Rigi Anzeiger
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«Vernünftige Entwicklung auf der Rigi»

Rigi: Mit der Petition «Nein! zu Rigi Disney-World» stehen die Rigi Bahnen zurzeit im Fokus. Im nachfolgenden Interview sagt CEO Stefan Otz, wie die Rigi Bahnen einen vernünftigen und der Natur angepassten Ausbau anstreben. Alle Interessierten könnten sich zudem an der Aktienkapitalerhöhung beteiligen und an und auf der Rigi direkter mitbestimmen.

Stefan Otz, CEO der Rigi Bahnen AG, findet die aktuellen Diskussionen spannend. Bild Markus Kretz

Stefan Otz, CEO der Rigi Bahnen AG, findet die aktuellen Diskussionen spannend. Bild Markus Kretz

Stefan Otz, Sie sind nun über ein Jahr CEO der Rigi Bahnen AG? Wie sieht Ihr Rückblick aus?
Es macht viel Freude und ist spannend für unsere Gäste, die Mitarbeitenden und die Menschen auf der Rigi zu arbeiten. Ich habe mir eine Übersicht verschafft und viele Gespräche mit Personen an und auf der Rigi geführt. Meine Aufgabe ist es, die Rigi Bahnen AG operativ zu leiten. Zurzeit befinden wir uns im Prozess der Umsetzung unseres mehrjährigen Masterplanes. Es ist mir eine Ehre und Verpflichtung zugleich, die erste Bergbahn Europas an der Rigi in die Zukunft zu führen.

Im Juli 2016 wurde der Masterplan vorgestellt, der insbesondere die Entwicklung der Rigi, der Bahnen und Betriebe für die Zukunft aufzeigt. Können Sie uns die Eckpfeiler des Masterplanes aufzeigen?
Der Masterplan besteht aus einem Pflicht- und einem Kürteil. Ersterer beinhaltet die Erneuerung des Rollmaterials, die Gästeankunft Kulm und die Verbesserung der Qualität und Dienstleistungen am Gast. Alleine für die Erneuerung des Rollmaterials werden 30 Millionen Franken investiert. Diese Investition ist zwingend nötig. Im Kürteil wird aufgezeigt, welche Entwicklungen darüber hinaus möglich sind. Es ist aber noch völlig offen, was konkret realisiert wird. Er beinhaltet Visionen, jedoch noch keine definitiven Bauprojekte. Auch zu diesen Visionen muss man sagen: Wir bauen nichts Neues, sondern tätigen Ersatzinvestitionen. Beispielsweise könnte anstelle des Eventzeltes auf Rigi Staffel eine Alpkultur in Form einer Holzkonstruktion realisiert werden. Die Rigi Bahnen sind nicht in der Lage alle Ersatzinvestitionen auf einmal zu tätigen. Wir können nur Schritt für Schritt das Machbare umsetzen. Dafür bereiten wir uns gegenwärtig mit einer Aktienkapitalerhöhung vor. Alle Interessierten können Teil der Rigi werden.

Zielt der Masterplan nur auf den Tourismus ab, oder werden auch die Einheimischen beziehungsweise die Schweizer berücksichtigt?
Der Begriff «Tourismus» schliesst selbstverständlich auch all die vielen Tagesausflüge von Herrn und Frau Schweizer ein. Die Rigi ist ein Berg für alle. 70 Prozent der Gäste stammen aus dem Inland. Die Rigi ist der beliebteste Berg-Ausflug der Schweizer. Dem wollen und sollen wir immer Rechnung tragen. Unser Ziel ist, dass wir künftig zwei Drittel Schweizer und ein Drittel Gäste aus dem internationalen Raum bei uns begrüssen dürften. Der Masterplan sieht keine spezifischen Angebote für internationale Gäste vor. Die Rigi ist ein Berg für alle!

Erhält im Masterplan nur die wirtschaftliche Nachhaltigkeit Gewicht oder sind auch ökologische Aspekte in Betracht gezogen worden, wie dies die Nachhaltigkeits-Charta des Schweizer Tourismus sowie die Vierwaldstättersee-Charta des Landschaftsverbundes Vierwaldstättersee beinhalten?
Die Nachhaltigkeits-Charta des Schweizer Tourismus, die ich übrigens als einstiger Tourismusdirektor von Interlaken mitunterzeichnet habe, ist auf drei Säulen aufgebaut: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Jedem dieser drei Aspekte wird im Masterplan Rechnung getragen: Ersatzbauten werden nur im Einklang mit der Natur realisiert. Die Rigi muss hauptsächlich ein Erholungsgebiet auch mit ruhigen Zonen bleiben. Der soziale Frieden am Berg ist uns sehr wichtig. Die Rigi Bahnen brauchen aber eine finanzielle Entwicklung zwecks Substanzerhalt.

Bereits über 2000 Unterschriften konnte René Stettler für seine Online-Petition «Nein! zu Rigi-Disney World» sammeln. Macht Ihnen das Angst?
Nein. Die Petition können wir absolut unterzeichnen, denn sie widerspricht in keiner Weise den Inhalten des Masterplans. Wir begrüssen alle Diskussionen, die eine Entwicklung am und auf dem Berg voranbringen.

Stimmt der Inhalt des einleitenden Textes der Petition?
Er zielt auf die Erlebnisräume ab, die im Masterplan detailliert aufgeführt sind. Dazu haben wir keine Einwände. Aber wie gesagt: Es ist noch völlig offen, was davon wie realisiert wird.

Die erste Forderung der Petition lautet, dass die Akteurinnen und Akteure auf dem Berg und die Besucherinnen und Besucher in geeigneter Weise (Mitwirkungsverfahren) in die Weiterentwicklung der Rigi einbezogen werden. Wurde das bisher nicht getan?
Im Gegenteil. Uns ist der Einbezug der Akteure und der Dialog wichtig. Bei der Ausarbeitung des Masterplanes waren nebst den Rigi Bahnen, die Rigi Plus, Pro Rigi und IG Rigi involviert. Diese Organisationen dienen als Sammelbecken der verschiedenen Interessen am Berg. Insofern haben wir sicherlich die relevanten Vereinigungen berücksichtigt. Wir sind uns aber bewusst, dass der Dialog weitergeführt werden muss. Wir sind deshalb froh um den Runden Tisch, der im November mit den Akteuren stattfindet. Man kann als Interessierte überall hier mitmachen und mitdiskutieren. Wer übrigens Aktionär der Rigi Bahnen AG ist, kann das noch viel direkter tun.

Die lokale Bevölkerung fühlt sich mit der Rigi verbunden, sieht sich jedoch sehr oft vom Tourismus überrollt. Wie schenkt die Rigi Bahnen AG den Einheimischen auch Beachtung?
Seit einem Jahr laden wir die Bewohner der Standortgemeinden Goldau, Vitznau und Weggis zu kostenlosen Sonderfahrten ein und bedanken uns so für ihre Gastfreundschaft. Einheimische kommen bei den Rigi Bahnen auch in den Genuss von ermässigten Fahrpreisen. Bei relevanten Projekten, wie zum Beispiel Ersatz Luftseilbahn Weggis-Kaltbad, finden Informationsveranstaltungen statt. Ganz allgemein haben wir unsere Kommunikation verstärkt. Wir reden nicht nur, wir hören auch sehr genau zu.

Am 21. November wird es einen runden Tisch geben. Wer ist hier alles dabei?
Die IG Rigi hat diesen runden Tisch einberufen. Dann dürften alle Exponenten der Organisationen wie RigiPlus AG, Rigi Bahnen und Pro Rigi, sowie die Kritiker des Masterplanes dabei sein.

Was erhoffen Sie sich von diesem runden Tisch?
Wichtig ist, dass wir im Dialog mit allen Akteuren bleiben. Ich erwarte eine klare Auslegeordnung, eine gemeinsame definierte Haltung sowie ein gemeinsames Verständnis über die nahe und weitere Zukunft auf der Rigi.

Wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?
Ich finde die aktuellen Diskussionen spannend. Als CEO ist man das Gesicht und die Stimme der Unternehmung und trägt Verantwortung. Mühe habe ich nur dann, wenn der Dialog verweigert wird und persönliche Angriffe stattfinden. Aber das gilt es auszuhalten. Ich bin an einer sachlichen Auseinandersetzung interessiert – zusammen wollen wir weiter kommen.

Interview Claudia Surek