maschinen bis zum modernen Kampfjet mit Düsentriebwerk und Modellhelikopter. Neben dem Häuschen pflegen die restlichen Familienmitglieder auf den Festbänken am Holztisch zu picknicken, während sich die Familienoberhäupter ihrer Leidenschaft hingeben.

In den letzten Jahren war die Modellfluggruppe Rigi attraktiver Partner des regionalen Ferienspass-Angebotes. Zahlreiche Kinder und Jugendliche haben sich auf dem Modellflugplatz in die vielfältige Welt der Modellfliegerei entführen lassen und dabei viel Nützliches und Wissenswertes erfahren.

«In den letzten Jahren brachten markante Preiseinbrüche bei Fernsteuerungen und billige Fertigmodelle vermehrt Jugendliche wieder auf die Idee, sich im Modellflug zu versuchen. Wir wurden zeitweilig vom Ansturm an jungen Neumitgliedern überrannt», berichtet Vorstandsmitglied Stefan Mittelmann. Die Modellflieger von Küssnacht zählen auch zu den Stammkunden des Modellflug-Fachgeschäftes in Root. Die lehrreiche «Randsportart» Modellflug – für viele spätere Berufspiloten noch immer der klassische Einstieg in die Fliegerei – blühte in den letzten Jahren in Küssnacht so richtig auf.

Modellflugplatz Faenn, Kuessnacht SZ
Hier beim Industriegebiet Fänn haben sich die Modellflieger einen kleinen Flugplatz eingerichtet.

 

Das Aus ist absehbar

In den ersten Monaten dieses Jahres dann die Ernüchterung: Es wurde klar, dass die Industriebauten im Fänn weitere Landreserven beanspruchen. Sie rücken in die unmittelbare Nähe der Modellflugpiste vor. «Wir haben zwar keine Kündigung erhalten, aber sobald die Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe aufgenommen werden, können wir aus Sicherheitsgründen nicht mehr fliegen», sagt Mittelmann. Die Modellflieger sind deshalb auf der intensiven Suche nach einem neuen Platz. «Das ideale Fluggebiet wäre eine etwa 400 mal 500 Meter grosse, ebene Fläche ohne Gebäude oder Leitungen in unmittelbarer Nachbarschaft. Der Flugplatz selbst beansprucht nur eine kleine Fläche für eine etwa 30 mal 50 Meter grosse Graspiste. Zu dieser hin müsste es aber einen Zufahrtsweg, sowie eine Parkmöglichkeit für etwa ein Dutzend Fahrzeuge geben», beschreibt Stefan Mittelmann die Bedürfnisse der Modellflieger. «Toll wäre auch die Möglichkeit, wieder ein Häuschen für den Mäher aufstellen zu können», fügt er an. Für ihren neuen Platz wären die Modellflieger bereit, bis mehr als 2000 Franken jährlich zu bezahlen. Doch mit Geld allein ist in diesem Fall offensichtlich nichts zu machen. In unmittelbarer Nähe des heutigen Standortes haben die Modellflieger bis heute trotz entsprechenden Bemühungen keine Ausweichmöglichkeit gefunden. «Wir haben mit den Landbesitzern Kontakt aufgenommen. Aber es ist nichts daraus geworden», schildert Mittelmann. Hilfe und aktive Unterstützung hätten sie keine erfahren. Auch vom Bezirk nicht. «Obschon wir seit Jahren ohne Entgelt beim Ferienspass mitmachen und als Verein noch nie irgendwelche finanzielle Ansprüche geltend gemacht haben», bemerken die Vereinsmitglieder.

Angst vor Lärmbelästigung

Im Moment sei man mit einem Anbieter einer guten Alternative in der weiteren Umgebung im Gespräch. «Aber fest ist noch nichts. Und wie sich die Sache entwickeln wird, wenn dann mal die Modellflieger aufsteigen sollten, ist auch nicht abzusehen», meint Mittelmann und spielt auf die Lärmempfindlichkeit der Nachbarn an. Befürchteter Lärm durch An- und Wegfahrverkehr und Modellflugmotoren sind der grosse Widerstand, mit dem die Modellflieger zu kämpfen haben. Ein Blick auf ihre Website zeigt allerdings, dass sie sich selbst strenge Auflagen bezüglich Ruhezeiten auferlegen. Selbst mit Industriebauten als Nachbarn. Für die längsten Ruhezeiten aber sorgt zuverlässig das Zentralschweizer Wetter am Alpennordrand. Bei starkem Wind, Regen oder Kälte machen die Modellflieger nur Lärm in ihren Bastelräumen – mit Bohr- und Schleifmaschinen. Zudem wird heute ein grosser und weiterhin wachsender Anteil der Modellflugzeuge und Helikopter mit Elektromotoren betrieben.

Müssen sie auswandern?

Zu den neusten Abwehrargumenten, die die Modellflieger zu hören bekommen, zählt die angebliche Angst wegen der Gefährlichkeit des Hobbys. An sich ist das Hobby Modellflug bei der Anwendung elementarer Vorsichtsregeln fast so harmlos wie die Beschäftigung mit Modelleisenbahnen. Wenn aber mal etwas richtig schief geht, kann es blutig und im Extremfall tödlich enden. Einem solchen – möglicherweise weltweit einzigartigen – ist der amtierende Präsident der Modellfluggruppe Reto Galliker vergangene Woche zum Opfer gefallen. Der 41-jährige war ein passionierter Modellhelipilot. Initiant und Mitglied einer Modellheli-Showtruppe und Wettkampfpilot. Zudem leitete er in seiner Modellfluggruppe die Sparte «Helikopter». «Er war ein Experte, der fast täglich trainierte», erzählen seine Modellflugkameraden. Und weil er auf dem Flugplatz der von ihm präsidierten Modellfluggruppe während seiner Trainings oft von Neu- und Wissbegierigen gestört wurde, organisierte er sich in der Nähe seines Wohnortes bei Mauensee bei einem Landbesitzer seinen eigenen privaten Trainingsplatz. Dort wurde er vergangene Woche von einem Wanderer entdeckt. Tot. Erschlagen vom eigenen Modellheli. «Die Schädel und Hirnverletzungen war so gravierend, dass sie zum sofortigen Tod geführt haben», erklärt Polizeisprecher Simon Kopp. Auch wenn sich der Unfall in Anwesenheit von anderen Personen abgespielt hätte, hätte dem Opfer niemand mehr helfen können. Angesichts der grossen Erfahrung und Routine des Opfers im Umgang mit Modellhelikoptern kann man Ungeschicklichkeit oder Fahrlässigkeit als Unfallursache ausschliessen und muss von einem technischen Defekt im dümmsten Augenblick – zum Beispiel Schweben auf Augenhöhe vor dem Piloten – ausgegangen werden. «Dieser tragische Todesfall, macht unsere Suche nach einem neuen Platz noch schwieriger», sagt Vorstandsmitglied Mittelmann.

 

Aktuelle Zeitung

Die Gewinner: Leserbilder Sommer 2017

Die Gewinner: Leserbilder Sommer 2017

Like uns auf Facebook!

Razli

Razli

Razli Wetternachhersage

Partner

Partner

Horoskop

Horoskop