Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Wie spricht man im «Kindsgi»?

Abstimmungskampf zur Mundartinitiative

Die einen sehen das «Kulturgut Mundart» gefährdet, die andern fürchten um die Sprachkompetenz der Vorschulkinder. Mit der Präsentation ihrer Argumente haben die Komitees für und gegen die Initiative «Ja zu Mundart im Kindergarten» den Kampf um die Gunst der Stimmberechtigten begonnen.

beeler silvana_ebikon_sp

 

«Das sind die beiden Seiten ein und derselben
Medaille, Hochdeutsch ist keine Fremdsprache.»

Silvana Beeler, SP-Fraktionspräsidentin

 

 

 

Die Initiative von Jung-SVP und SVP verlangt, dass an Luzerner Kindergärten grundsätzlich Mundart die Unterrichtssprache ist. Heute wird im Kindergarten «häufig auf Hochdeutsch unterrichtet», heisst es im Bericht des Regierungsrates gegen die Initiative. Das Verhältnis wird auf zwei Drittel Hochdeutsch und ein Drittel Mundart geschätzt. Die Initianten befürchten, dass die Mundart so aus dem «Kindsgi» verdrängt wird. Auch die «Vermischung der beiden Sprachformen» Mundart und Hochdeutsch bereitet ihnen Sorge. Vor allem Ausländerkinder hätten «Mühe mit dem Hin und Her von Dialekt und Hochdeutsch». Die Pflege der Mundart im Vorschulalter unterstütze die Integration besser, argumentiert das überparteiliche Ja-Komitee.

Dem halten die Gegner der Initiative entgegen, in der Kindergarten-Praxis werde die Sprachwahl je nach Situation und Bedürfnis der Kinder angepasst. «Im Schulzimmer Hochdeutsch, überall sonst die Alltagssprache», beschreibt die Marbacher Kindergärtnerin Vreni Gilli vom Nein-Komitee ihren Unterrichtsalltag. Die frühere Ebikoner Ortspartei- und heutige SP-Fraktionspräsidentin Silvana Beeler sieht den Gegensatz Mundart-/Hochdeutsch nicht: «Das sind die beiden Seiten ein und derselben Medaille, Hochdeutsch ist keine Fremdsprache.»

Parteipolitisch scheint die Ausgangslage für die Abstimmung über die Mundartinitiative vom 22.September nicht so eindeutig, wie es noch im Kantonsrat den Anschein machte. Während dort JSVP und SVP allein gegen alle andern Fraktionen für die Initiative einstanden, finden sich im Ja-Komitee nun auch Vertreter der bürgerlichen Jungparteien Jung-Freisinnige und JCVP. Auch zwei politische Schwergewichte aus dem Rigi-Land engagieren sich für die Initiative: SVP-Fraktionspräsident Guido Müller, Ebikon, und alt-FDP-Grossrat Hermann Suter, Greppen, gehören dem Ja-Komitee an. Gegen die Initiative treten CVP, FDP, SP, Grüne und GLP an.