Rigi Anzeiger
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Von Eulen und Lerchen

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass das Vogelgezwitscher am Abend plötzlich verstummt, oder dass es am Morgen schon sehr frühzeitig beginnt? Vögel haben einen klar erkennbaren Tag-/Nacht-Rhythmus. Aber nicht alle den gleichen.

vonwartburgDie Eule und der Kauz gelten als nachtaktiv, die Lerche als Frühaufsteherin. Die gleiche Bezeichnung verwendet man deshalb auch bei Menschen. Solche die gerne früh aufstehen bezeichnet man als Lerchen-Typen, solche die erst am Nachmittag wach werden als Eulen-Typen.

Lange Zeit glaubte man, dass jeder Mensch sich das früh Aufstehen und früh zu Bett gehen antrainieren oder angewöhnen könne. Heute weiss man, dass das nicht stimmt. Till Roenneberg ist einer der anerkanntesten Chronobiologen, ein Verfechter jener Wissenschaft, die sich mit der Erforschung der inneren Uhr bei Menschen, Tieren und Pflanzen befasst. Die Chronobiologie hat in vielen Versuchen herausgefunden, dass wir nicht nur eine innere Uhr besitzen, sondern dass in jeder unserer Zellen eine innere Uhr tickt. Sie zeigen nicht alle die gleiche Zeit, aber sie sind miteinander koordiniert.

Alle inneren Uhren in der Natur, bei Menschen, Tieren und Pflanzen, werden von einer Mutter-Uhr gesteuert. Es ist die Sonne. Das Licht der Sonne steuert alle vitalen Vorgänge. Aber nicht alle Menschen reagieren gleich auf diesen Hell- / Dunkelrhythmus. Ihre Gene richten die Uhren anders aus. Chronobiologen in aller Welt wissen heute, dass ein Mensch mehrmals in seinem Leben den Chrono-Typus ändern kann. Aber nicht der Mensch steuert das, sondern seine Gene oder Hormone.

Erinnern Sie sich an jene Zeit, wo Sie problemlos eine Freinacht machen konnten und vielleicht noch eine zweite daran hängen? Das hat mit Lerchen und Eulen nichts zu tun, sondern mit Genen und Hormonen. Heute weiss man, dass Kinder, wenn sie ins Pubertäts-Alter kommen, abends kaum müde werden aber morgens am liebsten bis zehn Uhr schlafen möchten. Da nützt kein Schimpfen und kein Zwang. Ihre innere Uhr hat sich – der Natur gehorchend – ganz einfach verstellt. Roenneberg sieht das als Überbleibsel aus grauer Vorzeit, als die Menschen kaum älter als 30 wurden und die heranwachsende Jugend die aktivsten Menschen sein mussten. Diese Erkenntnis nützt allerdings einem Lehrer wenig, der morgens um sieben vor einer schlafenden Klasse unterrichten sollte, und seinen Schülern auch nicht. Felix von Wartburg