Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Trauriges Hundeleben in Rotkreuz

Nachbar kritisiert: «Tag und Nacht liegt der Hund in der Werkstatt»

Es ist ein Kreuz mit dem grossen Schäferhund in Rotkreuz. Er fristet offenbar sein Dasein im lärmigen Chaos einer Autowerkstätte. «Ohne Auslauf. Und das seit Jahren», empört sich Nachbar Ulrich Bichsel.

Ulrich Bichsel hat ein Herz für Tiere. Und wenn er Tiere in Not sieht, dann handelt er. Dieser Neigung verdankt Rotkreuz eine einzigartige Auffangstation für Hasen – der sogenannte Häslihof an der Industriestrasse Höhe Lettenstrasse. Hier geniessen derzeit über 200 Hasen den Rest ihres Lebens, nachdem sie von ihren Besitzern gegen einen Pauschaltarif von 100 Franken abgeliefert wurden. Hier – mitten im Industriequartier – leben sie zusammen auf 1560 m², das sind mehr als 8,2 m² pro Tier, graben ausgedehnte Tunnels, ruhen sich in den zahlreichen Unterständen aus oder hoppeln kreuz und quer durch die Anlage. Ganze Kolonien gerührter Tierfreunde pilgern vor allem an Wochenende zu diesem originellen Hasenparadies, gratulieren seinem Schöpfer, Betreiber und Bezahler Ulrich Bichsel zu dessen Einsatz und freuen sich über die ungetrübten Hasenleben.

Haeslivater in Rotkreuz
Der Haeslivater Ulrich Bichsel behaelt nicht nur seine Hasen, sondern alle Tiere in Not im Auge.

 

Zwinger-Angebot ausgeschlagen

Auf der anderen Strassenseite führt ein Schäferhund ein trauriges Hundeleben. In der unaufgeräumten Werkstatt von Santos Pneu – und Autozubehör an der Lettenstrasse 11. «Der Schäferhund muss Tag und Tag in der Werkstatt leben», klagt Häslivater Bichsel. Tagsüber werde er in einen engen Verschlag in der Werkstatt gesteckt. Nachts bewege er sich frei in der Werkstatt. «Zwischen teils offenen Kanistern und Behältern mit feuergefährlichem oder chemischem Inhalt», berichtet Bichsel. Warum er das weiss? Ganz einfach: Er hat nach Feierabend durch die Fenster gespäht und Fotos gemacht. Aber er hat auch dem Hundebesitzer Luis Santos ins Gewissen geredet und angeboten, einen Zwinger auf einem Freigelände, wenige hundert Meter von der Garage entfernt einzurichten. Doch der Hundebesitzer lehnte ab. «Er hat gesagt, der Zwinger sei unnötig. Er gehe mit dem Hund regelmässig laufen und nachts müsse der die Werkstatt bewachen», berichtet Bichsel.

Der Betreiber des Häslihofes hat daraufhin eine seiner Überwachungskameras an einem Samstagabend für 29 Stunden auf die Werkstatt gerichtet. Und festgehalten, dass der Hund während diesem heissen Wochenende weder ausgeführt noch mit frischem Wasser oder Nahrung versorgt wurde. «Er führt den Hund überhaupt nie aus», versichert Bichsel. Dem kaum eine Bewegung auf der anderen Strassenseite entgeht.

Tierschützer Bichsel hat seine Beobachtungen niedergeschrieben und sie samt Beweisfotos der Polizei übergeben. Er fordert ein Strafverfahren gegen den Hundehalter und eine tierärztliche Untersuchung des Hundes. Und anerbietet sich im Falle einer Beschlagnahme, den Hund bei sich aufzunehmen. «Die Polizei kam bei mir vorbei und hat eine Überprüfung der Werkstatt angekündigt. Passiert ist aber gar nichts», schildert er.

Auch von den feuerpolizeilichen Abklärungen, die er gefordert hat, hat Bichsel bisher nichts mitbekommen. Wütend geworden ist der Häsli-Vater über die Reaktion des Zuger Kantonstierarztes Werner Limacher. Bichsel habe ihm vor rund einer Woche angeboten, seinen Bericht und die Beweisfotos gleich im Amt vorbeizubringen. Limacher habe abgelehnt und Bichsel gebeten, ihm die Unterlagen zu schicken.

Hundeleben in Rotkreuz
Heimlich durch die Werkstattfenster fotografiert: Der Schäferhund  in der Werkstatt. Links angekreuzt der Verschlag, in dem er die Werktage verbringt.

Hundeleben in Rotkreuz
Der Hund liegt in der Werkstatt. Gleich neben offenen Kanistern.

Hundeleben in Rotkreuz
Der Schäferhund liegt in der chaotischen Werkstatt.
Bilder

Hundehalter wurde überprüft

Darauf angesprochen erklärt Werner Limacher: «Nicht Herr Bichsel, sondern jemand anders hat uns angerufen. Aufgrund dieser Meldung und den Informationen, die der Polizei vorlagen, haben wir umgehend die Haltungssituation und den Hund durch einen erfahrenen Kleintierpraktiker mit amts-tierärztlicher Ausbildung kontrollieren lassen. Der Hund ist gesund und geimpft, die Haltung ist nicht ideal, erfordert aber keinen unmittelbaren amtlichen Handlungsbedarf. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass ein Hund nicht länger als fünf oder sechs Stunden alleine zu lassen ist. Vorher und nachher muss der Hund ausgiebig freien Auslauf haben und man muss sich mit ihm beschäftigen. Dies wurde dem Hundehalter mitgeteilt – er hat auch versichert, dies einzuhalten. Er muss mit weiteren unangemeldeten Kontrollen rechnen. In einem 10m2 grossen Verschlag werde er verbracht, wenn er durch Manöverieren von Fahrzeugen gefährdet werde – grundsätzlich sei er aber in der ganzen Halle frei».

Unwirscher Hundehalter

Der Rigianzeiger hat zwei Stichproben gemacht: Am Dienstagabend um 20.30 Uhr waren Hund und Halter in der Werkstatt. Am Mittwochmorgen um 10.15 Uhr kläffte der Schäferhund aus der halboffenen Werkstatttüre. Was für ein Unterschied zu den stillvergnügten Häslis auf der anderen Strassenseite. Auch die beiden Tierhalter verhalten sich völlig unterschiedlich: «Ich habe es schriftlich vom Kantonstierarzt, dass alles in Ordnung ist. Aber das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, deshalb sage ich nichts dazu. Ich will keine Namen und keine Fotos publiziert haben. Nein – wie der Hund heisst, sage ich auch nicht», erklärte Luis Santos auf Anfrage. Ausserdem ändere sich die Situation ohnehin dahingehend, dass er sein Geschäft demnächst aufgebe und wegziehe. Aus zuverlässiger Quelle weiss der Rigianzeiger, dass noch nicht entschieden ist, ob der Hundehalter seinen «Werkstatthund» behalten darf oder nicht.

 

So wäre es tierfreundlich
«Ein Schäferhund braucht täglich mindest zwei Stunden Auslauf mit Aufgaben und Beschäftigung. Und unter Auslauf ist Laufen zu verstehen», erklärt die Medienbeauftragte Schweizerischer Schäferhund Club, Pia Koster-Burgstaller. Für die restliche Zeit sei dem Tier ein Zwinger mit den Mindestmassen von 12 x 16 m² zur Verfügung zu stellen. Zu den möglichen Konsequenzen einer permanenten Werkstatt-Haltung zählten schlechte Sozialisierung, Aggression oder Ängstlichkeit und psychische Störungen.

 

Aktuelle Zeitung

Die Gewinner: Leserbilder Sommer 2017

Die Gewinner: Leserbilder Sommer 2017

Like uns auf Facebook!

Razli

Razli

Razli Wetternachhersage

Partner

Partner

Horoskop

Horoskop