Rigi Anzeiger
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Über 650 Jahre im Dienste der Schifffahrt

Vierwaldstättersee: Dass die Seegemeinden einst mit Gütern und Waren bedient wurden, ist der Verdienst der SNG. Sie wurde 1357 gegründet und ist damit die zweitälteste Firma der Eidgenossenschaft. Zum Nationalfeiertag ein etwas anderes Stück Schweizergeschichte.

Das älteste SNG-Fahrgastschiff auf dem Vierwaldstättersee: MS/Nicolas (Baujahr 1900). Bild SNG

Das älteste SNG-Fahrgastschiff auf dem Vierwaldstättersee: MS/Nicolas (Baujahr 1900). Bild SNG

«Nach ihrer langen, von Hochs und Tiefs geprägten Geschichte, präsentiert sich die SNG in der Gegenwart als ein junges, starkes und erfolgreiches Luzerner Unternehmen.» So stand es 2007 im Vorwort der Chronik der SNG (St. Niklausen Schiffgesellschaft) von Viktor Giopp, dem damaligen Präsidenten dieser zweitältesten Firma der Schweiz. Ihr Gründungsdatum geht auf das Jahr 1357 zurück, nur drei Jahre später, als das Inselspital (Universitätsspital Bern) von der Bernburgerin Anna Seiler mit ihrem Testament den Grundstein zu diesem Krankenhaus, und damit der ältesten Firma der Schweiz, gelegt hat.
Die traditionelle und zugleich mit der Zeit gehende SNG gleist auch für die nähere und weitere Zukunft aktuelle Projekte und Visionen auf, um ihr Kundenangebot ständig dem sich dynamisch wechselnden Markt anzupassen. Im Gespräch mit Beat Plüss, dem SNG-Geschäftsführer, erfuhren wir, dass für 2016 ein neues Boot für eine Zulassung von ca. 200 Personen am Standort Alpenquai vorgesehen sei. Dazu äusserte sich Plüss: «Das ist ein Bekenntnis zur Schifffahrt, wie sie heute aktiv betrieben wird.» Ferner wies er darauf hin, dass René Unterseen, der während 33 Jahre, bis zum 30. November 2014 Geschäftsführer der SNG gewesen war, die Firma in unternehmerischem Geiste in unsere Gegenwart weiterentwickelt hatte.

Die drei Standbeine der SNG
Die Aktivitäten der SNG basieren auf drei Standbeinen. Am Alpenquai 12, direkt am See ist der Werftbetrieb positioniert, wo der Handel und Verkauf von neuen Motor- und Segelbooten sowie von Occasionen vor sich geht. Dort befindet sich auch der Unterhalt- und Reparaturbetrieb der Boote. Der so genannte Bootcharter, die Vermietung der Boote, geschieht am Standort Schwanen für Pedalos und kleine Motorboote sowie Pontonboote. Alle dieser rund 45 Boote können prüfungsfrei benutzt werden. – Am Standort Nationalquai, dem Palacesteg, sind 10 Motorboote und 3 Segelboote verfügbar, die stundenweise oder bis zur Wochenmiete übernommen werden, aber nur von Personen, die sich über eine entsprechende Prüfung ausweisen können. – Das gewichtigste Standbein sind die SNG-Fahrgastschiffe. Das älteste Exemplar dieser Gattung auf dem Vierwaldstättersee ist das MS / Nicolas mit Baujahr 1900. Es ist zugelassen für 20 Personen und erstreckt sich in der Länge über alles auf 11.70 m und in der Breite über alles auf 2.10 m. Ferner sind zu erwähnen: MS / Spirit of Lucerne (1999, 130 Personen, 25.50 m x 6,05 m), MS / Dragon (1975, 150 Personen, 25.00 m x 5.90 m), MS / Lucerne (1963, 60 Personen, 24.10 m x 4,75 m), MS Seebär (1995, 84 Personen, 22.45 m x 6.00 m).

«Gute bis sehr gute Auslastung»
Im Fahrgastbereich habe die SNG besonders für Gruppentouristen aus aller Welt eine starke Stellung, betonte Plüss Es gehe auch um das Angebot von Spezialfahrten, wie z.B. bei Hochzeiten und Geburtstage sowie Vereins- und Firmenanlässe und den Einsatz von Weihnachtsschiffen im Dezember. Nicht vergessen seien die Dienstleistungen, welche die SNG mit ihrer Flotte das ganze Jahr leistet.
«Die Rundfahrten und Spezialfahrten der SNG wiesen auch letztes Jahr und während der bisherigen sieben Monate von 2015 eine gute bis sehr gute Auslastung aus», sagte Plüss. «Kundenspezifisch können wir eine breite Palette anbieten, von der eigentlichen Fahrt auf dem Vierwaldstättersee bis zum Catering durch unsere Partnerfirmen. Es kommt sogar durchschnittlich ein halbes Dutzend mal pro Jahr vor, dass eine Trauung durch den Kapitän auf ‹hoher See› gefeiert wird.»Roger Manzardo

MS/Dragon ist 1975 für eine Zulassung von 150 Personen gebaut worden. Bild SNG.

MS/Dragon ist 1975 für eine Zulassung von 150 Personen gebaut worden. Bild SNG.

Wichtiger Wasserweg im europäischen Transitverkehr

mo. Mit der Eröffnung der Schöllenenstrasse am Gotthardpass um 1231 setzte eine rege Handelstätigkeit zwischen Deutschland und Italien ein. Es konnte sich ein Handelsverkehr von europäischer Bedeutung entwickeln. Damit verbunden war auch die zunehmende Wichtigkeit des Wasserwegs, der bis anhin nur von lokaler Bedeutung war.

Die älteste Urkunde (Rechtsschrift) über das ursprüngliche Schifffahrtsverhältnis zwischen Luzern und Uri stammt vom 16. August 1357. Bei diesem Schiedsspruch von Beckenried muss es sich um die Seeknechte, bzw. die St. Niklausen Schiffleute der Vorgängerin der heutigen SNG gehandelt haben. Die Schiffleute waren damals «Ruder-Knechte» oder Taglöhner, die mit ihren Rudern auf dem Buckel am Schwanenplatz in Luzern um Arbeit nachsuchten.

In Luzern und in andern Ortschaften am See mussten nun Lagerhäuser, so genannte Susten gebaut werden. Die Bedeutung der strategischen Lage Luzerns stieg rasch an.

In der Gründungsurkunde der SNG vom 16. August 1357 werden die ursprünglichen Schifffahrtsverhältnisse zwischen Luzern und Uri festgehalten. Darin wurde bezeugt, dass die Luzerner in Flüelen ihre Schiffe beladen und die Waren («Koufmannschaften») wegfahren durften. Interessant war das damit verbundene Recht, Waren gebührenfrei wegzuführen. Es musste aber eine Taxe entrichtet werden auf diejenige Ware, die in Uri verkauft wurde. In andern Ortschaften wie Brunnen, Küssnacht und Alpnach galt diese Verpflichtung für die Schiffleute jedoch nicht. Die Urner ihrerseits genossen die gleichen Rechte in Luzern.

Der Schiedsspruch aus dem Jahre 1357 markierte auch den Anfang der monopolisierten Stellung Luzerns im Schiffsverkehr auf dem Vierwaldstättersee. Mit dem Sieg in der Schlacht bei Sempach verstärkte sich auch Luzerns politische Vormachtsstellung. Der Kornmarkt von Luzern war die grösste solcher Einrichtungen der Region und Hauptlieferant von Getreide für die Urkantone. Luzern nutzte diese Position dahingehend aus, dass es sich eigene Schiffe anschaffte, den Warentransport organisierte und das ganze Verkehrs- und Transportwesen über den See einem Schiffmeister unterstellte.

Die Vormachtstellung der Rechtsvorgängerin der St. Niklausen-Schiffgesellschaft bestätigte sich aufs Neue, als sie im 17. Jahrhundert das Postmonopol erhielt. Zweimal wöchentlich führte sie die Post über den See.
Was in den Annalen der SNG stets als Niklausen-Schiffleute oder Niklausen-Gesellschaft erscheint, nennt sich erst ab dem Jahre 1652 Bruderschaft. Diese Bruderschaft fügt sich ein in eine Reihe anderer Stiftungen, die ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts infolge der Gegenreformation und unter dem Einfluss der Jesuiten stark zunahmen. 75 Jahre später wurde die Stiftung aufs Neue bestätigt.

Mit dem Untergang des Ancien Régimes 1798 wechselte die Zuständigkeit für die Schifffahrt. Bis anhin war ein eigener Schiffmeister für die Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee und namentlich auch für den Warentransport zuständig. Dieser Schiffmeister war auch für das Einziehen der Sust- und Weggelder sowie der Durchgangszölle von sämtlichen Waren, ausser von Wein, Salz und Getreide, die auf dem Wasserweg den Luzerner Markt erreichten, verantwortlich. Es war die Scharnierstelle zwischen der Obrigkeit und den Schifffahrtsgesellschaften. Die Stellung des Schiffmeisters wird schon dadurch unterstrichen, dass dieses Amt nur durch einen Grossrat – im Ancien Régime bis 1798 fast ausschliesslich Patrizier – ausgeübt werden durfte. Heute ist das Bundesgesetz über die Binnenschifffahrt die verbindliche Richtschnur. Quelle: Viktor Giopp, «Chronik der SNG»