Rigi Anzeiger
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Wie gesund leben die 11- bis 15-Jährigen?

Region: Eine internationale Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) untersucht seit 1982 alle vier Jahre die Häufigkeit des Frühstücks, die schulische Belastung, den Fernsehkonsum an Schultagen oder die psychosomatische Beschwerdelast von Kindern und Jugendlichen.

Sportliche Aktivitäten sind das beste Mittel für ein gesundes Heranwachsen. Bild vw./Archiv

Sportliche Aktivitäten sind das beste Mittel für ein gesundes Heranwachsen. Bild vw./Archiv

red. Die Kinder- und Jugend-Gesundheitsstudie «Health Behaviour in School-aged Children» (HBSC) ist ein internationales kooperatives Forschungsvorhaben, das von der WHO seit über 25 Jahren unterstützt wird. Die HBSC-Studie wurde 1982 von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus England, Finnland und Norwegen gemeinsam entwickelt und durchgeführt. Ursprünglich mit vier Ländern begonnen, nehmen mittlerweile über 40 Länder mit mehr als 200’000 Kindern und Jugendlichen an der Befragung teil. Hier einige Beispielswerte.

Grosse Alters-, Geschlechter- und soziale Unterschiede

Mehr als die Hälfte aller Schüler frühstückt an Schultagen, davon jedoch mehr Jungen (65,1 Prozent) als Mädchen (57,3 Prozent). Zudem frühstücken mehr Kinder mit hohem familiärem Wohlstand. Die Zahl derjenigen, die jeden Tag frühstücken, verringert sich allerdings mit zunehmendem Alter. Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund ist unter den «Nie-Frühstückern» am höchsten (Mädchen 39,3 Prozent; Jungen 32,8 Prozent). Weil das Frühstück aber eine wichtige Basis für gute schulische Leistungen ist, sollten insbesondere bei Jugendlichen sowie bei Familien mit Migrationshintergrund und geringem sozioökonomischen Status wirksame Interventionen entwickelt werden, erklären die Studienleiter. Mehr als ein Viertel aller Jungen (26,9 Prozent) und Mädchen (28,9 Prozent) fühlt sich – fast unabhängig von familiärem Wohlstand und Herkunft – einigermassen oder sehr stark von den schulischen Anforderungen belastet. Dieses Gefühl nimmt mit dem Alter insbesondere bei Mädchen noch zu. Interventionen wie beispielsweise ein gutes Schulklima, positives Feedback oder Interessenförderung können helfen, die Belastung zu mindern und damit psychischen Erkrankungen entgegenwirken.

Bis vier Stunden Fernsehen pro Tag
Mehr als die Hälfte aller Befragten weist einen problematischen Fernsehkonsum auf (Mädchen 52,4; Jungen 58,8 Prozent), der sich mit zunehmendem Alter noch steigert. Je höher der familiäre soziale Status, desto geringer der Fernsehkonsum. Kinder mit Migrationshintergrund schauen häufig mehr als vier Stunden an Schultagen fern und dabei Mädchen ausgeprägter als Jungen. Intervention und Prävention sollten auf stärkere körperliche Aktivität und Massnahmen zur Konsumreduzierung ausgerichtet sein. Unter zwei oder mehr psychosomatischen Beschwerden pro Woche leiden Mädchen (31,3 Prozent) deutlich häufiger als Jungen (17,3 Prozent) und jene Kinder mit Migrationshintergrund ebenfalls stärker als jene ohne. Mit steigendem Alter verdoppelt sich der Anteil der Mädchen mit regelmässigen psychosomatischen Beschwerden (11-Jährige 20 Prozent, 15-Jährige 41,4 Prozent). Zu solchen Beschwerden zählen beispielsweise Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder am häufigsten Einschlafprobleme (14; 8,3 bzw. 20,1 Prozent der Jugendlichen). Obwohl Kinder und Jugendliche zum gesündesten Teil der Bevölkerung zählen, zeigt sich in diesem Bereich grosser Handlungsbedarf, der zudem geschlechts- und sozioökonomisch sensibel ausgerichtet sein sollte.

Studie auch in der Schweiz
Die HBSC-Studie untersucht unter der Schirmherrschaft der WHO seit 1982 alle vier Jahre den Gesundheitszustand und das gesundheitsrelevante Verhalten von 11-, 13- und 15-Jährigen in Europa und Nordamerika. Für die Studie in der Schweiz werden rund 700 Klassen der 5. bis 9. Stufe aus der ganzen Schweiz zufällig ausgewählt, woraus sich eine Stichprobengrösse von ca. 10›000 Schülerinnen und Schülern ergibt. Aus ethischen Gründen und um jüngere Schulkinder nicht zu überfordern werden einige Fragen (insbesondere jene bezüglich des Gebrauchs illegaler Substanzen und der Sexualität) nur Schülerinnen und Schülern der 8. und 9. Klasse gestellt (d.h. den mehrheitlich mindestens 14-Jährigen). Die Befragung erfolgt auf Klassenbasis während einer normalen Unterrichtsstunde. Sie beruht auf Freiwilligkeit und totaler Anonymität der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. Die Ergebnisse der internationalen Studie – in welcher die Länder-Werte verglichen werden können – sollen in einem Monat von der WHO veröffentlicht werden.