Rigi Anzeiger
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Vorgehen von Adligenswils Behörden wird hart kritisiert

Infoveranstaltung des Gemeinderates Adligenswil im Zentrum Teufmatt

Der Adliger Gemeinderat informierte über das neue Führungsmodell mit fünf ausgeglichenen Pensen. Und erntete für sein Vorgehen harsche Kritik.

Die Adligenswiler Gemeinderatsmitglieder sowie René Steiner, Unternehmensberater HSS Sursee, hören sich konzentriert die kritischen Statements der Bürgerinnen und Bürger an.

Die Adligenswiler Gemeinderatsmitglieder sowie René Steiner, Unternehmensberater HSS Sursee, hören sich konzentriert die kritischen Statements der Bürgerinnen und Bürger an.

Am Informationsabend am 20. August im Zentrum Teufmatt brauchten die fünf Adligenswiler Gemeinderatsmitglieder die verlangte dicke Haut. Sämtliche Votantinnen und Votanten – es waren etwa fünfzig Bürgerinnen und Bürger anwesend und das ist überraschend wenig – zerpflückten Vorgehen und Entscheid des Gemeinderates betreffend neuem Führungsmodell. René Steiner von der Unternehmensberatungsfirma HSS aus Sursee führte in die Problemstellung ein, eine bedarfs- und ressourcengerechte Gemeindeorganisation zu schaffen. Die Ist-Analyse ergab, dass rund 135 Stellenprozente im Gemeinderat und rund 160 Stellenprozente in der Verwaltung fehlten. Die heutigen Strukturen und Abläufe seien teilweise suboptimal, die Kompetenzen müssten erweitert und genauer definiert und gewisse zusätzliche Führungsinstrumente eingeführt werden. Handlungsbedarf sei klar ausgewiesen (Der Rigi Anzeiger berichtete). Gemeindepräsidentin Ursi Burkart-Merz brachte zum Ausdruck, dass der Gemeinderat in der Frage des zukünftigen Organisationsmodells die Führung übernehmen will. Selbstverständlich habe die Gemeindeversammlung das letzte Wort. Der Gemeinderat hat sich klar für das «heutige Modell optimiert» entschieden. Die wesentlichen Neuerungen und Verbesserungen bestehen darin, dass es fünf Ressorts mit gleichen Pensen gibt, die Ressorts Bau und Finanzen werden getrennt, Kommissionspräsidenten sind nicht mehr Gemeinderatsmitglieder und die Wahl erfolgt als Gemeinderat, ohne bestimmtes Ressort, ausgenommen das Präsidium. Sozialvorsteher Pascal Ludin zeigte in seinen Ausführungen auf, dass die Thematik «Führungsmodell» für den Gemeinderat ein extrem anspruchsvoller Prozess sei. Wo der Trennstrich zwischen strategischer und operativer Führung liege, das sei schwierig zu sagen. Und die Frage sei, wie viel operative Arbeit notwendig sei, damit die strategische Führung wahrgenommen werden könne. Olivier Bucheli, Sicherheitsvorsteher, betonte die Absicht, eine Gemeindeführung mit strategischer Weitsicht zu schaffen, das Gemeinderatsamt als Hauptaktivität, eine breite politische Abstützung und Raum für den Einbezug der Kommissionen, Verwaltung, Parteien und Bevölkerung.

Die Gemeinderatsmitglieder informierten sachlich und ruhig – doch die Stimmung kippte mit dem Einbezug der anwesenden Bürgerinnen und Bürger. Anstelle von Fragen folgten Stellungnahmen, die das Vorgehen des Gemeinderates in der Frage des Führungsmodells hart kritisierten. Es sei falsch und entspreche nicht dem Willen der Echogruppe, dass bei der Wahl des Führungsmodells nur eine Variante vorgeschlagen und bearbeitet werde. Ein breiter Einbezug der Bevölkerung und der Parteien sei eine Notwendigkeit. Mehrere Varianten von Führungsmodellen müssten in eine Diskussion gegeben werden – und erst nach einem umfassenden offenen Diskurs sei ein grundsätzlicher Richtungsentscheid zu treffen. Es wurde ein Übungsabbruch verlangt. Keine faulen Kompromisse könnten präsentiert werden. Ein Graben bestehe zwischen Gemeinderat und der Bevölkerung. Eine faire demokratische Auseinandersetzung sei notwendig. Es resultiere ein Scherbenhaufen, wenn an der Gemeindeversammlung allenfalls die Variante des Gemeinderates abgelehnt werde. Es brauche ein Miteinander, sonst gehe das Vertrauen verloren.
Nach fast zwei Stunden Information und Diskussion konnte Finanzverwalter Markus Sigrist noch kurz den Stand der Teilrevision Ortsplanung vorstellen. Das öffentliche Mitwirkungsverfahren zur Kernzone Alters- und Gesundheitszentrum sei abgeschlossen, der kantonale Vorprüfungsbericht liege vor und das Projektkonzept sei weiterbearbeitet worden. Es erfolge nun die öffentliche Auflage. Nach der Behandlung allfälliger Einsprachen könne die Botschaft für die Gemeindeversammlung vorbereitet werden.

 

Stellungsnahmen:

Hubert Joller, Präsident CVP Adligenswil

Hubert Joller, Präsident CVP Adligenswil

«Positiv ist, dass klar zum Ausdruck kam, dass grosser Widerstand gegenüber dem Vorschlag des Gemeinderates besteht. Wir wollen, dass die demokratischen Strukturen in der Gemeinde gelebt werden und den Vorgaben des Echoraumes Gewicht geben, so dass über den Vorschlag des Gemeinderates und der Echogruppe abgestimmt werden kann. Wir wollen die demokratischen Spielregeln in unserer Gemeinde leben und nicht einfach eine Vorgabe des Gemeinderates ‹abhaken›.»

 

Jörg Meyer, Kantonsrat SP Adligenswil

Jörg Meyer, Kantonsrat SP Adligenswil

«Es ist eine Fortsetzung der bisherigen Arbeit in der Echogruppe, so leid es mir tut. Es ist ein Scherbenhaufen, vor welchem wir stehen. Ich hoffe, dass der Gemeinderat jetzt um fünf vor 12 Uhr noch vernünftig wird und wirklich in der Gemeindeversammlung schnell eine tatsächliche Auswahl zur Verfügung stellt und nicht ein Alles-oder-Nichts-Modell durchstieren will. Es gibt einen Scherbenhaufen und dies dient am Schluss niemandem.»

 

Roger Rölli, Alt-Präsident SVP Adligenswil

Roger Rölli, Alt-Präsident SVP Adligenswil

«Ich habe nichts anderes erwartet. Ich war involviert in der Echogruppe. Es war absehbar, dass heute Abend der Unmut der Bevölkerung gegenüber dem Gemeinderat klar zum Ausdruck kommen würde. Ich bin enttäuscht, dass der Gemeinderat keine Alternativen vorschlägt, sondern nach dem Motto ‹Vogel friss oder stirb› vorgeht. Wir wollen an die Bevölkerung herantreten. Da sind Varianten notwendig, wie wir dies in der Echogruppe empfohlen haben.»