Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Selbstversorgung als «Megatrend»

Root: Warum interessiert das Thema immer mehr Konsumenten? Wie vertragen sich Landwirtschaft mit Organisationen, die auf Selbstversorgung setzen? An der Podiumsdiskussion im D4 Business Village Luzern in Root vom Donnerstag der vergangenen Woche antworteten drei Experten.

Podiumsdiskussion im Rahmen des D4 Top Events zum Thema «Mega­trend Selbstversorgung» im D4 Business Village Luzern in Root. Bild ju

Podiumsdiskussion im Rahmen des D4 Top Events zum Thema «Mega­trend Selbstversorgung» im D4 Business Village Luzern in Root. Bild ju

ju. Gekonnt führte Moderator Dr. René Stettler nach der Vorstellung der Diskussionsteilnehmer durch das breit gefächerte Gespräch. Prof. Dr. Isidor Wallimann, Mitbegründer der Ökonomie Basel, ortet das verstärkte Interesse zum Lebensmittel unter anderem als einen Teil der Umweltbewegung. Das Thema Selbstversorgung – allerdings unter anderen Bedingungen – bewegte die Menschen bereits 1860–70. Als Daniel Gottlob Moritz Schreber, deutscher Arzt und Hochschullehrer das Modell, das heute seinen Namen trägt, in Deutschland, aber auch im übrigen Europa lancierte. Noch heute verfügen die Städte über zig Tausend dieser Freizeitgärten, in Basel sind es beispielsweise 5000.

Emigranten lancierten Selbstversorgung
«Urbaner Gartenbau trifft den Nerv der Zeit», sagt Dr. Monika Jäggi. Die Sozialgeographin und Wissenschaftsjournalistin berichtet aus eigener Erfahrung über die Anfänge und Weiterentwicklung von Urban Gardening, in Kanada. In Toronto – wo Jäggi zeitweise lebt – gibt es, im Gegensatz zur Schweiz, (noch) genügend Landreserven. Einwohner, aber vor allem die vielen Emigranten, können sich so aus ihren Gärten zum Teil selbst versorgen. Aktuell sollen auch – nach einem Verbot seit 1985 – wieder Hühner und Hähne erlaubt werden. «Die Menschen dort, sind ganz versessen, Eier von ihren eigenen Hühnern zu geniessen!»

«Lebensmittelproduktion wieder cool»
Christine Badertscher, Umweltingenieurin und Agronomin und Tochter eines Biobauers vertritt die Meinung des Schweizer Bauernverbandes. Dort leitet sie den Geschäftsbereich Agrarwirtschaft und engagiert sich kommunal in der Berner Gemeinde Madiswil. Sie befürwortet eindeutig die Tendenz nach eigener Gemüse- und Obstproduktion und sieht – jedenfalls in nächster Zeit – keine Konkurrenzsituation für die Schweizer Bauern. Es liege noch viel Potential im Boden, werden doch noch immer 45 Prozent des Bedarfs importiert. Positiv findet Badertscher, dass sich die Menschen mit der Nahrungsmittelproduktion und deren Schwierigkeiten wie Trockenheit oder Schädlingsbefall – auseinandersetzen. «Das kann das Einkaufsverhalten beeinflussen, die Saisonalität – die uns weitgehend abhanden gekommen ist – sensibilisieren.» Es sei doch schön, wenn die Leute «Lebensmittelproduktion wieder cool finden».
Beim reichhaltigen anschliessend offerierten Apéro nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit für rege Diskussionen und den Erfahrungsaustausch. Denn die Formen und Foren für Urbanen Gartenbau kennen kaum Grenzen: Pilzproduktion im «Untergrund», auf einer Ecke der Wiese ein paar Kohlköpfe, statt Park­rasen eine Blumenwiese, Kräutergarten auf dem Flachfach, um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen. Und wie sieht es in der Zentralschweiz aus?

Urban Gardening beim Neubad in Luzern. Bild zVg, Neugarten.ch

Urban Gardening beim Neubad in Luzern. Bild zVg, Neugarten.ch

Urban Gardening und -Farming regional
Der Neugarten an der Bireggstrasse 36, Luzern, geht mit seinem Setzlingsmarkt am Samstag, 15. April, 13–16 Uhr, in die vierte Runde (www.neugarten.ch). Seit kurzem hat die Kulturbar Ulkuturum an der Taubenhausstrasse in Luzern seine Tore mittwochs (Mittagstisch), Donnerstagnachmittag und Freitag- und Samstagabend wieder geöffnet (www.freieerde.ch). Dank «Luzern-blüht-auf» entwickelte sich in der Alterssiedlung Eichhof ein Gemeinschaftsgarten (dergemeindegarten.jimdo.com). Ebenfalls aktiv mit diversen Projekten ist www.permakultur.ch, basierend auf drei ethischen Grundlagen: Sorge für die Erde, Sorge für die Menschen, Teile gerecht und schränke dich ein. Sie setzt sich unter anderem ein für kleinräumige Landnutzung sowie ökologische und biologische Vielfalt. Permakultur lässt sich in der Architektur, auf dem Balkon, in Gärten, auf Bauernhöfen, in Schulen, Gemeinden oder Betrieben, selbst in ganzen Quartieren, anwenden.

Nächster D4 Top Event: www.d4business-village.ch