Rigi Anzeiger
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Viel Lärm um den Lärmschutz

Orientierungsversammlung zu Verkehr und Lärmschutz in Meggen

Wie viel Lärmschutz darfs denn sein? 220 Interessierte fanden sich zur Infoversammlung ein. Anschauliche Informationen, ein lebhaftes Podiumsgespräch und engagierte Voten aus der Reihe der Versammlungsteilnehmenden. Noch ist nichts so sicher wie das Amen in der Kirche.

Verkehr und Lärmschutz auf Gemeindestrassen. Das waren die beiden traktandierten Themen der Orientierungsversammlung vom Montag, 25. Februar 2013. Doch der Lärmschutz brannte unter den Nägeln. Warum? Zur Diskussion stand die Frage, ob auf Durchgangsstrassen, wie der Adligenswiler- und der Kreuzbuchstrasse, Tempo 30 eingeführt werden soll. Oder ob mit einem Flüsterbelag – ein Belag kann nicht flüstern, präzisierte eine kantonale Fachperson, sondern das seien lärmvermindernde Beläge – die geforderten Immissionsgrenzwerte bei einem Gebäude erreicht werden können. Oder ob Lärmschutzwände zu errichten oder Schallschutzfenster einzubauen seien. Alle Massnahmen müssen auf ihre Notwendigkeit, Zweckmässigkeit und Verhältnismässigkeit geprüft werden. Doch der Reihe nach.

Gemeindepräsident Urs Brücker führte mit ein paar Gedanken zur heutigen Mobilität in den Abend ein. HansPeter Hürlimann, Gemeindeammann, erläuterte anschliessend anhand von Bildern und Grafiken den Verkehrsrichtplan der Gemeinde Meggen, das heutige Grundkonzept Tempo 50 auf Kantons- und Durchgangsstrassen, Tempo 30 auf Quartierstrassen sowie das generelle kantonale Verkehrsmodell, das pro Jahr mit 1,5 Prozent mehr Verkehr rechnet. Meggen liess zusätzlich im Rahmen der Ortsplanung 2009 eine Studie «TEAMverkehr» erstellen, worin eine Kapazitätsbeurteilung für die Gemeindestrassen bis ins Jahr 2030 vorgenommen wurde unter Berücksichtigung von neuen Siedlungsentwicklungsgebieten oder von Autobahnanschlüssen. So wurde beispielsweise für die Adligenswilerstrasse eine Zunahme von 2000 Fahrzeugen pro Tag im Jahr 2005 auf 3400 Fahrzeugen pro Tag im Jahr 2030 errechnet.

«Die gesetzlichen Grundlagen für den Lärmschutz bilden das Raumplanungsgesetz (RPG), das Bundesgesetz über den Umweltschutz (USG) und die eidgenössische Lärmschutzverordnung (LSV)», hielt Gemeindeammann Hürlimann fest. «Die Gemeinde hat die Aufgabe, dass ihre Anlagen (Strassen) saniert werden, sofern sie wegen Überschreitung der Immissionsgrenzwerte den gesetzlichen Vorschriften nicht genügen. Die Umsetzung hat bis 31.März 2018 zu erfolgen. Der Kanton hat für den Lärmschutz einen Projektablauf definiert. Von einem Fachbüro ist für unsere Gemeindestrassen ein Lärmsanierungsprojekt erstellt worden. Heute stehen wir in der Phase der Vernehmlassung.»

Und dann folgte die Präsentation der Lärmschutzprojekte für die Kreuzbuch- und Adligenswilerstrasse; denn diese beiden Gemeindestrassen weisen – natürlich abgesehen von der Kantonsstrasse durch das Dorf – kritische Immissionswerte auf. Allerdings in einem grösseren Ausmass erst für das Jahr 2030. Alarmwerte werden gemäss Gutachten auch in rund 20 Jahren nirgends erreicht.

Fachfrau Elvira Dönni von der Metron Verkehrsplanung AG erläuterte anhand eines Situationsplans die Erkenntnisse und Ergebnisse für die kürzlich sanierte Kreuzbuchstrasse. Zur Verblüffung der Anwesenden schlug sie vor, auf zwei Abschnitten der Strasse Tempo 30 einzuführen, dazwischen aber wieder auf wenigen hundert Metern Tempo 50. Gemurmel und leises Gelächter waren im Saal zu vernehmen. Auf der Adligenswilerstrasse sollte zur Einhaltung der Immissionsgrenzwerte über eine längere Strecke Tempo 30 gelten.

Beim Podiumsgespräch, lebhaft moderiert von Rolf Wespe, Journalist und ehemaliger Leiter Kommunikation des Bundesamtes für Umwelt, erhielt Heinz Müller von der Interessengemeinschaft Verkehrsberuhigung Meggen das Wort: «Was lange währt, wird endlich gut. Der neue Gemeindeammann bringt in die verfahrene Situation endlich eine gerade Linie hinein. Es sind für den Lärmschutz Massnahmen an der Quelle zu treffen: Tempo 30 und ein Lastwagenfahrverbot. Es ist bedauerlich, dass die Lärmschutzberichte unter Verschluss gehalten werden.» Olivier Class, Präsident des Quartiervereins Vordermeggen-Oberland, meinte: «Der Lärm auf der Kreuzbuchstrasse war und ist bei uns im Verein bisher kein grosses Thema. Rund Zweidrittel der Befragten sprachen sich in einer früheren Erhebung wie auch jetzt wieder für Tempo 50 aus. Ein anderes Thema ist die Sicherheit. Die Sicherheit auf der ganzen Kreuzbuchstrasse muss gewährleistet sein.» Und er stellte die Fragen in den Raum: «Muss die Gemeinde Meggen als erste solche Sanierungsprojekte aufgleisen? Haben wir nicht noch wichtigere Themen zu lösen?»

Die Vertreter des Kantons, Patrick Schaller, Dienststelle Umwelt und Energie und Andreas Heller, Dienststelle für Verkehr und Infrastruktur wiesen klar darauf hin, dass bei Sanierungsprojekten alle möglichen Massnahmen auf ihre Zweckmässig- und Verhältnismässigkeit geprüft werden müssten. Sie geben zu bedenken, dass Tempo 30 nur in Verbindung mit baulichen Massnahmen zum Tragen komme. Eingangstore und Einengungen des Strassenraumes seien eine Notwendigkeit. «Selbsterklärende Strassen» heisst das neue Schlagwort. Strassen sollen durch ihre prägende Raumgestaltung das Fahrverhalten beeinflussen und die Verkehrssicherheit wesentlich erhöhen. Doch auch Verkehrsberuhigungsmassnahmen hätten ihre Tücken könnten durch den «Stop-and-go-Verkehr» zusätzlichen Lärm verursachen, vor allem in Strassen mit Steigungen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Gemeinderat mit der Thematik Lärmschutz auch nach dieser Orientierungsversammlung vor schwierigen Entscheiden steht. Einig ist man sich darüber, dass der Verkehrssicherheit, der Sicherheit für die Kinder auf dem Schulweg grosse Beachtung geschenkt werden muss. Und Nutzen und Kosten müssen auch in Meggen in einem vernünftigen Verhältnis stehen.

Neuere Überbauungen an der Adligenswilerstrasse sind bereits heute durch Lärmschutzwände geschützt.

Neuere Überbauungen an der Adligenswilerstrasse sind bereits heute durch Lärmschutzwände geschützt.