Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Was ist ein Burn-Out – was eine Depression?

Gut besuchter Vortrag im Gymnasium St. Klemens

In der Aula des Gymnasiums St.Klemens sprach Dr. Franz Caduff, Chefarzt der Privatklinik Wyss in Münchenbuchsee, vor über hundert Zuhörerinnen und Zuhörern zum Thema Burn-Out und Depression. Organisiert wurde der Anlass vom Gymnasium St.Klemens und der Kulturgesellschaft Ebikon.

«Noch jemand ohne Burn-Out?» So lautet die Headline einer Zeitung. Sie signalisiert, dass Burn-Out ein weitverbreitetes Phänomen ist. Es gilt aber nicht als Krankheit, weil es nicht klar dia-gnostizierbar ist. Burn-Out bedeutet ausgebrannt und völlig erschöpft sein. Die Ursachen sind vielfältig: Steigerung des Lebenstempos, Multioptionen. (Die vielen Wahlmöglichkeiten erzeugen Stress.) Auslöser sind auch die ständige Kommunikation und ein Lebensrhythmus, der kaum zur Ruhe kommen lässt. Besonders gefährdet sind Personen mit einem Hang zur Perfektion, hohen Erwartungen an sich selber und solche, die sich keine Schwäche eingestehen können. Die vom Burn-Out Betroffenen zeigen verschiedene Symptome u.a. Infektionsanfälligkeit, Herzbeschwerden, Schwindel, Atemnot, Niedergeschlagenheit, Angstzustände und Gleichgültigkeit. Auffallend ist auch der soziale Rückzug.Wie kann man dem Burn-Out vorbeugen? Besonders wichtig sind die Achtsamkeit gegenüber Warnsignalen und eine Haltung, die Schwächen zulässt und es geht darum, sich Freiräume von der Arbeit zu schaffen. Oft genügt eine ambulante Behandlung nicht. Die Therapie besteht dann u.a. aus Gesprächs- und Gruppentherapie, aus meditativen Elementen und der Förderung der körperlichen Ertüchtigung

Depression ist im Gegensatz zum Burn-Out als Krankheit anerkannt, weil sie klar diagnostizierbar ist. Ursachen sind u. a. hormonelle Faktoren, Vererbung, körperliche Erkrankungen und Verlusterlebnisse. Die Depression zeigt sich u.a. in Denk- und Konzentrationsstörungen, dem Gefühl der Wertlosigkeit, dem Aufgeben der sozialen Kontakte, in Schuldgefühlen und Suizidgedanken.

Für die Prophylaxe gilt Ähnliches wie beim Burn-Out: Es geht darum, Beziehungen zu pflegen, nicht alles auf eine Karte zu setzen, zu erkennen, dass Nichtstun sehr wichtig sein kann. Ist eine stationäre Behandlung erforderlich, besteht diese aus Psychotherapie kombiniert mit Psychopharmaka, die zu einer raschen Linderung der Symptome führen.

Die Heilungschancen sowohl beim Burn-Out als auch bei der Depression sind gut.

 

Nachgefragt bei Josef Fux,
Vorstandsmitglied der Kulturgesellschaft Ebikon (KGE)

fux_josef

Was hat die Kulturgesellschaft Ebikon dazu bewogen, die Themen Burnout und Depression aufzugreifen?
Die Themen beschäftigen sehr viele Menschen. Das belegen u.a. die zahlreichen Publikation zu Burn-Out und Depression. Die Themen boten sich aber auch an für die Zusammenarbeit mit dem Gymnasium St.Klemens, sie werden dort im Rahmen des Fachs Psychologie behandelt.

Welche Fragen wurden von den ZuhörerInnen gestellt?
Gibt es neue Erkenntnisse der Forschung, die eine klare Diagnose für das Burn-Out bald ermöglichen? Wie gross ist Gefahr der Abhängigkeit von Psychopharmaka? Wird der Wille des Patienten bei der Behandlung genügend berücksichtigt.

Worüber wurde anschliessend am meisten diskutiert?
Es wurde über die Leistungen der Krankenkassen beim Burn-Out gesprochen. Im Zentrum stand aber die Frage nach der Notwendigkeit des gesellschaftlichen Wandels.

Glauben Sie, dass Vorträge dieser Art Burnout und Depression enttabuisieren?
Information trägt sicher zu Enttabuisierung bei. Es scheint mir aber, dass im Gegensatz zur Depression das Burn-Out nicht stigmatisiert, also auch kaum ein Tabu ist.

Waren Sie schon mit Burnout-Betroffenen oder Depressions-Erkrankten konfrontiert?
Ich war immer wieder mit den Problemen Betroffener konfrontiert.

Wie gingen Sie damit um?
Es wurde mir klar, wie wichtig Verfügbarkeit und Geduld sind, wie wenig relativierender «Trost» bewirkt. Ich habe aber auch gelernt, die eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen.

Was würden Sie Menschen raten, die in ähnliche Situationen geraten?
Ich würde keinen Rat geben, sondern mir die Probleme schildern lassen und im besten Fall durch Fragen zur Klärung der Situation beitragen.

Konnten Sie für sich Tipps aus dem Vortrag mitnehmen?
Tipps nahm ich keine mit, aber ich wurde angeregt die gesellschaftlichen Ursachen zu reflektieren und vor allem über die Möglichkeiten der Entschleunigung nachzudenken.

Gedenkt die Kulturgesellschaft in naher Zukunft wieder ein spezielles Thema aufzugreifen?
Das Programm der KGE zeugt jeweils von einem sehr weiten Kulturbegriff. Im Moment bereiten wir das Jahresprogramm 2014 vor. Es wird ganz bestimmt spannende Themen enthalten.
Das aktuelle Programm finden Sie unter www.kgebikon.ch