Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Über 100 Jahre Imgrüth in Weggis

Weggis: Während Jahrzehnten wohnte im sogenannten Pfannenstil, das heute dem Gebiet Riedsort zugeordnet ist, die Familie Imgrüth. Lisbeth Bieri, eine Enkelin jener Familie Imgrüth, die zuerst nach Weggis zog, hat darüber eine Geschichte geschrieben, die wir hier wiedergeben.

Aus der Vergangenheit ist die Gegenwart gewachsen. Vom Ursprung ins zukünftig gerichtete Heute wollen wir leben und wirken. Jedermann trägt sehr viel Vergangenes in sich, das von Zeit zu Zeit geweckt wird und vergegenwärtigt werden muss, um es zu verarbeiten, um sich selbst im Heute zu verstehen und weiter zu wachsen, vorwärts zu gehen. Denn tief sollen wir wie ein Baum Wurzeln schlagen und starke Äste der Sonne entgegenstrecken, damit die Entwicklung der Schöpfung weiter gehen kann. Gegenwart wächst immer aus der Vergangenheit.

Langsam verabschiedet sich das Gedenkjahr 900 Jahre Weggis. Viel Vergangenes wurde entdeckt, aufgedeckt oder ist neu entstanden. Vieles kam zum Vorschein: Alte Ansichtskarten von Weggis und Umgebung, Fotos und Texte wie vor hundert Jahren auch Frauen und Kinder schwer arbeiten mussten, um in den harten Kriegs- und Nachkriegszeiten zu überleben.

So zog vor gut 100 Jahren die junge Familie Josef und Marie Imgrüth-Wigger mit ihrer Erstgeborenen von Hochdorf nach Weggis, wo sie den grossen Bauernhof Pfannenstiel, für mehrere Jahre bewirtschafteten. (Das stattliche grosse Bauernhaus steht heute auf einem Hügel ob Malters.)

Zu den ältesten Bildern, die im Besitz von Lisbeth Bieri sind, ist dieses Hochzeitsandenken des Ehepaares Imgrüth-Wigger, mit Wachsrosen umrahmt. Bild zVg.

Zu den ältesten Bildern, die im Besitz von Lisbeth Bieri sind, ist dieses Hochzeitsandenken des Ehepaares Imgrüth-Wigger, mit Wachsrosen umrahmt. Bild zVg.

Wie damals üblich, vergrösserte sich die Bauernfamilie fast jährlich. Dass die Kleinen schon tüchtig wie Knechte und Mägde im Hof mitarbeiten mussten, war üblich. Auch wenn der strenge Vater Imgrüth die Schule unnötig und zeitraubend empfand, musste das Töchterchen Marie eingeschult werden. Um in das kleine Fischerdorf Weggis zu gelangen, kletterte es täglich vom Pfannenstil die heute Absturz gefährdete steile Fluh zur Hinter-Horlaui ab, um so zum Vitznauer Strässchen nach Weggis zu gelangen. Aber Marie schätzte den Schulbesuch sehr, holte die Hausaufgaben sonntags freiwillig nach, indem es auf die Kinderspiele mit den Geschwistern verzichtete und stieg täglich gerne und schnell ab- und auf, um anschliessend dem Vater im Stall und Hof behilflich zu sein. Noch mehr, denn oft war es beim Heimgehen mit Nahrungsmitteln schwer beladen. Eine Wohltat war ihm der sonntägliche Gottesdienst. Da konnte es die gute Mutter über den Fuss- und Fuhrweg Lützelau-Rüti nach Weggis in die Kirche begleiten. Zurück zu Hause durfte es sich den Hausaufgaben der vergangenen Woche widmen. Zum Glück hatte der damalige Lehrer, Anton Bucher von Marbach, der 1921 sein 25-jähriges Dienstjubiläum in Weggis feiern konnte, grosses Verständnis. Seine liebevolle Zuneigung zu den jungen Schülern genoss Marie, was der Kleinen neben der grossen Aufmunterung auch Hilfe und Kraft spendete.
Im Laufe des 2. Schuljahres konnte die schon 10-köpfige Familie vorübergehend in den Hof Grossmatt in Weggis, dann ins Tischital ziehen, wo die gute Mutter sofort mit Gemüsebau anfing, um am Luzerner Wochenmarkt die noch weiter wachsende Familie finanziell zu unterstützen. Schliesslich gelang es Josef Imgrüth, die Telli käuflich zu erwerben, wo die letzten Kinder der 14-köpfigen Familie ein bleibendes Heim fanden.

Wie gut verstand es die tüchtige Mutter Imgrüth das kleine Einkommen des damaligen Bauernbetriebes mit Gärtnern und Marktfahren zu erweitern. Ihr vortreffliches Gemüse, besonders die zarten Weggiser Kefen, die sie immer schon im Herbst setzte, sowie die süssen, saftigen Kirschen waren den Luzernen, sehr willkommen. Aber auch der Kontakt mit den verschiedensten Leuten auf dem Markt wurde für sie ebenso lebensnotwendig, wie der Zustupf, auf den sie angewiesen war. Selbst im Alter konnte sie auf das Marktfahren nicht verzichten, wobei natürlich vorwiegend die zwei unverheirateten Töchter Anna und Emilie halfen. Anna zog jeweils früh morgens die Ware mit dem Leiterwagen zum Nauen bei der Station Weggis. Emilie, die in einem Haushalt in Luzern tätig war, holte die Mutter um 5.30 Uhr vom Nauen ab und half ihr, den Leiterwagen bis zum Marktplatz unter der Egg zu transportieren. Das Ende der Nauenfahrten setzte Marie Imgrüth-Wigger sehr zu. Sie, die noch als älteste Marktfahrerin (50 Jahre bei jedem Wetter) kurz zuvor im «Luzerner Tagblatt» speziell genannt und geehrt wurde, war eine herrliche Frau, hilfsbereit, liebe- und verständnisvoll durch und durch. Wer konnte oder wollte glauben, dass sie beim Abschied eines Grosskindes 1960, das lange verreiste, ein halbes Jahr vor ihrem Heimgang sagte, dass sie die Enkelin nicht mehr sehen werde?

Ist es nun Zufall, Vorsehung oder einfach Glück, dass gerade dieses Grosskind nach 80 Jahren wieder im Pfannenstil über der steilen Fluh ein Heimetli erwerben konnte? Da lernte sie viele der Imgrüths Nachkommen besser kennen und schätzte ihre Hilfsbereitschaft. Während die erste Imgrüth-Generation der Landwirtschaft treu blieben, sind die folgenden Nachkommen sehr geschickte Handwerker im Dienst am Nächsten, Geschäftsleute mit differenziertem Wissen und Können geworden, teils mit eigenen Betrieben und grosser Verantwortung.

Imgrüths haben es auch verstanden und wirken heute noch aktiv im kulturellen Gemeindeleben mit, sei es an der Sennenkilbi, im Trachtenverein, Jodelklub, Musikverein, Rosenfest, Fahnenschwingen, Fasnachtsanlässen und anderes mehr. Auch die kommenden Generationen verstehen es, sich sehr zu engagieren und sich sozial im Gemeindewohl einzusetzen. So arbeiten lmgrüths Nachkommen auch zur persönlichen Entfaltung und Pflichterfüllung unauffällig und einsatzbereit weiter. Dafür sei allen von Herzen gedankt. Ich wünsche, dass Imgrüth’s starke Einsatzkraft weiter wachse, dass viele mutig die eingefahrenen Geleise verlassen und so kreativ Gemeinde und Schöpfung weiter gestalten.
Auch Im Ausland leben Imgrüth-Nachkommen, so wie Lisbeth Harbich-Schilliger in Mexiko, Bruno Arnold in Australien, Martina Schilliger in Kanada. Von den ehemals über 70 Cousinen und Cousins verunglückten leider einige Cousins im jugendlichen Alter tödlich. Frohgemut begannen sie den Tag und wollten zur Arbeit oder die freien Tage geniessen. Die unfassbare niederschmetternde Nachricht traf die betroffenen Familien schwer.

Wie froh bin ich, dass ich als Alleinstehende, über 80 Jährige, jeder Zeit bei hiesigen Verwandten Hilfe und Verständnis beanspruchen kann und darf. So habe ich mit Freuden viele Fotos der Familie Imgrüth zusammengestellt. Eines der ältesten Bilder sind sicher das Hochzeitsandenken Imgrüth-Wigger mit Wachsrosen umrahmt, engelhaften Wachsgestalten der Verkündigung rechts und links je auf einem getrocknetem Edelweiss mit Farnblättchen und dem Text: «Gott schütze unsern Bund und auch unser trautes Heim und lasse uns in Treue auf Erden glücklich sein» sowie ein Bild vom «Kath. Haus, Stall- & Alpensegen» von l913.

Anmerkung der Redaktion:
Lisbeth Bieri erwähnte auch zahlreiche weitere Nachkommen der Familie Imgrüth-Wigger und hat uns etliche Fotos zukommen lassen. Wer sich für die vollständige Geschichte der Imgrüths und auch die Familienfotos interessiert, darf sich gerne bei Lisbeth Bieri unter der Adresse Chalet Pfannenstil, Eschenrain 8, 6353 Weggis, Telefonnummer 041 390 25 61 melden.

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