Rigi Anzeiger
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Vom Zwang der Freiheit

Immensee: Am Gymnasium Immensee diskutierten 30 Personen – Schüler und Lehrer – zum Thema Freiheit ohne Zwang. Die freiwillige Diskussionsrunde im Pilatus-Saal des Gymi Immensee war bis auf den letzten Platz belegt.

Freiheit und frei sein – ein Thema das bei den Jugendlichen auf Interesse stiess. Bild zVg.

Freiheit und frei sein – ein Thema das bei den Jugendlichen auf Interesse stiess. Bild zVg.

eing. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer folgten in bunter Mischung der Einladung zum ersten Café Philo. Das heisst, dass man miteinander philosophieren, aber auch Kaffee trinken darf. Allein, der Kaffee blieb auf dem Buffet stehen, währenddem sich die Runde ins Thema hinein diskutierte. Gibt es Freiheit überhaupt? Oder ist unser Freiheitsgefühl gar eine Illusion, da unser Verhalten genetisch vorbestimmt ist? Weil die Zwänge, die uns der Körper, die Politik, die Gesellschaft, die Medien, unsere eigenen Ängste vorgeben, übermächtig sind? Mag sein, und doch, so waren sich die Teilnehmenden einig, gibt es so etwas wie ein Freiheitsgefühl. Dann nämlich, wenn ich wenigstens die Möglichkeit habe, ohne Zwang zwischen verschiedenen Optionen zu wählen. Soll ich nun aufstehen oder doch lieber liegenbleiben? Ein Ei kochen oder trockenes Brot essen?

Machen was man will. Aber was?
Da erzählt ein Schüler in der Runde eine eindrückliche Geschichte: Während vier Wochen seiner acht Wochen Ferien war etwas los, während der anderen vier Wochen nichts. Er konnte also machen, was er wollte. Besser: Er hätte «es» machen können. Aber er machte nichts. Einfach nichts. Vier Wochen lang. In seiner ganzen Freiheit empfand er Leere und Orientierungslosigkeit. Langeweile sei eine wichtige Erfahrung, um wieder zu sich selber zu finden, meint ein Lehrer in der Runde. Aber Langeweile kommt im Schulbetrieb am Gymi Immensee selten auf. «Darum habe ich immer ein Büchlein bei mir», sagt ein anderer Schüler. «Dort schreibe ich auf, was ich machen will, wenn ich machen kann, was ich will.» Denn auch er macht die Erfahrung: «Wenn dann mal nichts läuft, weiss ich nicht mehr, was ich eigentlich machen wollte.»

Unfreiheit macht frei
Da fragt einer in die Runde: Ist es denn ein Problem, wenn man nicht frei ist? Ist es nicht so, dass Unfreiheit Halt und Struktur gibt? Dass, wer Spitzenleistungen erbringen will, viel Zwang auf sich nehmen muss? Dass Bogenschützen oder Meditierende in der engsten Führung und höchsten Konzentration das grösste Freiheitsgefühl erleben? Einige in der Runde heben den Warnfinger: Achtung, Suchtgefahr! Schon alle haben sie die Erfahrung gemacht: Wer aus einer Position der Schwäche Freiheit sucht, findet oft Zwang. Denn Freiheit zu leben, bedeutet auch Verantwortung zu übernehmen. «Ich möchte nie als Operateurin im Spital die Freiheit haben, zu entscheiden, ob ich weiter operieren oder die Operation abbrechen soll», sagt eine Schülerin. Spätestens jetzt merken alle in der Runde, wie brisant das Thema, wie schmal der Grat zwischen Bestehen und Scheitern ist. Sie spüren aber auch, dass es eine Kraft gibt, die über diese Klippen hilft. Es ist die Kraft der klärenden Diskussion.