Rigi Anzeiger
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Wichtig sind stabile Beziehungen

Megger Schulpflege-Anlass zu Resilienzförderung und Elternmitwirkung

Wie können Kinder und Jugendliche im Alltag gestärkt und geschützt werden, damit sie Herausforderungen und Belastungen gesund und erfolgreich bewältigen? Diese Fragestellung stand im Zentrum des Vortrags von Dr. Jürg Frick, Dozent und Berater an der Pädagogischen Hochschule Zürich, in der Aula Hofmatt in Meggen.

Was ist ein «resilientes» Kind? Professor Jürg Frick führte am 21. Mai dazu in Meggen aus: «Resilienz ist das Vermögen einer Person oder eines Systems, beispielsweise der Familie, sich trotz schwieriger Lebensbedingungen auf sozial akzeptiertem Weg gut zu entwickeln. Ein resilientes Kind ist ein widerstandsfähiges Kind.» Anhand zweier ausgewählter Studien zeigte Jürg Frick auf, dass die Resilienz bei Kindern und Jugendlichen in der Familie, in der Schule oder bei Freizeitbeschäftigungen tatsächlich gefördert werden kann. Was ist zu tun?

Zahlreiche Eltern machen dies und jenes bereits mit ihren pubertierenden Kindern in der Pubertät. Das ist gut so. Wichtig sei, sich dieser Massnahmen und Faktoren in der Erziehungsarbeit im Alltag richtig bewusst zu sein. Jürg Frick hat in seinem Referat mehr als ein Dutzend Faktoren erwähnt und erläutert, welche die Resilienz fördern (vgl. Kastentext).

Resiliente Kinder und Jugendliche zeichnen sich bei der Problembewältigung durch eine hohe Motivation aus. Sie trauen sich etwas zu, haben Vertrauen in ihre Lösungsfähigkeit, packen Aufgaben an. Sie kontrollieren sich selbst. Sie haben die subjektive Sicherheit und Gewissheit, dass sie zu einem Resultat kommen. Professor Frick wies aber auch auf Risikofaktoren in der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hin. «Entwicklungen verlaufen selten linear. Jeder Mensch macht seinen eigenen Entwicklungspfad – mit Hochs und Tiefs.» Negativ könnten sich andauernde Disharmonie in der Familie, fehlende Bindungsbeziehungen, chronischer Stress oder Misshandlung und Missbrauch auf die Entwicklung auswirken.

Resiliente Menschen haben gemäss Frick die Fähigkeit, mit auftauchenden Risikofaktoren positiv umzugehen. Sie werden aktiv und unternehmen Schritte zur Wiederherstellung von Gesundheit und Wohlbefinden. In der Familie, Schule und Wirtschaft, im Sport und Vereinsleben gelte es, all diese Grundhaltungen und Fähigkeiten zu fördern und zu unterstützen.

Elternmitwirkungskonzept
Die Schule Meggen kennt bereits die klassenbezogene Elternmitwirkung, die sich auf das eigene Kind, bei gemeinsamen Anlässen, wie Klassenlager, auf die Klasse oder bei grösseren Veranstaltungen sich auf die ganze Schule beziehen kann. Bei Fragen mit dem eigenen Kind ist der Vorgehensweg vorgezeichnet. Eltern wenden sich zuerst an die Lehrperson. Ist das Resultat unbefriedigend, ist die nächste Instanz die Schulleitung, dann die Schulpflege. Neu soll zusätzlich eine institutionalisierte Elternmitwirkung auf der Primarschule geschaffen werden. Eine Kerngruppe hat ein Konzept ausgearbeitet. Nun wird eine Gruppierung von Eltern schulpflichtiger Kinder gesucht, die in einem Probelauf erste Erfahrungen mit dem neuen Mitwirkungskonzept sammeln soll.

 

Resilienzförderung in Familie und Schule: Was ist wichtig?

• Enge, stabile und sichere emotionale Beziehungen in der Familie (zumindest zu einem Elternteil)
und in der Schule zu den Lehrpersonen anstreben

• grundsätzlich positive Grundhaltungen fördern

• überzeugende Vorbilder erleben 

• realistische Erwartungen und Anforderungen an die Kinder und Jugendlichen stellen

• Klarheit der Ziele, Regeln, Anforderungen und Grenzen: aushandeln im Familien- oder Klassenrat

• Förderung der Problemlösestrategie, aktive Bewältigungsmuster aufzeigen

• sinnvolle Unterstützung bei Schwierigkeiten und Misserfolgen

• persönliche Verantwortung übertragen, Eigenaktivitäten fördern

• Erfolgserlebnisse verstärken

• resilienzfördernde Märchen und Geschichten lesen oder erzählen

• Förderung eines positiven Selbstkonzepts, des positiven Denkens

• angemessene Perspektiven aufzeigen

13 aufhänger DSC_0579 Isabelle Arnet

Isabelle Arnet, Mutter dreier schulpflichtiger Kinder zur Resilienzförderung: «Ich habe heute Abend nichts Brandneues gehört. Wir bieten unseren Kindern ein Daheim und Liebe. So wären eigentlich die Voraussetzungen geschaffen, dass sie resilient werden. Aber der Abend war aufschlussreich und interessant.»

Und zur Elternmitwirkung: «Ich finde es sehr schön, dass sich die Schule Meggen öffnet, dass sie den Eltern die Möglichkeit bietet, sich einzubringen. So muss man nicht die Faust im Sack machen und im Dorf ausrufen über die Lehrpersonen und die Schule, sondern man kann konkret mitreden und mitgestalten. Ich habe mich bereits als Interessentin gemeldet.»

13 aufhänger DSC_0572 Remo Ehrenbolger
Remo Ehrenbolger, Schulleiter und junger Vater zur Resilienzförderung: «Für mich ist die Beziehungsebene die Grundlage, ob mit den eigenen Kindern oder in der Schule. Wenn man den Zugang zu Kindern hat, dann sind sie wissbegierig, interessiert, dann hören sie zu und gehorchen. Und ebenso wichtig, die Selbstwirksamkeit, dass man den Kindern auch etwas zumutet. Dass man die Kinder unterstützt, aber den Weg müssen sie selber machen.»

Zur Elternmitwirkung: «Da bin ich sehr gespannt. Jetzt haben wir ein Konzept und haben die Rahmenbedingungen und Strukturen definiert. Wir haben die Mitwirkungsmöglichkeiten und Grenzen aufgezeigt. Jetzt folgt die konkrete Umsetzung. Das ist eine spannende Aufgabe für die nächsten Jahre.»