Rigi Anzeiger
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Wehe dem, der den König nicht ehrt

Dass die Thailänder ziemlich fanatisch sein werden, wenn es um die Königsfamilie geht, ist in unserem Kulturkreis spätestens seit der Verhaftung eines Schweizers bekannt, der betrunken Porträts des Königs beschmiert hatte.

Vor meiner Anreise war ich gespannt gewesen, wie sich der in Reiseführern oft zitierte bedingungslose Rückhalt des Königs Bhumibol Adulyadej und seiner Familie im Alltag manifestieren sollte – zumal Thailand seit 1932 offiziell eine konstitutionelle und keine absolute Monarchie mehr ist. Seit ich mich vor knapp zehn Jahren für Auslandpolitik zu interessieren begann, war mir zudem keine ausserordentliche Tat des heute 87-Jährigen bekannt geworden. Bei den Hochwassern in weiten Teilen Thailands vor drei Jahren hatte er beispielsweise bloss sein Bedauern ausdrücken können, da er sich zu dieser Zeit im Krankenhaus aufgehalten hatte. Auch zum kürzlich erfolgten Backpacker-Mord auf der Taucherinsel Koh Tao hatte sich der König nie öffentlich geäussert, obwohl die Klärung dieser Angelegenheit äusserst wichtig für die thailändische Tourismusindustrie sein dürfte.
Dennoch geniesst Bhumibol Adulyadej bei Thailändern jeden Alters höchstes Ansehen. Sein Konterfei ist auf sämtlichen Banknoten und Münzen abgebildet. Dies ist auch der Grund, weswegen Noten hier nicht gefaltet und Geldstücke nicht achtlos ins Portemonnaie gesteckt werden können. In Geschäften wird das Rückgeld meistens mit beiden Händen ausgehändigt und es wird auch eine zweihändige Annahme erwartet. Doch nicht nur auf dem Zahlungsmittel ist ein Abbild seiner Majestät zu finden: An vielbefahrenen Kreuzungen hängt oftmals ein überdimensionales Plakat mit Porträts oder Ganzkörperbilden des königlichen Ehepaars und in vielen Häusern, Hotels und Restaurants sind Gemälde zu bestaunen, auf denen Bhumibol Adulyadej detailgetreu wiedergeben worden ist. Namen von Strassen, Parks, Zughaltestellen und grossen Plätzen gehen auf frühere Herrscher Thailands zurück. Auf LED-Schildern an Hochhäusern steht «Lang lebe der König» und im Kino wird vor Filmbeginn die Königshymne gespielt, während der die Besucher aufstehen und mucksmäuschenstill sein müssen. Auch im Unterricht ist seine Hoheit äusserst präsent: Benötigt die Marketingprofessorin etwa ein Beispiel für soziale Verantwortung, wird der aktuelle Herrscher oder einer seiner Vorgänger genannt. Auch wenn es um in Thailand bedeutende Industriezweige geht, wird die bedeutende Rolle des Königs für die Landwirtschaft betont.
Einer der bedeutendsten Monarchen Thailands war Chulalongkorn, der auch unter dem Namen Rama der Fünfte oder Rama der Grosse bekannt ist. Unter seiner Herrschaft öffnete sich Thailand dem Westen, modernisierte das Bildungssystem und schaffte die Sklaverei ab. Kein Wunder also, dass dieser bemerkenswerten historischen Figur jedes Jahr an ihrem Todestag gedacht wird. Der 23. Oktober ist seit Chulalongkorns Tod 1910 ein gesetzlicher Feiertag und so hatte an diesem Tag auch ich schulfrei. Zahlreiche Thailänder pilgerten zur Ananta-Samakhom-Thronhalle im Dusit-Palastensemble in Bangkok, um einer Rede der Königin beizuwohnen. Abends legten die Einheimischen Blumen zu Füssen einer Chulalongkorn-Statue nieder und Blaskapellen sorgten für musikalische Unterhaltung.

An vielbefahrenen Kreuzungen ist nicht selten ein riesiges Foto seiner Hoheit Bhumibol Adulyadej oder des königlichen Ehepaars vorzufinden.

An vielbefahrenen Kreuzungen ist nicht selten ein riesiges Foto seiner Hoheit Bhumibol Adulyadej oder des königlichen Ehepaars vorzufinden.

Um am Chulalongkorn-Tag am 23. Oktober einer Rede der Königin lauschen zu können, strömten die Besucher in Scharen zum Dusit-Palast.

Um am Chulalongkorn-Tag am 23. Oktober einer Rede der Königin lauschen zu können, strömten die Besucher in Scharen zum Dusit-Palast.

An seinem Todestag wurden Blumen zu Füssen einer Statue des bedeutenden Königs Chulalongkorn niedergelegt, der am 23. Oktober 1910 verstorben war.

An seinem Todestag wurden Blumen zu Füssen einer Statue des bedeutenden Königs Chulalongkorn niedergelegt, der am 23. Oktober 1910 verstorben war.

Stephanie Sigrist aus Risch absolviert ein Austauschsemester in Bangkok und berichtet darüber regelmässig im Rigi Anzeiger.

 

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