Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Wenn die Kinder voneinander lernen

Fokus Schule: In rund einem Drittel der Gemeinden im Kanton Luzern hat die Basisstufe Einzug gehalten. So funktioniert das altersgemischte Lernen bei 4- bis 8-jährigen Kindern.

 Basisstufen-Alltag in Greppen: Die 4-jährige Lily Rissi und der 8-jährige Raphael Achermann. Bild apimedia

Basisstufen-Alltag in Greppen: Die 4-jährige Lily Rissi und der 8-jährige Raphael Achermann. Bild apimedia

api. Bereits vor dem Eintritt in die Volksschule durchlaufen Kinder Entwicklungsprozesse, die für ihren späteren Schulerfolg von grosser Bedeutung sind. Umso wichtiger ist es, dass die Volksschule sie in dieser Phase individuell abholt und fördert. Je nach Entwicklungsstand des Kindes erfolgt der Übergang vom offenen Spiel zum systematischen Lernen mehr oder weniger schnell. Mit der Basisstufe wird diese Übergangsphase von der vorschulischen in die schulische Bildung und Erziehung flexibel gestaltet. Dabei werden Kindergärtner, Erst- und Zweitklässler in einer Klasse gemeinsam unterrichtet. In Holland und Schweden – zwei Länder, die in der PISA-Studie regelmässig Spitzenplätze belegen – wird dieses Modell der individuellen Förderung bereits seit langem erfolgreich praktiziert. Im Kanton Luzern wurde es vor 10 Jahren erstmals getestet. Heute werden kantonsweit 1300 Schüler in der Basisstufe unterrichtet – dies in insgesamt 26 Gemeinden. Und der Trend hält an. Ab Sommer führt die Gemeinde Eschenbach sieben neue Basisstufenklassen ein.

Individuelle Lernwege
Ziel dieses altersgemischten Lernens ist die individuelle Förderung der Kinder. «Die Leistungsziele der ersten und zweiten Primarklasse bleiben die gleichen. Leistungsstarke Schüler können den Lernstoff schneller absolvieren, während sich andere dafür bis zu drei Jahre Zeit nehmen können, ohne dass ein Kind nach dem traditionellen Muster eine Klasse wiederholen muss», sagt Elsbeth Strobel, Schulleiterin in Greppen, wo die Basisstufe vor zwei Jahren definitiv eingeführt wurde. «In der Basisstufe lernt jedes Kind enstprechend seinem Lerntempo und seinem Wissensstand. Es ist normal, verschieden zu sein.» Die Leistungen der Schüler in den Sachkompetenzen seien nicht besser oder schlechter als mit dem herkömmlichen Modell, aber die Altersdurchmischung fördere klar die Selbst- und Sozialkompetenz der Kinder, fährt Strobel fort.

Team-Teaching bereichert
Die Basisstufe nimmt grundsätzlich alle Kinder auf. Der Eintritt erfolgt in der Regel im Alter ab 4 Jahren. Der Entscheid über den Zeitpunkt des Eintritts (spätestens mit 5 Jahren) liegt bei den Erziehungsberechtigten. Die Aufnahme erfolgt semesterweise. Die Kinder sind während 20 bis 24 Lektionen pro Woche in der Basisstufe. Der Unterricht erfolgt blockweise und regelmässig, was fünf bis sieben Halbtagen entspricht. Am Nachmittag haben nur ältere Lernende zweimal pro Woche Unterricht. Zwei Lehrpersonen teilen sich bei normaler Klassenzusammensetzung und Klassengrösse 150 Stellenprozente. Das sogenannte «Team-Teaching» sei eine Bereicherung für den Unterricht, sagt Elsbeth Strobel: «Die Lehrpersonen ergänzen sich und fordern sich gegenseitig heraus. Und im Dialog lernen sie die Kinder und ihren Leistungsstand besser kennen. Dadurch wissen sie genau, wann und wo ein Kind zusätzliche Unterstützung braucht.»