Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Werden Sie Hellseher!

Die Natur hat uns Augen gegeben um leben und überleben zu können. Unsere Augen dienten einst ausschliesslich der Nahrungs- und Partnersuche und dem Erkennen von Gefahren. Heute dienen uns unsere Augen noch zu vielen anderen Zwecken. In meinem Berufsleben als Fotograf waren und sind meine Augen mein wichtigstes Werkzeug.


Felix von WartburgVor einem Jahr musste ich meine erste Brille kaufen, weil ich bei schwacher Beleuchtung keine Kreuzworträtsel mehr lösen konnte. Im Herbst war die für Senioren obligatorische ärztliche Kontrolle fällig. Mein Sehvermögen für den Strassenverkehr «sei an der Grenze», brachte mir die Hausärztin schonend bei. Sie meldete mich beim Augenarzt an. Dieser stellte «eine Linsentrübung in beiden Augen» (grauer Star) fest und verordnete ein Brille. Nun hatte ich zwei Brillen, eine für die Nähe und eine für die Ferne. So weit so gut. Was ich nicht realisierte war, dass ich nicht nur schlechter sah, sondern dass ich die Farben nicht mehr in ihrer strahlenden Kraft sah und Weiss nicht mehr als Weiss. Fotografisch ausgedrückt habe ich bei Tageslicht im Kunstlicht gesehen.

Am 16. April ist in der eben neu eröffneten Luzerner Augenklinik «Tag der offenen Augen». Ich habe dieses wunderschöne Haus schon vor einer Woche angeschaut, von innen, auf dem Operationstisch liegend. An meinem linken Auge wurde die «Ambulante Katarakt Operation» durchgeführt, wie das medizinisch präzis heisst. Um neun Uhr morgens musste ich antraben. Im Wartezimmer wurden mir Augentropfen eingeträufelt. Dann Abmarsch in die Umkleidekabine. Danach wurde ich in die Anästhesie geführt wo ich mich hinlegen durfte. Es wurde eine Infusion gesetzt und ein Beruhigungsmittel verabreicht. Dann wurde ich in den OP geschoben. Ich war völlig ruhig: Puls um die 55. Und dann kam die Operateurin. Sie erklärte mir nochmals den Ablauf der Operation, den ich schon von der Vorbesprechung kannte. Ich freute mich auf die Operation, denn abgenutztes Werkzeug muss ersetzt werden, sagte ich mir. Von der Operation habe ich nichts gespürt, auch danach nicht. Im «Aufwachraum» wurde mir wunderbarer Kaffee und ein Weggli serviert und danach bin ich – im Aufwachraum – eingeschlafen. Um 12 Uhr wurde ich abgeholt und nach Hause gefahren. Dort habe ich mir das Mittagessen zubereitet und mich danach an den Computer gesetzt und die aktuellen Mails zu lesen, seit langem erstmals ohne Brille. Dabei begeisterte mich, dass ich nun alles extrem scharf, extrem farbig und extrem weiss gesehen habe. Ich bin Hellseher geworden. Und das mit erst einem «reparierten» Auge. Heute Freitag liege ich wieder im OP der Augenklinik. Dann kommt das rechte Auge dran. Meine Brillen werden dann irgendwo in einem Drittweltland ihren Dienst tun. Felix von Wartburg, Chefredaktor