Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Vom Wohlfahrtshaus zum gastlichen Begegnungsort

«Die Perle» in Perlen ist 80 Jahre jung

WH nannten man das Wohlfahrtshaus, das die Papierfabrik Perlen für die Mitarbeiter 1933 erstellte. Bis heute ist das Gebäude in den Grundrissen unverändert geblieben, hat sich jedoch zum beliebten Hotel & Gasthaus und Begegnungsort für Arbeiter, Geschäftsleute und Familien entwickelt.

Die Geschichte des Wohlfahrtshauses (WH) geht bis ins Jahr 1919 zurück, als die Papierfabrik Perlen unter demselben Namen eine Stiftung gründete mit der Absicht, einen Ort der Begegnung für ihre ArbeiterInnen zu schaffen. Die damalige wirtschaftliche Situation verzögerte vorerst die Realisation dieses Hauses. 500’000 Franken kostete der Bau, der schliesslich am 22. Juli 1933 mit einer schlichten Feier eröffnet wurde.

perle_historisch_bearb Perle1
In seinen Grundrissen ist das Gebäude bis heute unverändert geblieben.

1967 wurde das Wohlfahrtshaus mit regierungsrätlicher Bewilligung in einen Gasthausbetrieb verwandelt. Umbauten des Hauses erfolgten. Heute sind noch Spuren des einstigen Wohlfahrtshauses zu finden. Im Seminar- Schulungs- oder Tagungsraum zeugen Kirchenbänke und eine Altarnische vom einstigen evangelischen Andachtsraum. Ein evangelischer Andachtsraum im katholischen Perlen? «Die Gründer der Papierfabrik waren Zürcher», erklärt der heutige Pächter des Gasthauses, Stephan Fröhlich.

Direktionsstübli nennt sich noch immer jener Raum, wo sich das Kader der Papierfabrik zum Mittagessen traf. Der grosse Saal, in dem bis zu 350 Personen Platz finden, erinnert ebenso an die Zeit des Wohlfahrtshauses. Damals diente er für Weihnachtsfeiern und Feste. Heute ist er ein Raum, in dem verschiedenste Anlässe und Theateraufführungen stattfinden. Das Cheminéestübli bietet eine gemütliche Kulisse für Firmen- oder Familienanlässe mit bis zu fünfzig Personen. Bestens bekannt ist das Restaurant, wo sich morgens Arbeiter bei einem Faustbrot und Kaffee stärken, mittags Geschäftsleute und Gäste schmackhafte und preiswerte Menüs geniessen und abends Freunde und Familien ein Gericht von der ideenreichen Speise- oder Saisonkarte wählen. Die Kreationen stammen von der langjährigen Küchenchefin Monika Good.

Im Juli 2007 übernahm Stephan Fröhlich die Leitung des Gasthauses Die Perle. Er hat zahlreiche weitere Erneuerungen vornehmen lassen, beispielsweise das Foyer mit gemütlicher Lounge und hellem Ambiente zum idealen Apéro- und Empfangsraum gestaltet. Neben dem Saal befindet sich ein weiterer Bankettraum. Die grosszügige Terrasse, ebenfalls mit einer Lounge ausgestattet, lädt zum gemütlichen Verweilen bei Speis und Trank. Hier trifft man sich gerne zum Bridge oder zum Jassen. Für Kinder gibt es einen Spielplatz im Grünen.

Perle2
Stephan Fröhlich, heutiger Pächter der «Perle»

Gäste loben immer wieder die moderne Einrichtung und das Preis-/Leistungsverhältnis. Das kostenlose Wireless-Lan ist in den 18 Hotelzimmern eine Selbstverständlichkeit. Das Gasthaus «Die Perle» bietet stets etwas mehr. Auch dank der Freude und der Leidenschaft des Gastgebers Stephan Fröhlich und seinem Team.

 

Die Perle ist von Montag bis Samstag von 8.30 bis 23 Uhr geöffnet. An speziellen Feiertagen ist das Gasthaus geöffnet. Über 300 Gratisparkplätze und mit dem ÖV (VBL-Linie 22, Endstation Perlen Post) erreichbar.
Infos: www.dieperle.ch ; 041 450 12 17 E-Mail: info@dieperle.ch

 

 

Zwei Zeitzeugen erzählen

Hans Stettler: Über 50 Jahre Stammgast

2 ZeitzeugeHansStettler

Der ehemalige Buchrainer Gemeinderat und Kantonsrat Hans Stettler arbeitete 43 Jahre lang in der Papierfabrik Perlen, zuerst als kaufmännischer Angestellter und anschliessend von 1986 bis zu seiner Pensionierung 2005 als Leiter Einkauf.

Er lebt seit 1966 in Perlen, das damals rund 800 Einwohner zählte und ein reges Vereinsleben hatte. Die Vereine führten auch ihre jährlichen Anlässe im Saal des einstigen Wohlfahrtshauses durch. Solange Perlen eine eigene Schule hatte, fanden hier auch die Weihnachtsfeiern statt, an der die Papierfabrik den Kindern Geschenke verteilte. Nicht nur die Wandlung von Perlen, auch jene des Wohlfahrtshauses und des Gasthauses «Die Perle» erlebte Hans Stettler mit. Zwei seiner drei Kinder wurden im evangelischen Andachtsraum getauft. Schmunzeln lässt er, als er erzählt, dass im heutigen Cheminéestübli einst die Toiletten standen. In den Räumen auf der zweiten Etage hausten Dauermieter oder Monteure, die zeitweise für die Papierfabrik im Einsatz waren. Seit er in Perlen lebt, lernte Hans Stettler auch jedes Geranten-Ehepaar, das das WH leitete, wie auch die Pächter des späteren Gasthauses kennen. Alle prägten das Haus auf ihre Art. Das erste Pächterpaar führte das Gasthaus so richtig zur Blüte. Mit dem vierten Pächterehepaar wurde eine erfolgreiche Renovation vollzogen. «Rund 4 Millionen Franken kostete sie», erinnert sich Hans Stettler. «Der jetzige, sechste Pächter, hat das Haus wieder in einen Topzustand gebracht. Die Perle hat einen guten Namen bis weit über die Region hinaus erhalten», kommentiert Hans Stettler. Dann fügt er noch hinzu: «Die Küche ist vorzüglich, auch dank Monika Good.»

Natürlich weiss Hans Stettler auch Geschichten zu erzählen über Gäste – vielfach war er auch dabei –, die bis morgen früh sitzen blieben, mit Velos rund um das Buffet fuhren oder versehentlich bei einer feurigen Rede auf dem Garderobeständer ein Loch in die Decke hauten. Inzwischen sind all diese Gäste älter und ruhiger geworden, halten jedoch lachend mit diesen und anderen Geschichten Erinnerungen an frühere Zeiten aufrecht.

 

Klaus Peter Schmid: Baden oder Duschen kostete zwei Batzen

3 KlausPeterSchmid

Der ehemalige Rooter Gemeindepräsident Klaus Peter Schmid wuchs in Root auf. Sein Vater, Alois Schmid (geb. 1914) arbeitete seit dem 16. Altersjahr bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1979 – also während 49 Jahren – bei der Papierfabrik Perlen. Er war lange Zeit als Holländermüller tätig und zudem auch Gewerkschaftspräsident. Die letzten rund 20 Jahre war er zuständig für die Zeit- und Lohnabrechnungen im Sortier- und Kalandersaal. Klaus Peter Schmid selber absolvierte in der Papierfabrik die Lehre als Chemielaborant (unteres Bild, 1965, im zweiten Lehrjahr) und war bis 1968 in diesem Betrieb tätig. «Damals, als wir noch Kinder waren, hatten wir zuhause keine Dusch- und Bademöglichkeiten, ausser bei der monatlichen grossen Wäsche in der Waschküche. Also marschierten wir über den Giebel ins Wohlfahrtshaus. Hier konnten wir die Badekabinen im Wohlfahrtshaus für zwei Batzen (zwanzig Rappen) benutzen. Für Ordnung und Sauberkeit sorgte Frau Berta Hess. Sie wurde hundert Jahre alt», erinnert sich Klaus Peter Schmid. Zu erzählen wusste er auch, dass die Badekabinen im Wohlfahrtshaus dem damaligen FC Perlen (gegründet 1920) sowie den Gästemannschaften als Garderoben und Waschmöglichkeiten zur Verfügung standen. «Auch ist mir in Erinnerung geblieben, dass wir gegen Abgabe des Konsumationsbons vom Restaurant des Wohlfahrtshauses, zehn Prozent von der Papierfabrik zurückerstattet erhielten», schildert Klaus Peter Schmid. Natürlich war er wie jedes andere Kind eines Mitarbeitenden der Papierfabrik an den Weihnachtsfeiern im Wohlfahrtshaus dabei. Dazu wusste er zu erzählen: «Nach der Weihnachtsaufführung wurde jedes Kind dem Alphabet nach von Paul Schönenberger aufgerufen und mit einem grosszügigen, dem Alter entsprechenden Geschenk und einem Weihnachtssäckli beschert. Ich weiss noch gut, dass das ein sehnsüchtiges Warten war, bis man aufgerufen wurde». Der Inhalt des Weihnachtssäckli bestand – so Schmid – aus einer Servelat, einem Mutschli, einem Apfel, Nüssli und einem Schoggistängeli. «Mein letztes Geschenk in der 6. Klasse war ein Füllfederhalter mit eingraviertem Namen und Vornamen», fügt er noch hinzu.

schmid chemielaborant_bearb Kopie
Klaus Peter Schmid während seiner Lehre als Chemielaborant, 1965, im zweiten Lehrjahr.