Rigi Anzeiger
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Wie empfinden Kinder ihr Leben?

Mehr als 17’000 acht- bis zwölfjährige Kinder in 16 Ländern auf vier Kontinenten wurden zu ihren Erfahrungen und Ansichten über ihr Leben befragt. Es ist die zweite Studie in dieser Altersgruppe. Der Bericht der «Children’s World»-Studie, der eben veröffentlicht wurde, liefert Ergebnisse, die geeignet sind, das Leben von Kindern auf der ganzen Welt zu verbessern.

333-Bild Kids Aufmacher

red. Die in Zürich ansässige Jacobs Foundation hat die Forschungsarbeit finanziert und angekündigt, dass sie eine Fortsetzung der Studie unterstützt. Die Erhebung bei acht bis zwölfjährigen Kindern wird 2017 beginnen und erneut eine grössere Anzahl Länder umfassen. Die Ansichten junger Kinder sind selten ein Forschungsgegenstand. Die «Children᾽s World»-Studie schliesst diese Lücke. Die Umfrage hat Kinder zu allen wichtigen Aspekten ihres Lebens, inklusive Familien- und Privatleben, Freundschaften, Geld und Besitz, Schulleben, Sozialraum, Zeiteinteilung, ihrem persönlichen Wohlbefinden, Blick auf Kinderrechte und ihre allgemeine Zufriedenheit, befragt. «Wir haben jetzt erstmals die Gelegenheit, Kinderleben so umfassend aus der Sicht von Kindern zu ergründen und zu vergleichen», sagt Sabine Andresen, von der Goethe-Universität Frankfurt. «Kinder nehmen die Welt um sich herum genau wahr und wir können sehen, wer sich in welchen Bereichen beeinträchtigt fühlt.» Simon Sommer, Forschungsleiter der Jacobs Foundation, sagt dazu: «Dieses Projekt ist wegweisend. Der Bericht stellt zum ersten Mal die Perspektiven achtjähriger Kinder auf ihr Leben und das persönliche Wohlbefinden ins Zentrum.» Die dritte Untersuchung wird im September 2017 mit den Erhebungen starten und 2019 weitere Erkenntnisse publizieren.

Die meisten sind zufrieden

Die meisten achtjährigen Kinder der 16 untersuchten Länder sind zufrieden mit ihrem Leben und der Situation, allerdings gab eine Minderheit (rund 6% der Kinder) ein geringes Wohlbefinden in ihrem Leben an. Die %zahl an Kindern mit geringem Wohlbefinden variierte von unter 3 % in Kolumbien und Rumänien zu über 9 % in Äthiopien, Südkorea und Grossbritannien. Zum Thema Sicherheit sagten die meisten der Befragten, sie fühlten sich total sicher zu Hause, in der Schule und in ihrem näheren Sozialraum. Allerdings gaben 4 % der Kinder an, sich zu Hause nicht sicher zu fühlen, 4 % fühlten sich nicht sicher in der Schule und 9 % der Kinder gaben an, sich in ihrer Nachbarschaft und ihrem Sozialraum unsicher zu fühlen.

Schulfreude sinkt mit zunehmendem Alter

Die meisten Kinder (62%) gaben an, gerne zur Schule zu gehen. Das sind erheblich mehr als sich unter den Befragten der 10-jährigen (52%) oder 12-jährigen (42%) Kinder befanden. Die Beliebtheit der Schule sinkt mit jedem Alter. Doch auch der Ländervergleich ist aufschlussreich: Am liebsten gehen Kinder in Algerien und Äthiopien zur Schule, während der Anteil der Kinder, die eher ungern zur Schule gehen, in Deutschland, Südkorea und England vergleichsweise hoch ist. In einigen Ländern, zu denen auch Israel und sechs weitere europäische Länder gehören, haben Mädchen eine positivere Einstellung zur Schule als Jungen. Viele Kinder gaben an, in der Schule von Klassenkameraden ausgeschlossen (41%) oder gewalttätigen Handlungen ausgesetzt worden zu sein (48%). Diese Erfahrung trat bei Kindern im Alter von acht Jahren häufiger auf, als bei den älteren Teilnehmergruppen. Die Rate an Kindern mit Gewalterfahrung war in Estland, in Grossbritannien und in Deutschland am höchsten und am niedrigsten in Südkorea. Gefühle der Ausgrenzung durch Klassenkameraden waren im UK und in Rumänien am höchsten und in Südkorea und Äthiopien besonders niedrig.

Wissen über Kinderrechte

Fast die Hälfte der jüngeren Kinder (46%) gab an, über die besonderen Rechte von Kindern informiert zu sein. Es waren weniger Kinder als in der Gruppe der 10- bis 12-jährigen (58%). Kinder in Kolumbien waren am ehesten über die Kinderrechte informiert (73%). In der Türkei, Äthiopien, Rumänien und Norwegen gaben immerhin mehr als die Hälfte der achtjährigen Kinder an über ihre Rechte informiert zu sein. Professor Asher Ben-Arieh, Studienleiter und Co-Vorsitzender des ISCI (International Society of Child Indicators), kommentierte «Es ist das erste Mal, dass wir von fast 20000 achtjährigen Kindern aus 16 unterschiedlichen Ländern hören was sie tun, fühlen und wollen. Dies lehrt uns vor allem, dass Kinder selbst besser über ihr Leben Bescheid wissen als andere und dass jeder Versuch der Verbesserung immer ihre Stimme mit einbeziehen und berücksichtigen sollte.»

Der aktuelle Teil der Erhebung ist bisher mit über 56000 Probanden in drei Altersgruppen (acht, zehn und zwölf Jahre alt) in 16 Ländern abgeschlossen – Algerien, Kolumbien, Estland, Äthiopien, Deutschland, Israel, Malta, Nepal, Norwegen, Polen, Rumänien, Südafrika, Südkorea, Spanien, der Türkei und Grossbritannien. Der vollständige Bericht, eine Zusammenfassung und Begleitmaterialien sind auf der Projekt-Website zu lesen und stehen zum Download zur Verfügung: www.isciweb.org