Rigi Anzeiger
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Verdruss mit Gasthaus Berggenuss

Rigi-Gasthaus auf 1604 m.ü.M. ist seit anderthalb Jahren geschlossen

Schöner könnte der Ausblick auf die Alpenkette im Süden und über das Flachland im Norden nicht sein. Trotzdem findet sich kein Käufer für das Gasthaus «Rigis Berggenuss» auf Rigi-Staffel. Schon seit November 2011 herrscht hier anhaltender «Saisonschluss». Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Historisch bejubelte Sonnenaufgänge, qualmende Bergbahn-Loks, ein unschlagbares Rundum-Panorama und mehr als 100 km Wanderwege treffen offenbar den Geschmack der klassischen Rigi-Ausflügler weit besser als kulinarische Gipfelstürme. Mit letzteren ist der deutsche Unternehmer Peter Werner auf der Rigi per November 2011 grandios gescheitert.

Er hat keine drei Jahre zuvor Millionen in die Totalsanierung des Gastronomiebereichs des Rigi-Berggasthauses «Staffel Stübli» an schönster Aussichtslage investiert, verpasste dem früheren «Staffel-Stübli», den vielversprechenden Namen «Rigis Berggenuss» und setzte seine unternehmerischen Akzente auf Unterkunft mit traumhaftem Ausblick und «lecker essen». Zu den drei zum Gasthaus gehörenden Hotelzimmern kaufte er noch weitere im Haus verfügbare Eigentumswohnungen dazu. Nach knapp drei Jahren dann die Aufgabe.

Das Berggasthaus Staffel-Stuebli
Früher hiess das Gasthaus «Staffel-Stübli» und schon damals wechselten die Betreiber in rascher Abfolge.

«Leider hat sich gezeigt, dass ein Grossteil der Besucher auf der Rigi wenig Interesse und vor allem Zeit mitbringt, um richtig zu entspannen und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. Die exponierte Lage schränkt den Betrieb zusätzlich ein. Da auch wir ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen sind, mussten wir uns dazu entschliessen die Sommersaison 2011 zu beenden. Ein neuer Betreiber ist zur Zeit noch nicht gefunden», ist unter dem Titel «Saisonpause» auf der Website von «Rigis Berggenuss» zu lesen.

Und zwar schon seit bald anderthalb Jahren. Denn offenbar ist ein neuer Betreiber noch immer nicht gefunden. Und das, obschon der gründlich sanierte Gastrobetrieb von der Einrichtung bis zur Website und grosser Internetpräsenz jederzeit bereit für einen Kaltstart wäre. «Der neue Besitzer könnte sofort loslegen», versichert Makler Xaver Stocker von Engel&Völkers, Luzern. Und legt Wert auf die Feststellung, dass man an einem Käufer interessiert sei, der das Berggasthaus auch selbst bewirtschaftet. Wie das auch Peter Werner mit viel finanziellem und persönlichem Einsatz getan hat. «Er hat die Sache wohl unterschätzt. Wenn unten Nebel und die Rigi in der Sonne liegt, fahren zweitausend Leute hoch. Wenn oben Nebel liegt, kein einziger», schildert ein ehemaliger Wohnungsbesitzer. Er kann sich an alte Zeiten erinnern, in denen es dem Staffel-Stübli mehr schlecht als recht ging. Ein Wirt löste den anderen ab. Und nicht alle hinterliessen zufriedene Gäste. «Das Gasthaus hat eine bewegte Geschichte», fasst der Zeitzeuge zusammen. Doch Peter Werner habe soviel investiert wie kein anderer. «Er hat wirklich bis ins Detail ganze Arbeit geleistet», attestiert ihm der Wohnungsbesitzer. Er hat seine Wohnung, wie andere Wohnungsbesitzer auch, wegen Nichtgebrauch im Jahre 2010 dem deutschen Unternehmer verkauft.

Hotelbetrieb angestrebt
Werner hat versucht, alle 20 Eigentumswohnungen im Hause zu erwerben und damit ein Hotel zu realisieren. Das ist ihm nicht gelungen. Schlimmer noch: Die verbliebenen Wohnungsbesitzer haben vor Kantonsgericht erstritten, dass Werner die bereits erworbenen Wohnungen nicht als Hotelzimmer nutzen darf. Diese Meuterei in der Liegenschaft, die zu zwei Drittel im Besitz von Peter Werner ist, hat dem deutschen Unternehmer den Rest gegeben. Aus dem Berggenuss wurde unerträglicher Bergverdruss: Peter Werner machte sein Gasthaus dicht.

Seit November 2011 wartet das Berg-gasthaus Rigis Berggenuss nun auf einen neuen Besitzer und Betreiber, der bereit und in der Lage ist, 6,2 Millionen Franken für das Restaurant, die drei Hotelzimmer und die sieben Eigentumswohnungen an traumhafter Aussichtslage zu bezahlen. «Es gibt Interessenten», beeilt sich Makler Xaver Stocker zu versichern. Und: «Der Preis entspricht dem Gegenwert».


Ein Blick in den Verkaufsprospekt zeigt stimmungsvolle Ein- und Ausblicke.

Rigi-Bahnen bedauern
Bis jetzt ist aber kein Verkauf zustande gekommen. Sehr zum Verdruss der Rigi-Bahnen. «Es ist immer schlecht, wenn Gasthäuser in einem Ausflugsgebiet geschlossen sind», findet Rigi-Bahnen-Direktor Peter Pfenniger. In diesem Falle fehle das Gasthaus Berggenuss besonders in der Wintersaison. «Weil es sich in unmittelbarer Nähe des Kinderskiliftes befindet», begründet er. Der Gedanke, den Gastronomiebetrieb selbst zu übernehmen, sei bei den Rigi-Bahnen auch schon aufgekommen. «Doch zum einen ist es nicht gut, seine Kräfte zu verzetteln – und wir sind nun mal ein Bahnbetrieb und kein Gastrounternehmen – und zum anderen betreiben wir auf Rigi-Staffel bereits mit dem Restaurant Bahnhöfli auf Rigi-Staffel und dem benachbarten Rigi-Eventzelt bereits zwei Restaurationsbetriebe», wehrt Pfenniger ab. Ja braucht es denn bei diesem gastfreundlichen Umfeld überhaupt noch einen dritten Gastroanbieter auf Rigi-Staffel? «Ja», findet der Rigi-Bahnen-Direktor. Denn jeder Anbieter spreche eine andere Kundschaft an.