Rigi Anzeiger
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Umstrittener Kirchenverkauf kommt an die Urne

Buchrain-Perlen: Drei Kirchen gehören der Katholischen Pfarrei Perlen-Buchrain. Jene in Perlen soll für 1,2 Millionen Franken verkauft werden. Damit sind viele Dorfbewohner nicht einverstanden.

Kirche Perlen

cek. 1937 wurde die Kirche St. Joseph in Perlen gebaut und ein Jahr später mit seinen vier Glocken eingeweiht. 1942 bis 1945 malte der Tessiner Kunstmaler Pietro Chiesa im Inneren einen eindrücklichen Kreuzweg. 1966 wurde die Kirche saniert und 2010 deren Pfarrei durch Dekret des damaligen Bischofs Kurt Koch in die Pfarrei St. Agatha Buchrain-Perlen integriert. Nun sorgt die Kirche St. Joseph für landesweites Aufsehen, weil sie an die Serbisch-Orthodoxe Kirche Luzern verkauft werden soll. Darüber wurde die Bevölkerung erstmals im Herbst 2013 informiert. Zu den Gründen erklärte Kirchgemeindepräsident Peter Kaufmann zuerst in einem Brief und letzte Woche an einer Orientierungsversammlung mit anderen Kirchen-Vertretern: «Die pastoralen Bedürfnisse und auch die finanziellen Möglichkeiten der Katholischen Kirchgemeinde Buchrain-Perlen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Während das Angebot an Gottesdiensten wegen abnehmender Besucherzahlen einerseits, und fehlender SeelsorgerInnen andererseits, reduziert wurde, werden Angebote im Bereich des Alters, der Jugend, der Sozialberatung, stärker nachgefragt. Dadurch werden die sakralen Kirchenräume weniger genutzt, dafür vermehrt Räume für andere Veranstaltungen wie Gruppenzimmer, Jugendräume, etc. Dazu kommt, dass vorhandene Gebäude mit zunehmendem Alter mit hohen Kosten unterhalten oder saniert werden müssen.» In einer ersten Phase hat eine vom Kirchenrat eingesetzte Arbeitsgruppe zuerst Verhandlungen mit der Katholischen Migrantenseelsorge des Kantons Luzern geführt. Nachdem diese zu keinem Erfolg führten, verhandelte sie mit der Serbisch-Orthodoxen Kirche Luzern (SOK). «Dabei war es dem Kirchenrat ein wichtiges Anliegen, dass in Zukunft die Weiternutzung in bestimmten Bereichen für die katholischen Menschen der Pfarrei, der Kirchgemeinde und des Quartiervereins sichergestellt ist. Im Verlaufe der Verhandlungen hat der Kirchenrat entschieden, dass ein unverbautes Stück Land auf dem Grundstück von rund 1000 m2 im Besitze der Kirchgemeinde bleiben soll», führte Kaufmann aus. Nicht zum Verkauf steht der Friedhof. Dieser bleibt in der Zuständigkeit der Gemeinde Buchrain. Parkplätze seien keine geplant.

Kauf und Nutzungsvertrag
Bischofsvikar Ruedi Heim als Vertreter des Bistums, die dem Verkauf positiv gesinnt ist, äusserte an der Orientierungsversammlung zur Wahl der serbisch-orthodoxen Kirche: «Im Glauben sind wir ihnen sehr nah. Dragan Stanojevic, Pfarrer der Serbisch-Orthodoxen Kirche, betonte, dass die Kirche St. Joseph nicht einem anderen Zweck zugeführt werde. Er zeigte an der gut besuchten Orientierungsversammlung ein paar Anpassungen. Ganz werde der Perler Bevölkerung die Kirche nicht entzogen. An einigen Sonn- und Feiertagen könne die Pfarrei Perlen-Buchrain weiterhin Gottesdienste durchführen. Ausserdem solle die Kirche tagsüber allen zugänglich sein. Die bestehenden Jugendräume können auch weiterhin genutzt werden. Lediglich eine befriedigende Lösung für Parkplätze muss noch gefunden werden.

Zahlreiche Wortmeldungen
Viele der Anwesenden konnten sich mit dem Verkauf nicht anfreunden, schlugen gar die Vermietung der Kirche vor. Etliche Wortmeldungen stammten von Personen, die in Perlen aufgewachsen sind, ihre Kinder in der Kirche St. Joseph getauft oder sogar die Ehe hier geschlossen haben. Inzwischen haben sich einige Perler Dorfbewohner zusammen getan und ihre Gründe dargelegt, weshalb sie dem Verkauf der Kirche St. Joseph nicht anfreunden können (siehe Stellungsnahmen rechts).

Neu wird an der Urne abgestimmt
Kurz vor Redaktionsschluss teilte der Kirchenrat Buchrain-Perlen mit, dass er sich entschieden hat, an der Kirchgemeindeversammlung vom 26. November 2015 nur die detaillierte Beratung über den Verkauf des Pfarreizentrums St. Joseph in Perlen – wie dies auch traktandiert ist – zu führen. Die Schlussabstimmung werde jedoch an die Urne verlegt. Der Kirchenrat begründet diesen Entscheid damit, dass dieses wichtige Geschäft bei einem Urnengang breiter abgestützt ist und die Stimmbeteiligung um einiges höher sein dürfte. Als Abstimmungssonntag wurde der 24. Januar 2016 festgelegt.

Die Stellungsnahmen der Gegner
«Der Widerstand gegen den Verkauf der Kirche St. Joseph wurde bereits bei der ersten Publikation laut und wird mit jeder weiteren Ankündigung stärker. Die Kirche wurde von unseren Vorfahren für die Bevölkerung und kommenden Generationen von Perlen gebaut. Dafür haben die Dorfbevölkerung, alles Arbeiter der Papierfabrik, am eigenen Mund einen Betrag abgespart. Durch grosszügige Schenkungen und Spenden von Ärzten und Geschäftsinhabern wurde der Kirchenbau zusätzlich unterstützt. Kirchen werden nicht verkauft, um Geld in die eigenen Kassen fliessen zu lassen. Die Begründung das Geld für notwendige Ausgaben im Zentrum St. Agatha einzusetzen, bestätigt die Zweiklassengesellschaft statt Partnerschaft. Der Wille der Perler werde vom Kirchenrat ganz einfach ignoriert.»