Rigi Anzeiger
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Viel auf dem Spiel für Adligenswil

Gemeindeversammlung könnte sich über zwei Tage hinziehen

Am kommenden Dienstag beraten die Adligenswiler an ihrer Gemeindeversammlung über die Gesamtrevision der Ortsplanung. Das wird viel zu reden geben. Auch wegen der 25 hängigen Einsprachen. Trotz Versammlungsbeginn um 18.30 Uhr zieht der Gemeinderat die Möglichkeit einer Fortsetzung am Folgetag in Betracht.

Ortsplanung Adligenswil
Die Konzeptkarte aus der Botschaft zur öffentlichen Auflage zeigt den IST-Zustand und die Konzeptinhalte für die drei Themenbereiche Siedlung, Verkehr und Landschaft. 

 

Demokratie in Adligenswil als Geduldsprobe. Diesmal erfordert sie wohl ein besonders dickes Sitzleder. Es geht um die Sicherstellung des allgemeinen Wohlstandes durch die Schaffung von neuem Baupotential und Wohnraum. Die Steuereinnahmen und die Bevölkerungszahlen befinden sich im Sinkflug. Mit einer kürzlich beschlossenen Steuererhöhung, soll eine Verschuldung verhindert werden. Und mit Baumöglichkeiten glaubt man die Attraktivität der Luzerner Vorortsgemeinde für potente Neuzuzüger steigern zu können. Vor allem aber spülen Landverkäufe und Bautätigkeit ebenso wie Neuzuzüger Geld in die darbende Gemeindekasse. Schon an der Gemeindeversammlung bei der es um die Steuereinnahmen ging, hatten Gemeinderat und Gemeindepräsidentin wiederholt und eindringlich an die Versammlungsteilnehmer appelliert, unbedingt an der Versammlung vom 14. Januar teilzunehmen und die Gesamtrevision der Ortsplanung gutzuheissen.

Optimistische Planung

Nach den gemeinderätlichen Berechnungen weist der aktuelle Zonenplan aus dem Jahr 1996 mit nachträglichen Änderungen und Ergänzungen eine theoretische Kapazität für ca. 5720 Einwohner auf. Doch die Bevölkerungszahl hat 2012 mit 5485 Einwohner ihren Zenit überschritten und ist seither am Sinken. Trotzdem rechnet der Gemeinderat mit einem jährlichen Bevölkerungswachstum von 45 bis 55 Einwohnern. Womit sich die Einwohnerzahl in 15 Jahren zwischen 6000 bis 6200 Einwohner bewegen würde. Mit den vorgesehenen Revisionen soll eine Kapazität für ca. 6320 Einwohner erreicht werden. Für die Revision der Ortsplanung rührt der Gemeinderat deshalb mit grosser Kelle an. Sechs Gebiete werden neu in Wohnzonen mit Konzept- und Gestaltungsplanpflicht eingezont. Zwei weitere Gebiete in Wohnzonen ohne Konzeptpflicht. Und zwei weitere in Arbeitszonen mit Wohnanteil. Acht Gebiete werden umgezont. Darunter ein Einzelobjekt in von der 3-geschossigen Wohnzone in die Sonderbauzone Kulturobjekte und ein Areal wird von der Wohnzone in die Landwirtschaftszone umgezont. Dazu kommen Um-, Ein- und Auszonungen für Sport- und Freizeitanlagen, Naturschutz, Grünstrukturen, Landwirtschaft und Landschaftsschutz. Insgesamt sind im Neukonzept 25 verschiedene Zonen – von der 2-geschossigen «Wohnzone Chliäbnet» bis zur «Ortsbildschutzzone Dottenberg» aufgelistet.

25 Einsprachen noch offen

Die Erläuterung zur Revision erstrecken sich über ganze 38 Seiten im A4 Format. Dazu kommen zwei Planauflagen im A3-Format. Der Versammlungsteilnehmer sind aufgerufen, die 405 Gramm Infos, die an alle Haushaltungen verteilt wurden, zur Versammlung mitzubringen. Der Publikation sind viereinhalbjährige, aufwändige Vorarbeiten und Vorabklärungen vorangegangen. Die Grundlage dafür haben die Adligenswiler Stimmbürger im Mai 2009 mit der Genehmigung eines Sonderkredites für die Gesamtrevision der Ortsplanung gelegt. Im Frühsommer 2012 waren die Bevölkerung, Grundeigentümer, Parteien und weitere Kreise eingeladen, Anregungen einzureichen. Parallel dazu fand die erste kantonale Vorprüfung statt. Der Entwurf wurde dabei als recht- und zweckmässig befunden.

Während der öffentlichen Auflage gingen insgesamt 70 Einsprachen und Eingaben mit teilweise mehreren Anträgen ein. Aufgrund der Einspracheverhandlungen wurden mehrere Änderung vorgenommen. Von den insgesamt 66 Einsprachen, die den Zonenplan und das Bau- und Zonenreglement (BZR) betreffen, konnten 25 nicht geregelt werden. Sie enthalten teilweise mehrere Anträge und vertreten laut Bauvorsteher Markus Sigrist vor allem «Partikularinteressen».

Beginn um 18.30 Uhr

Acht der Einsprachen betreffen die Einzonung des Gebietes «Chliäbnet» in die zweigeschossige Wohnzone mit Gestaltungsplanpflicht. Im Vorfeld der Abstimmung hat zudem eine Interessengemeinschaft die Haushaltungen in Adligenswil mit einem Flugblatt eingedeckt, auf dem sie zur Beibehaltung der bisherigen Ausnützungsziffer im Quartier «Under Buggenacher» aufruft, um so den Bau von Wohnblöcken zu verhindern. Lebhafter Konflikt an der Gemeindeversammlung ist also vorprogrammiert. Die Dauer von Gemeindeversammlungen in Adligenswil ist legendär. Deshalb wurde der Beginn der bevorstehenden am kommenden Dienstag im Zentrum Teufmatt bereits auf 18.30 Uhr festgelegt. Dass auch der Beginn der allfälligen Fortsetzung auf diese frühe Abendstunde festgelegt wurde zeigt, dass der Adligenswiler Gemeinderat mit allem rechnet. Aber nicht damit, dass die Gesamtrevision scheitert. Denn in diesem Falle würde es im Zusammenhang mit dem neuen kantonalen Raumplanungsgesetz, das im kommenden Frühjahr in Kraft tritt, zu einer mehrjährigen Zwangspause kommen, bis ein nächster Anlauf möglich wird.