Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Warten auf unsere Produkte»

Menschen im Gespräch, diesmal mit Fritz Schnyder, Inhaber Chäs-Hütte Meierskappel

«Heute ist es nicht nach meinen Vorstellungen gelaufen», sagt Käsermeister und Milchspezialitätenproduzent Fritz Schnyder zur Begrüssung. Und erzählt gleich aus dem «Nähkästchen», dass eine Aktion des Grossverteilers verzögert angekündigt worden war. Und dessen Kunden seien ganz «verrückt» nach seinem Quark. So haben sie für einmal improvisieren müssen. «Aber so etwas kommt selten vor – wir sind stets zuverlässig und auch flexibel». Und dass Kunden auf die Produkte aus Meierskappel warten, das war nicht immer so.
Alles begann im sanktgallischen Waldkirch, wo Vater Schnyder eine Käserei führte. Sohn Fritz sollte in seine Fussstapfen treten und begann die Lehre als Käser. Als er im zweiten Lehrjahr mit 16 Jahren seinen Vater verlor, konnte die Familie den Betrieb nicht mehr weiterführen. Ein Kollege seines Vaters berichtete von einer Pacht in Meierskappel.
So fanden Fritz und Silvia, er Ostschweizer und sie Bündnerin aus Arosa, 1981 eine neue Heimat in der Zentralschweiz. «Wo auch einige Wurzeln von mir liegen, nämlich im schwyzerischen Vorderthal», präzisiert der 60-Jährige. Zusammen mit vier bis fünf Mitarbeitern wurde damals Emmentaler hergestellt. Und durch Emmi vermarktet.

Selten sind die Mussestunden für Fritz und Silvia Schnyder auf der Terrasse der Chäs-Hütte in Meierskappel. Bild Marlis Jungo

Selten sind die Mussestunden für Fritz und Silvia Schnyder auf der Terrasse der Chäs-Hütte in Meierskappel. Bild Marlis Jungo

Suchen und Pröbeln
Als dieser Vertriebskanal 2003 sukzessive versiegte suchte das Pächterpaar nach einem weiteren Standbein. Und fand es in der Produktion von Milchspezialitäten wie Joghurt, Quark, Konsum-Milch und Butter. «Die Kunden haben nicht auf unsere Produkte gewartet», erinnert er sich im Ostschweizer Dialekt. «Meine Frau Silvia machte die Knochenarbeit – Klinkenputzen im eigentlichen Sinn».
Der «regional-lokal»-Gedanke war damals bei den Kunden noch nicht ganz angekommen. Unermüdlich tüftelte Schnyder weiter. Suchte 2007 nach einer Möglichkeit, die Büffelmilch seines Nachbarn Ivo Knüsel in Joghurt zu verwandeln. Nach Fehlversuchen über mehrere Monate war ein Innehalten angesagt: «Die Qualität stimmte nicht – beispielsweise war die Masse zu ‹griesig›». Ein Missgeschick löste den Knopf, führte zum Erfolg. «Wir hatten 20 kg im Kühler ‹vergessen› und danach das perfekte Resultat», erinnert sich ein noch heute erleichterter Büffeljoghurt-Pionier.
Die Neuheit kam bei den Konsumenten an – und wie: «Der AdR-Herzblut-Preis gleich im ersten Jahr löste einen Schub aus und war extrem werbewirksam.» So konnte bald darauf ein weiterer Herzenswunsch realisiert werden, der Kauf einer Mozzarella-Maschine.

Führen und mitschaffen
«Ich bin über die Jahre schon ruhiger geworden, versuche mich in meine Mitarbeiter zu versetzen», sagt der unermüdliche Schaffer. Mit Arbeitsbeginn um zwei Uhr in der früh. Zwölf Mitarbeiter gehen ihm zur Hand. Seit 20 Jahren ein sicherer Wert ist Urban Reinhard. «Ich gebe allen so viel Freiraum, wie es das heikle Naturprodukt zulässt», sagt Schnyder.
Keine Kompromisse lässt er beim Qualitätsstandard und bei der Herstellung «mit Finessen» zu. «Bei mir gibt es weder ‚Blau machen’ noch Larifari!» Das Team verarbeitet täglich um die 3000 Kilogramm Milch von Kuh, Büffel und Schaf. Daraus entstehen bis zu 6000 Portionen Quark, 3000 Joghurt und 1500 Einheiten Konsum-Milch, pasteurisiert oder als Drink. Wichtigste «Mitarbeiterin und Aussenministerin» ist nach wie vor Ehefrau Silvia «ohne Silvia geht gar nichts». Auch ihr Arbeitstag beginnt um Zwei. Und führt sie zu Kunden von der Zentralschweiz bis nach Zürich. So kommen jährlich 100000 Camion-Kilometer zusammen.

Feierabend und Hobby
Zur Nachfolge macht sich Fritz Schnyder aber schon Gedanken: «Es ist keine in Sicht. Ich kann mir aber schon vorstellen, bis 70 weiterzuarbeiten – falls ich gesund bleibe.» Einen Milchtechnologen zu finden, das sei wie ein Sechser im Lotto. Und aus den eigenen Reihen der vier Kinder und fünf Enkeln zeichne sich bisher nichts ab. Die Berufswahl der je zwei Töchter und Söhne lässt nicht darauf schliessen: Krankenschwester, Haustechnik-Planer, Dentalassistentin, Tiefbauzeichner und Eishockey-Profi in Olten, ab Saison 2017 bei HC Thurgau. So bleibt die Familie ein Hobby des Geschäftsmanns: «Sonntagabend am Familientisch zaubert Silvia als hervorragende Köchin jeweils ein leckeres Menu». Im Sommer werde auf der grosszügigen Terrasse gegessen. Wo auch einer mit Abwärme der Produktion beheizter Pool steht. Dort gönnt sich nebst den 1-bis 11-jährigen Enkeln auch Grossmutter Silvia so oft als möglich ein Bad.
Zwei Uhr nachmittags, die 2012 total erneuerten Anlagen und Maschinen stehen still in der Chäs-Hütte Meierskappel. Alles ist gereinigt, «biologisch sauber», sagt der Chef. Der nun eigentlich auch Feierabend machen könnte. Ab und an packt es ihn jedoch auch nach langen Jahren der Berufung. Er pröbelt – womit, will er nicht verraten. Lassen wir uns überraschen!
Marlis Jungo

Unsere nächsten Gäste in der Rubrik «Menschen» sind auf Wunsch von Silvia und Fritz Schnyder von der Chäs-Hütte in Meierskappel die «Hühnervermieter» Stephan und Andrea Stocker-Wyss vom «Kirchweg» in Greppen, wo es auch Feigen, Selbstgebranntes und mehr aus erster Hand gibt.

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