Rigi Anzeiger
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«Viele 16jährige interessieren sich für die Politik»

Zweiradmechaniker-Lernender aus Buchrain reicht Petition ein

Der knapp 18jährige Kilian Zobrist aus Buchrain interessiert sich für die Politik. Im Rahmen seiner schriftlichen Vertiefungsarbeit, die zugleich die Abschlussarbeit darstellt, befasste sich der angehende Zweiradmechaniker mit der Petition und reichte eine solche zum Stimmalter 16 bei der Staatskanzlei ein. Noch wartet er auf eine Reaktion.

Kilian Zobrist, wie kamen Sie auf das Thema Petition?

Ich wollte nicht nur eine schriftliche Arbeit verfassen, sondern auch etwas mit ihr erreichen. Die Petition ist die einzige Möglichkeit, die nichts kostet.

Ab welchem Alter zeigten Sie an der Politik Interesse und woher stammt dieses?

Ich war 13/14 Jahre alt, da interessierte mich eine Vorlage, die in Buchrain zur Abstimmung kam: Es ging um den Sonderkredit von rund drei Millionen Franken für flankierende Massnahmen der Dorfdurchfahrt.

Tauschen Sie sich mit ihren Eltern und Kollegen über politische Themen aus?

Mit meinen Eltern kann ich über alle Themen diskutieren, auch wenn wir gegenteiliger Meinung sind. Mit meinen Freunden eher weniger, denn sie wissen, dass ich meine Meinung durchsetzen will. Deshalb fangen sie schon gar nicht an, mit mir zu politisieren. (lacht!)

Möchten Sie sich einer Partei anschliessen und selber einmal in der Politik mitwirken?

Die SP ist mir sehr sympathisch, ihre Meinungen – wenn auch nicht alle – gefallen mir. Ich bezeichne mich als sozialen Menschen. Eine Mitwirkung in der Politik – ich meine als Berufspolitiker – kommt für mich in Frage, wenn ich älter bin.

Wie denken Sie über die vergangene Abstimmung?

Ich vermute, viele Schweizer haben sich zu wenig mit den Informationen zur Masseneinwanderungsinitiative auseinandergesetzt. Die Diskussionen jetzt finde ich nicht gut. Ich glaube aber, in ein paar Monaten werden die EU-Länder begreifen, weshalb die Schweiz so abgestimmt hat.

Glauben Sie, dass Jugendliche im Alter von 16 Jahren politisch interessiert sind?

Es ist so. Ich machte zwei Strassenumfragen, aus denen hervorging, dass viele 16- Jährige Interesse an der Politik bekunden.

Gab es bereits Reaktionen auf Ihre Petition?

Noch keine. Personen aus meinem näheren Umfeld zeigten sich überrascht, dass ich als junger Mensch ein solches Thema aufgegriffen habe.

Ärgert Sie es, wenn Menschen die Möglichkeit des Abstimmens nicht nutzen?

Ja, denn dadurch wird das repräsentative Meinungsbild des gesamten Schweizer Stimmvolkes nicht wirklich wiedergegeben.

Womit beschäftigen Sie sich sonst noch?

Zurzeit bin ich entweder am Arbeiten, am Lernen für die Prüfungen und am Abschliessen der Vertiefungsarbeit. Da bleibt mir kaum Zeit fürs Biken und Töffahren.

 

99 Kilian Zobrist
Kilian Zobrist fährt zurzeit mit seinem Roller vornehmlich zur Arbeit und zur Schule.

 

 

Die Petition im Wortlaut

Meine Ziele der Petition:

• Ich möchte, dass Jugendliche in der Schweiz bereits ab dem vollendeten 16. Lebensjahr das Recht haben, an Abstimmungen und Umfragen teilzunehmen.

• Jugendliche sollen ihre Zukunft teilweise auch selbst mitbestimmen können.

Mein Anliegen ist, dass Jugendliche ab dem 16. Geburtstag das Wahl- und Abstimmungsrecht besitzen sollen. Viele junge Menschen in diesem Alter haben Interesse an der Schweizer Politik. Die momentane Gesetzeslage schränkt die Jugendlichen jedoch in ihrer Situation ein. Es gibt zwar Jugendparteien, doch diese erreichen oft nicht einmal das Bundeshaus der Schweiz. Sie sollen doch auch mitentscheiden dürfen, was in der Schweiz abgestimmt wird, vor allem wenn es Sie selbst betrifft. Ich denke, dass man dieses Thema erneut anschauen, ein Pilotprojekt starten, oder es sogar durch einen Volksentscheid annehmen sollte.

Die meisten 16-jährigen Schweizer sind oft schon in der Berufswelt tätig (Ausbildung oder Praktikum). Dort schon werden sie neben der Ausbildung zusätzlich an das Erwachsenen-Denken herangeführt. Zum Erwachsen werden gehört auch dazu, Verantwortung zu übernehmen. Deshalb ist das Wahl- und Abstimmungsalter ab 16 gerade zu passend. Wenn Sie das Recht erhalten würden mitzubestimmen, erfahren Sie auch mehr Verantwortung. Es gibt einen frischen Wind in die Schweizer Politik, einige neue Ideen und Meinungen. Dies würde den Alteingesessenen sicher zum Umdenken animieren. Dieser Schritt wird in der Schweiz sicher gut ankommen und nicht immer das Altbewährte anwenden, auch wenn dies als Erfolg angesehen wird. Sind es doch hauptsächlich wir Jungen, die mit den Konsequenzen der politischen Entscheidungen am längsten Leben müssen. Mit der Chance mitbestimmen zu können, wird in meinen Augen das Verständnis gegenüber den Behörden gefördert und Entscheidungen können viel besser akzeptiert werden.

Ich würde mich sehr freuen, eine «jüngere» Schweiz zu haben, bei denen die Jugendlichen auch ein Wort mitzureden haben und nicht nur die «Alten». So denke ich über dieses Thema, in der es sicher in der nächsten Zeit immer wieder etwas zu hören werden gibt.