Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Vom frischen Fisch und Menschenfleisch

Menschen im Gespräch, mit Janine Kopp, Historikerin aus Meggen.

Auf den ersten Blick haben die beiden Begriffe so gar nichts gemein. Da ist zum einen der Kaltblüter aus dem See, ein hochwertiges Lebensmittel, gar eine Delikatesse. Zum anderen das zur Medizin verarbeitete Menschenfleisch, unserem heutigen Kulturverständnis fremd, ja gar ein wenig gruselig. Aber da gibt es eine junge Familienfrau, die den Spagat zwischen diesen beiden Materien spielend schafft. Wir reden von Janine Kopp (33) aus Meggen, Doktorin der Geschichte. Sie hat 2012 in Luzern promoviert, woraus das Buch «Menschenfleisch – Der menschliche Körper als Arzneimittel» entstanden ist. Und heute arbeitet sie Teilzeit beim Megger Berufsfischer Gottfried Hofer im Laden und in der Räucherei.

Bereit für verschiedene Herausforderungen auch in der Zukunft – Janine Kopp, Historikerin aus Meggen.  Bild Daniel Storchenegger

Bereit für verschiedene Herausforderungen auch in der Zukunft – Janine Kopp, Historikerin aus Meggen.
Bild Daniel Storchenegger

Faszination Mittelalter
«Ich bin kein Zahlenmensch – Buchstaben und Wörter sind meine Welt», sagt Janine Kopp. Bereits in der Primarschule hat sie fleissig Alltagsgeschichten im Tagebuch festgehalten. «Ich bin immer dem nachgegangen, was mich interessierte.» Das führte zum Studium in Fribourg und Zürich und zuletzt in Luzern. Heute hat sie einen Master in Geschichte, Soziologie und Publizistik sowie den Doktortitel in Geschichte im Rucksack.
«Der Wechsel von Fribourg nach Luzern war mein Glücksfall, die Luzerner Seminare eine Bereicherung», sagt sie rückblickend. Professor Valentin Groebner «schreibt in einer anderen Geschichtssprache und machte das Spätmittelalter und die frühe Neuzeit, insbesondere das 16. und 17. Jahrhundert, zu meiner Leidenschaft», begründet Kopp ihr Geschichtsstudium.

Menschenfett für Salben
Wissenschaft, in der Kammer ausgebrütet, sollte anschliessend auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Was es dazu braucht? «Etwas finden, was einen selber fasziniert, zum Beispiel ein altes Schriftstück. Dazu Neugier, den Spuren nachzugehen, die Potential haben, um auch andere zu faszinieren.» Die Quellen für ihr Werk fand sie beispielsweise in Arzneibüchern, Apothekertaxen, in Luzerner Gerichtsakten oder im Pharmazie-Historischen Museum Basel. Einerseits wurde der Handel mit dem menschlichen Körper als Arzneimittel – wie etwa Fett für die Herstellung von Heilsalben – seinerzeit durch die Luzerner Regierung bewilligt. Andererseits offenbarten Verhöre auch einen Schwarzmarkt dafür.
Im Spagat zwischen dem Mittelalter und dem Heute arbeitete Kopp neben dem Studium im Service und für verschiedene Medien, u.a. auf der Luzerner Redaktion der damaligen Gratiszeitung «Punkt.ch». Hier schrieb sie eigene Geschichten, gestaltete die Seiten im Rahmen des Layouts selber und brachte vor allem «die Sprache auf den Punkt.» Parallel zum Einsatz auf der Redaktion von «041 – das Kulturmagazin» schrieb sie während mehr als drei Jahren an ihrer Dissertation.

Im Sommer Bademeisterin
Gross war die Freude über den erfolgreichen Abschluss. Janine Kopp und ihr damaliger Freund und heutiger Ehemann Daniel Storchenegger (33) fragten sich nach dem Studium «was nun?». Da war eine Saisonstelle für die Leitung der Badi Meggen ausgeschrieben. «Halb ernst, halb im Witz dachten wir – wir werden Bademeister.» Was vorerst nur eine Idee war, nahm kurz darauf Fahrt auf. Es folgte ein Konzept, eine Bewerbung und darauf die Anstellung für die beiden. «Während vier Jahren waren wir mit viel Herzblut dabei», blickt Kopp auf eine lässige, aber auch intensive Zeit zurück. Geprägt durch viel Verantwortung und «Arbeit, die man als Gast nicht immer sieht». Die Morgenstunden hingegen waren oft ruhiger. Dann besuchte sie ab und zu der benachbarte Fischer Gottfried Hofer.

Fangfrischer Fisch mit Beratung
Das führte auch zum heutigen Teilzeitjob von Janine Kopp im Verkauf und der Beratung der Fischerei. Kunden erklärt sie das Zubereiten der Fische oder empfiehlt gar ein Rezept, das sie von einer Mexiko-Reise mitbrachte: «Ceviche», roher Fisch mariniert mit Limetten, Koriander, Frühlingszwiebeln und Chilis. Als ihren Lieblingsfisch bezeichnet Kopp den Hecht, aber auch ganze Balchen im Ofen und die rare Seeforelle seien eine Delikatesse.
«Wir essen mehrheitlich regionale Produkte». Dies auch aus Verantwortung ihrer siebenmonatigen Tochter gegenüber und, um das Bewusstsein für lokale Produzenten und einheimische Erzeugnisse weiterzugeben. Diese finden sie vorwiegend in umliegenden Biohöfen. Oder ziehen sie gleich selbst in ihrem Garten: «Neben mexikanischen Chilis, Tomaten, Gurken, Kürbis oder Salat im Hochbeet – es wächst fast alles», sagt eine stolze Hobby-Gärtnerin.
Und die Zukunftspläne? «Im Moment geniesse ich vor allem die Zeit mit unserer Tochter.» Daneben halte sie ab und zu Vorträge. Zu sehen sein wird sie zudem in der Sommerserie «Dahinden – Bitte mitnehmen!» des Schweizer Fernsehen SRF. Weitere Projekte – unter anderem auch eines, das Lokalgeschichte und Kulinarik verbindet – sind in der Warteschlange. Da entscheide Janine Kopp oft spontan und mit dem Bauch. Sie möchte nicht arbeiten nur für Wochenenden und Ferien, sondern um dabei etwas Neues zu lernen. Text Marlis Jungo
www.janinekopp.ch

Unsere nächsten Gäste in der Rubrik «Menschen» sind auf Wunsch von Janine Kopp, promovierte Historikerin aus Meggen, Fritz und Silvia Schnyder, Chäshütte Meierskappel.

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