Rigi Anzeiger
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«Wählen? Nein danke!»

Region: Rontal-Gemeinden führen eine Negativ-Rangliste an. Sie weisen die schwächste Stimmbeteiligung im ganzen Kanton auf. Über die Gründe
gehen die Einschätzungen erfahrener Politikerinnen und Politiker auseinander.

hf. Dierikon, Wikon, Meierskappel, Root, Emmen, Ebikon – das ist die Negativ-Rangliste über die Stimmbeteiligung bei den Kantonsrats- und Regierungsratswahlen vom 29. März 2015. Bemerkenswert: Vier der sechs Gemeinden, in denen weniger als 30 Prozent der Stimmberechtigten an der Wahl teilnahmen, liegen im Rontal. Buchrain schaffte es nur noch hauchdünn über die 30-Prozent-Marke. Vor vier Jahren markierten die 30 Prozent noch den untersten Rand der Stimmbeteiligung. In den Gemeinden mit der grössten Wahlabstinenz ist die Beteiligung seither nochmals zum Teil dramatisch zurückgegangen. So sank die Wahlbeteiligung in Meierskappel um 14,2 von 40 auf neu 25,8 Prozent. Einen überdurchschnittlich hohen Beteiligungsrückgang verzeichnen auch Dierikon (–8,4), Ebikon (–8), Udligenswil (–7,9) und Buchrain (–7,3).
Auffallend ist, dass Rontal-Gemeinden in der Negativ-Rangliste der Wahlbeteiligung stark vertreten sind. Es sind Gemeinden mit einer starken Bautätigkeit und einem entsprechend grossen Bevölkerungswachstum in den letzten 20 Jahren. Das könnte einen Zusammenhang mit der Wahlabstinenz haben, räumt Karl Mattmann ein. Er war bis 2013 während 33 Jahren Gemeindeschreiber von Dierikon und kennt die Gemeinde und das Rontal wie kaum jemand. Viele Einwohnerinnen und Einwohner, seien wegen der verkehrsgünstigen Lage und der vergleichsweise günstigen Preise fürs Wohnen zugezogen, weiss er. «Einen Bezug zur Gemeinde haben viele nicht», vermutet er, «man kennt sich nicht, ist eher nach Luzern orientiert und weiss auch nicht, wer die Leute auf den Listen sind.» Komme dazu, dass «seine» Partei, die CVP «viel zu wenig gemacht» habe. Die Mobilisierung auf der persönlichen Ebene sei früher viel intensiver gewesen. Erstaunt ist Mattmann über den erneuten Rückgang der Wahlbeteiligung im benachbarten Ebikon – «dort standen doch Kandidatinnen und Kandidaten aus allen Perteien zur Wahl». Das allein reicht aber offensichtlich nicht, Ebikon rutschte ebenfalls unter die 30-Prozent-Marke. Guido Müller, komfortabel wiedergewählter Kantonsrat der SVP, sieht einen Grund für die allgemeine Wahlabstinenz im Wohlstand. «Vielen Leuten geht es sehr gut, man ist zufrieden und muss sich nicht mehr engagieren», erklärt er. Dazu komme die Frustration vieler politisch interessierter Bürgerinnen und Bürger über Tendenz von Behörden und Verwaltung, unliebige Volksentscheid umzusetzen. Herabgebrochen auf die Gemeinden Ebikon und Dierikon macht Müller eine allgemeinde Unzufriedenheit aus: «Die Leute fühlen sich nicht mehr wahrgenommen.»

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Zwei gegen den Trend
Zahlen gegen den allgemeinen Trend setzten im Rontal und Rigiland Gisikon und Greppen. In beiden Gemeinden stieg die Wahlbeteiligung gegenüber 2011 (Gisikon plus 1,7, Greppen plus 1.3 Prozent). Claudia Bernasconi, mit dem drittbesten Resultat auf der CVP-Liste Luzern Land wiedergewählte Kantonsrätin, vermutet den Grund für die positive Beteiligung in Greppen in der Tatsache, dass mit ihr und SVP-Kantonsrat Franz Gisler zwei Bisherige aus Greppen zur Wahl standen. «Man unterstützte die eigenen Leute, weil man mit ihrer Arbeit offenbar zufrieden ist», freut sie sich. Der allgemeine Rückgang der Wahlbeteiligung allerdings macht sie ratlos, «das ist eigentlich traurig». Sie habe allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass «viele Leute gar nicht wissen, wie man wählt». Vielleicht müsste man über Vereinfachungen im Wahlverfahren nachdenken, meint sie. Die Erläuterungen in den Wahlunterlagen seien zwar gut verständlich, sagt Claudia Bernasconi – «aber das ist wohl wie bei Gebrauchsanleitungen, die werden oft auch gar nicht gelesen.»