Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

VBL lanciert das Handy-Billett

Region: Ein Bus- oder Bahnbillett zu lösen war für Ungeübte noch nie einfach. Aber jetzt soll es plötzlich «bubi eifach» sein. Behaupten die VBL.

VBL-Direktor Norbert Schmassmann (links) und sein Stellvertreter Beat Nater präsentieren den neuen VBL-Service. Bild Niklaus Wächter

VBL-Direktor Norbert Schmassmann (links) und sein Stellvertreter Beat Nater präsentieren den neuen VBL-Service. Bild Niklaus Wächter

Um es gleich vorweg zu nehmen. Erfunden hats die VBL nicht. Aber sie hat nach den Verkehrsbetrieben im Baselbiet immerhin die Nase ganz vorn und präsentiert einen neuen Kundenservice, dessen flächendeckende Verbreitung in naher Zukunft absehbar ist. Es geht um überforderte Gelegenheitskunden. Jene Nutzer also, die vornehmlich aus einer akuten Notlage heraus die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Und bereits vor dem Billett-Automat die erste Nervenkrise überstehen müssen. Ihnen bieten die VBL jetzt eine App an, die sowohl auf iPhones und Co, als auch auf Android läuft. Der Marketingslogan «Bubi eifach» trifft insofern neben das Schwarze, weil die Grundvoraussetzung für diesen neuen Service eine Kreditkarte ist. Vorzugsweise die eigene. Und jede Menge Bubis – nebst allen anderen Jugendlichen – haben keine. Für Jugendliche mit eigenem Budget wird das System in einigen Monaten auf die Möglichkeit ausgedehnt, die Zeche über die Handyrechnung zu begleichen. Schon jetzt aber kann man beim Einrichten des Services grundsätzlich irgendeine Kreditkarte als Zahlungsmittel eingeben. Sofern die Nummer und das Ablaufdatum bekannt sind. Sofern Bubi schlau ist, ist es in der Tat „Bubi eifach“. Fragt sich bloss für wie lange …

Die Gratis App im RAZ-Test
Die neue Applikation «öV-Ticket» ist kostenlos und im App-Store und «Google Play Store» unter den Stichworten «ÖV Ticket» oder «VBL» zu finden. Mit ihr kann man Bahn- und Bus-Billette im gesamten Tarifverbund «Passepartout» in den Kantonen Luzern Ob- und Nidwalden lösen.

Einmal eingerichtet, ist der Billett-Automat im Smart-Phone einfach und praktisch. Der RigiAnzeiger hat die App getestet. Erster Befund des RAZ-Test: Der Service bedingt eine Standort-Ortung, in der Regel über GPS. Wird die App aktiviert, erkennt sie den Standort des Nutzers und kann schon mal den mutmasslichen Abfahrtsort definieren. Um den Zielort zu bestimmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die einfachste Wahl: Kurzstrecke. Bloss: Welcher Gelegenheits-Kunde weiss denn schon, was Kurzstrecke ist? Aber keine Bange: Man kann auch nach Ortschaften und Stationsnamen suchen und wählen. Zur Auswahl stehen sowohl Einzelfahrten als auch Tageskarten, für eine oder mehrere Personen, mit oder ohne Halbtax-Abo, 1. oder 2. Klasse. Nach einem Klick wird das Billett auf dem Bildschirm dargestellt.

100’000 Billettverkäufe erhofft
Und es muss grün sein, wenn der Kontrolleur kommt. Das Handy-Billett muss wie beim Automaten auch, erst unmittelbar vor der Abfahrt gelöst werden. Denn wenn die Gültigkeitsdauer überschritten wird – und das ist bei Kurzstrecke nach nur 30 Minuten der Fall – wird das Bildschirm-Billett rot. Damit sieht auch der Kontrolleur rot. Wenn man auf die Idee käme, das Billett erst dann zu lösen, wenn ein Kontrolleur am Horizont auftaucht, ist das dank der Zügigkeit des Vorganges gut zu schaffen. Aber vorsichtshalber ist die «Ausstellzeit» auf dem Display sehr gut sichtbar. Auch für den Kontrolleur. Für skrupellose Sparer kein Problem: Sie verstellen einfach die Systemzeit ihres Smart-Phones. Keine gute Idee: Denn in diesem Fall färbt sich das Bildschirm-Ticket orange. Die VBL als Entwicklerin des neuen Billet-Apps haben also an so manches gedacht. Und rund 100’000 Franken in den neuen Kundendienst investiert. «Wir hoffen im laufenden Jahr mindestens 100’000 Billette damit abzusetzen», verrät Beat Nater, Leiter Betrieb und Markt bei den VBL. Wenn man in Betracht zieht, dass nur schon ein Kurzstrecken-Billett für Gelegenheitskunden ohne Halbtax-Abo Fr. 2.50 kostet, ist das keine schlechte Rendite. Text & Bild Niklaus Wächter