Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Verdauen statt versauen

Pro Jahr werfen wir in der Schweiz rund zwei Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel aus privaten Haushaltungen weg. Hinzu kommen mehrere hunderttausend Tonnen aus Kantinen und Restaurationsbetrieben und der Lebensmittel verarbeitenden Industrie.

Felix von WartburgDas macht pro Kopf der Bevölkerung im Schnitt fast ein Kilogramm pro Tag. Abfälle aus Gastrobetrieben wurden früher oft als Schweinefutter verwendet. Das ist seit dem 1. Juli vergangenen Jahres in der Schweiz und in ganz Europa verboten. Wohin also mit den vielen Essensresten?
Am besten ist, man lässt Essenreste gar nicht erst entstehen. Die Luzerner Hotel Direktorin Brigitte Heller vom «Monopol» und «Alpina» hat im vergangenen Jahr für weltweite Schlagzeilen gesorgt, als sie beschloss, ihren Gästen zu empfehlen, nur so viel vom Buffet zu schöpfen, wie sie auch wirklich essen können. Zur Visualisierung verwendete sie Tisch-Steller mit Fotos von hungernden Kindern. Auch wenn hungernde Kinder damit nicht ernährt werden können, ihre Aktion hatte Erfolg. Der «Food-Waste» – wie der Fachbegriff heisst – ist in ihren Hotels markant zurück gegangen. Deshalb wollen viele Hotels auf der ganzen Welt ihrem Beispiel folgen. Schön wäre, wenn auch mehr Restaurants diesem Beispiel folgen und L-, M- und S-Portionen anbieten würden. Immer mehr Menschen bringen ein ganzes Menü schlicht nicht hinunter.
Rund die Hälfte der Lebensmittel-Verschwendung fallen aber in Privathaushalten an. Das hat viele Gründe: Mit sieben Prozent der Haushaltausgaben für Nahrung sind die Lebensmittelpreise so tief wie nie zuvor. Mit den aufgedruckten Verfalldaten nehmen es viele Konsumenten viel zu genau. Auch Aktionen können gefährlich sein. Da wird oft zugelangt, weil ein Schnäppchenpreis lockt. Doch die Hälfte wandert dann oft unangetastet in der Grünabfuhr oder im Kehricht. Die Verpackungen sind oft zu gross. In der Schweiz leben 1,3 Mio. Menschen in Einzelhaushalten. Offenverkauf ist für sie die bessere Lösung, oder wo sich die Möglichkeit bietet, das Einkaufen auf dem Markt oder direkt beim Bauern.
Das Problem mit der Lebensmittel-Verschwendung ist erkannt und beschäftigt mittlerweile auch den Schweizer Bundesrat. Mehrere internationale Institute sammeln Daten und Fakten und errechnen die globalen ökologischen, ökonomischen, sozialen und gesundheitlichen Folgekosten. Die Zahlen, die dabei herauskommen sind nicht schön. Es geht um Milliardensummen. Lassen Sie es mich mit Frau Merkel sagen: «Das schaffen wir!»
Felix von Wartburg, Chefredaktor