Rigi Anzeiger
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Vom Klassenzimmer auf den Traktor

Nicole Flükiger, Adligenswil erhielt mehrere Auszeichnungen für ihre Maturaarbeit

Hervorragende Maturaarbeit zu einem verblüffenden Thema. Teilnahme am nationalen Wettbewerb Schweizer Jugend forscht an der EPFL Lausanne. Sonderpreis Science der Universität Basel. Einladung zur Teilnahme an der Internationalen Wissenschafts-Olympiade an der New York State University Oswego: Silber Medaille. Und bald Praktikum auf einem grossen Landwirtschaftsbetrieb in der Westschweiz.

International fair in Oswego: Schweizer Stand mit den Vertreterinnen der Schweiz (v.l.): Lenya Köchlin, Vera Hodel, Nicole Flükiger und Christian Stucki, Begleitperson.

International fair in Oswego: Schweizer Stand mit den Vertreterinnen der Schweiz (v.l.): Lenya Köchlin, Vera Hodel, Nicole Flükiger und Christian Stucki, Begleitperson.

Was stellen Sie sich unter dem Titel «Ammoniakverteilung durch Kaltluftabfluss» vor? Schwierig? Keine Ahnung? Hat sicher was mit Kuhmist zu tun? Oder mit einem Umweltproblem?
Im Rahmen der Maturaarbeit hat sich Nicole Flükiger mit der Fragestellung auseinandergesetzt, wie sich Ammoniak in der Umgebung landwirtschaftlicher Betriebe unter speziellen lokalen meteorologischen Bedingungen, nämlich durch nächtliche Kaltluftabflüsse, ausbreitet. Die Maturandin der Kantonsschule Musegg an einer Maturaarbeit interessiert, die nebst Theorie auch Experimente beinhaltete, wandte sich per E-Mail an die Dienststelle Umwelt und Energie in Luzern. Und hier kam sie in Kontakt mit Dr. Peter Bucher, der verschiedene Umweltthemen als mögliche Maturaarbeit vorschlagen konnte. Nach gründlicher Überlegung entschied sich Nicole Flükiger für die Ammoniakmessungen; denn von diesem Umweltproblem hatte sie noch wenig gehört. «Viele Leute kennen Luftverschmutzung in Form von Abgasen, Ozon oder Feinstaub. Von den schädlichen Ammoniak-Emissionen für die Umwelt ist jedoch selten die Rede», erklärte die Maturandin in einem Gespräch.
Die junge Forscherin hatte auch bald eine Vorstellung, wo und wie sie die Messungen durchführen könnte. Nicht in Adligenswil – nein, in einem Weiler im Emmental, wo ihr Onkel Jürg Flükiger einen Landwirtschaftsbetrieb führt und zudem ihre Grosseltern im «Stöckli» die Enkelin Nicole gerne aufnahmen. Also ideale Voraussetzungen, um die nächtlichen Messungen an einem Hang vornehmen zu können. Ammoniakquellen waren drei Bauernhöfe des Weilers «Huebe» mit ihren Tieren, Jauchegruben und Miststöcken. Im Rahmen der Maturaarbeit soll untersucht werden, wie sich Ammoniak, ausgehend von diesen Quellen, ausbreitet. Es soll festgestellt werden, wie weit weg von der Quelle bei einem Kaltluftabfluss, welcher während der Nacht stattfindet, noch eine erhöhte Ammoniakkonzentration gemessen werden kann.
In sorgfältigen Schritten hat Nicole Flükiger, natürlich unter Beratung durch Dr. Peter Bucher und ihren Fachbetreuer, Erich Amstutz, Fachlehrer für Geografie und Sport an der Kantonsschule Musegg, die zu berücksichtigenden Ammoniakquellen ausgesucht, die Standorte für die Messung der Ammoniakkonzentrationen festgelegt, nach Sonnenuntergang mit Rauchmessungen überprüft, ob sich die Messstandorte innerhalb des Kaltluftabflusses befinden und schliesslich die für die Messung notwendigen Passivsammler exponiert. Ein komplexes Vorgehen. Die Ergebnisse und Erkenntnisse zur Luftverschmutzung durch Ammoniak sind eindrücklich.
Nicole Flükiger erhielt für ihre Experimente auch Unterstützung durch die Forschungsstelle für Umweltbeobachtung (FUB) in Rapperswil sowie durch die Firma Meteotest in Bern, welche für diese Maturaarbeit Meteo-Messgeräte zur Verfügung stellte. Es erstaunt deshalb nicht, dass diese Maturaarbeit als wissenschaftliche Arbeit bezeichnet werden darf. Sie präsentiert sich in einer klar strukturierten Form, sehr verständlich formuliert und mit Bildern und Grafiken reich illustriert. Es überrascht deshalb auch nicht, dass diese Maturaarbeit von der Jury «Stiftung Schweizer Jugend forscht» das Prädikat «sehr gut» und den Sonderpreis Science der Universität Basel erhielt, der ihr die Teilnahme an der Internationalen Wissenschafts-Olympiade in den Vereinigten Staaten ermöglichte.

Reise in die USA
Zusammen mit zwei weiteren Preisträgerinnen der Kantonsschule Sursee und des Gymnasiums am Münsterplatz konnte Nicole Flükiger ihre Maturaarbeit im Juni an der GENIUS-Science Olympiad, organisiert durch die New York State University in Oswego, präsentieren. Mehr als 320 Projekte aus 54 Ländern wurden von Nachwuchsforschenden aus den Themenbereichen Kunst, Design, Musik, Poesie, Umwelt und Energie vorgestellt. Nicole Flükiger konnte ihr Projekt an einem Stand Fachexpertinnen und -experten in englischer Sprache darstellen und erläutern. Und siehe da: Ihre Arbeit und ihre Präsentation wurden mit einer Silber Medaille ausgezeichnet.

Klare Zukunftsziele
«Am 4. August beginne ich ein zwölfmonatiges Vorstudienpraktikum im Waadtland auf einem Landwirtschaftsbetrieb als Voraussetzung für das Studium der Agrarwissenschaften an der Berner Fachhochschule in Zollikofen. Es gilt, auf dem vielseitigen Bauernhof Hand anzulegen. Ich muss sämtliche Arbeiten des Berufsalltags eines Landwirts und einer Landwirtin mitmachen und mir in allen Betriebszweigen Fachwissen aneignen. Die Theorieprüfung für das Fahren von Traktoren und Autos habe ich bereits absolviert. Nun bin ich daran, mich auf die praktische Autofahrprüfung vorzubereiten», erklärte Nicole Flükiger mit Begeisterung. «Ich liebe Tiere, ich engagiere mich für die Umwelt und freue mich deshalb auf das Studium der Agronomie. Später kann ich mir als Vertiefung die Fachrichtung Internationale Landwirtschaft vorstellen.»